Der kompletteste Spieler der HSG Wetzlar: Olle Forsell Schefvert (25) geht auch dahin, wo es weh tut. FOTO: VOGLER
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Der kompletteste Spieler der HSG Wetzlar: Olle Forsell Schefvert (25) geht auch dahin, wo es weh tut. FOTO: VOGLER

HSG Wetzlar

HSG-Rückraumspieler Olle Forsell Schefvert im Interview

  • Daniela Pieth
    vonDaniela Pieth
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Olle Forsell Schefvert von der HSG Wetzlar lässt es im Angriff und in der Abwehr krachen. Wie es ihm in Zeiten von Corona ergeht und wie er die Maßnahmen erlebt, darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Sechs Spiele, 17 Tore, 13 Assists und sechs erfolgreich geblockte Würfe lautet die Bilanz von Olle Forsell Schefvert in der Handball-Bundesliga. Die zehn Fehlwürfe und fünf technischen Fehler mag man dem Rückraumlinken der HSG Wetzlar dabei verzeihen, denn der 27-jährige Schwede gibt in jedem Spiel bis zur letzten Sekunde alles für seine Mannschaft und seinen Verein. Wie es ihm in Zeiten von Corona ergeht, wie er die Maßnahmen erlebt und sich die Zeit vertreibt, darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Wie geht es Ihnen?

Mir geht es gut. Ein bisschen müde, wie immer, aber sonst geht’s gut.

Kristian Björnsen, Stefan Cavor, Lenny Rubin, Till Klimpke und auch Anton Lindskog sind bei ihren Nationalmannschaften. Was sagen Sie zu der Nominierung Ihres Landsmannes Lindskog?

Das ist cool. Das hat er sich verdient.

Sie beide haben sich in Wetzlar als Handballer sehr gut weiterentwickelt.

Ja. Ich bin ein Jahr später hergekommen als Anton. Wir beide wussten, als wir nach Wetzlar kamen, dass die Konkurrenz hart ist. Anton hatte Jannik Kohlbacher vor sich, der schon in dieser Zeit ein Weltklasse-Kreisläufer war. Als ich kam, war Philipp Weber da und wurde 2016/2017 Torschützenkönig. Dann kam mit mir Alexander Hermann (Anm. d. Red., 2017-2019). Er hatte schon zwei Jahre in der 2. Bundesliga (Bergischer HC) gespielt. Wir brauchten Zeit, um die Liga kennenzulernen.

Letztendlich war es doch aber von Vorteil, dass Sie Spieler vor sich hatten, von denen sie lernen konnten und nicht gleich so viel Verantwortung übernehmen mussten, oder?

Klar. Alexander Hermann war der bessere Handballspieler, als wir beide hergekommen sind. Er war verpflichtet als Nummer eins auf unserer Position, spielte für die Nationalmannschaft von Österreich. Der Verein hat ihm diese Verantwortung gegeben. Ich habe in meiner Karriere immer um meine Verantwortung gekämpft, in Schweden und hier. Das ist die normale Situation, wenn ich zu einem neuen Verein komme.

Jetzt sind Sie auf dieser Position der Stammspieler. Sind Sie zufrieden, so wie es ist?

Ja, klar bin ich zufrieden. Du willst immer spielen, jede Minute auf dem Platz stehen, das ist dein Ziel. Jetzt bin ich in der ersten Sieben und zufrieden.

Und in der Abwehr mit Lindskog wirklich ein Bollwerk.

Ja, wir haben ein gutes Verständnis in der Abwehr. Manchmal spielen wir auch sehr schlecht. Aber wir können uns unter vier Augen sagen, okay, ich war schlecht heute oder Anton war est. Wir sind ehrlich zueinander. Wir sprechen viel Schwedisch miteinander, auch auf dem Spielfeld. Wir können auch auf Deutsch reden, aber so in der 45. Minute gegen Kiel ist es einfacher, taktisch in Schwedisch zu sprechen.

Wie lange kennen Sie sich schon?

Wir haben in der A-Jugend gegeneinander gespielt, ich war in Sävehof und er in Kristianstad. Die letzte U 21-WM haben wir 2013 zusammengespielt und Gold gewonnen.

Haben Sie da schon festgestellt, dass das mit ihnen Beiden gut funktioniert.

Nein, ich habe nicht im Mittelblock gespielt, sondern mehr auf der Halbposition und auf der anderen Seite von Anton. In der schwedischen Schule lernst du, wenn du Profi-Handball spielen willst, dass du alle Abwehrpositionen spielen können musst. Anton hat am meisten im Mittelblock gespielt, ich Halbverteidiger und im Mittelblock.

Leichtathletik und Turnen, gehört das in Schweden zur Ausbildung?

In den Kraftraum geht man das erste Mal mit 15 Jahren. Wenn du in Schweden mit Sport anfängst, bist du meist acht Jahre alt und spielst Fußball, Handball, Tennis, Eishockey - und so mit 14 Jahren musst du wählen, welchen Sport du machen willst. In Göteborg, wo ich herkomme, sind Fußball und Eishockey sehr groß. Handball hat da ein bisschen Probleme, Spieler zu rekrutieren.

Sie haben Videospiele spielen und Filme schauen als Hobby. Was spielen Sie und schauen Sie gerne?

Wir spielen ganz viel zusammen Playstation, und ich schaue gerne Dokumentationen und große Filme wie Star Wars, Herr der Ringe. Ich finde diese Filme einfach toll, aber ich gucke auch gerne Natur-Dokumentationen, den zweiten Weltkrieg, Vietnamkrieg, ich finde historische Sachen sehr interessant.

Lesen Sie auch die Bücher zu den Filmen?

Nein. Wenn ein Buch kommt zum Kino, dann schaue ich den Film. Ich mag nicht lesen, das ist nicht meine Sache. Das ist mir zu langweilig.

Wie muss man sich das bei den Videospielen vorstellen? Gehen Sie online oder wird zu Hause auf der Couch gezockt - mit einer festen Gruppe?

Manchmal zusammen, aber ganz oft online. In der Mannschaft spielen Anton, Alex (Feld), Lenny, Lars (Weissgeber), Magnus (Fredriksen) und ich meistens COD (Call of duty) zusammen, das ist ein Kriegsspiel. Andere spielen auch viel FIFA, viele verschiedene Spiele. FIFA finde ich besser, wenn du zusammen auf der Couch sitzt, Bier trinken und spielen kannst (lacht), das macht mehr Spaß.

Seit vergangenen Montag haben wir hier in Deutschland den Lockdown light. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie es erfahren haben?

Zuerst habe ich gedacht, ein kleiner Lockdown ist vielleicht besser als ein großer. Ich finde, in diesem Lockdown ist auch sehr viel Politik drin. Alle Länder machen ihr eigenes Ding. Als der erste Lockdown war, habe ich in Schweden mein Leben nicht so viel verändert. Hier in Deutschland ist das für uns Schweden viel Stress, weil du diese Maske haben musst. Für uns ist das ein komisches Gefühl, nach eineinhalb Stunden Flug nach Schweden - und die Einstellung zu dieser Pandemie ist völlig anders. Schweden hat alles geöffnet, hat keinen Lockdown gemacht - und das hat die Kolonie belohnt. Hier in Deutschland hat man den Lockdown gemacht - und klar, wenn du danach alle Sachen wieder öffnest, hast du die Pandemie noch mal hier. Ich bin darüber frustriert, dass man nicht weiß, was das genau ist. Für mich ist das vielleicht nicht tödlich, aber für andere Menschen. Es wäre gut, wenn wir wissen, was das Virus ist und wie man das bekämpfen kann. Ich glaube, wir müssen diesen Impfstoff unbedingt haben. Das ist Pech für die ganze Welt. Ich glaube, nicht ein Beruf oder Geschäft hat keine Konsequenzen gemerkt. Ich persönlich möchte Handball spielen und bin froh, wenn ich das machen kann.

Der schwedische Weg wird auch von vielen kritisiert. Warum glauben Sie funktioniert das in Schweden und warum in Deutschland angeblich nicht, wo uns der Maskenzwang auferlegt wird?

Ich glaube, das ganze Land ist die Lösung. In Schweden hat man eine sehr gute Krankenversicherung. Wir haben zehn Millionen Einwohner, hier in Deutschland sind es 80 Millionen, und New York ist eine Stadt mit über acht Millionen. Ich glaube, es gibt nicht die eine richtige Sache. Die Länder müssen einen Weg für sich selbst finden. Ist Maske und Total-Lockdown das Beste für Deutschland, dann ist das so. Aber das muss nicht die beste Lösung für Schweden, Dänemark, Thailand oder Norwegen sein.

Wie geht es Ihrer Familie in Schweden? Wie treten Sie in Kontakt?

Mit meinen Eltern und meinen zwei Brüdern habe ich jede Woche Kontakt, und sie leben in Schweden ein ganz normales Leben, sie müssen keine Maske tragen. Vielleicht muss Schweden auch seine Strategie ändern, das hat nicht so gut funktioniert. Du kannst nicht die ganze Welt in einen Lockdown schicken. Ich habe in den Zeitungen gesehen, dass viele Menschen psychische Probleme haben, weil sie zu Hause bleiben müssen. Die Welt ist eine andere, alle Länder müssen einander haben.

Was vermissen Sie am meisten aus Schweden?

Meine Familie und meine Freunde. Jetzt in der Nationalmannschaftspause könnte man zwei, drei Tage nach Hause fliegen. Nur auf Mamas Sofa schlafen und gutes Essen bekommen. Wenn ich nach Hause fliege, dann habe ich frei, ich muss nichts machen und wenn ich zurück komme, ist die Batterie voll. Aber die Situation ist wie sie ist.- und du musst das Beste daraus machen.

Was vermissen Sie im Lockdown?

Die Freizeit, vielleicht ist das nicht viel, in Blankenfeld essen. Ich vergesse mindestens ein Mal am Tag die Maske, wenn ich einkaufen muss oder zum Sport gehe. Der Mensch ist ein Freizeittier. Ich glaube, der Mensch kann nicht zu lange in einer Wohnung bleiben, dann kommen diese psychischen Probleme. Aber ich habe meine Freundin und meinen Hund (Labrador-Pointer) hier - ich bin froh.

Sie müssen jetzt auch öfter zu Hause kochen. Was kochen Sie am liebsten, kochen Sie überhaupt?

Doch, ich bin der Koch im Haus hier. Ich koche gerne. Nicht wenn ich allein bin, dann bestelle ich lieber eine Pizza oder einen Burger. Aber für uns zwei kochen wir viel Hähnchen mit Reis oder Nudeln, und auch Fleisch mit Salat. Aber ich mag es nicht, wenn du ein Rezept hast. Ich will improvisieren, ich schaue in den Kühlschrank, was da ist, und dann geht es los.

Sie haben als Lieblingsessen Tacos angegeben.

Tacos sind in den Top 3 Lieblingsessen. Es ist einfach, frisch und nicht so ungesund.

Und die anderen zwei?

Pizza und Balkan-Essen. Cevapcici in Blankenfeld.

Ihr Lebensmotto ist Hakuna matata. Warum?

Das ist einer meiner Lieblings-Disney-Filme. Wenn ich ein Motto ausgeben würde, dann das. Wir sind jetzt in einer schwierigen Situation, die ganze Welt hat eine schwierige Zeit. Kann ich das nicht ändern, dann okay lass das weg. Mach das Beste draus.

Ihr Vertrag läuft bei der HSG Wetzlar noch bis zum 30. Juni 2021. Gab es Gespräche, wie es weitergeht?

Nein, ich habe noch nicht mit dem Verein geredet, das ist im zweiten Lockdown vielleicht auch gerade nicht die Priorität des Vereins. Vielleicht kommt das im nächsten Monat. Es ist auch noch Zeit. Ich glaube, wir spielen bis zum 26. Juni nächsten Jahres.

Machen Sie sich Gedanken über die Zukunft?

Ich habe ein gutes Leben, ich kann nichts anderes sagen. Ich habe noch nicht so viel darüber nachgedacht. Ich bin jetzt 27 Jahre alt, ich bin noch jung.

Gibt es einen Traum-Verein, bei dem Sie gerne mal spielen würden?

Ja klar, Barcelona. (lacht) Aber da muss mein Berater viel arbeiten. In dieser Zeit möchte ich nur einen Verein haben und Handball spielen. Das habe ich jetzt - und nächstes Jahr werden wir sehen. Hoffentlich habe ich dann auch einen Verein.

Abschließend bitte ein Wort zu den Fans.

Bleibt gesund - und wenn ihr nicht raus müsst, bleibt zu Hause, schaut einen Film. Klar vermisse ich unsere Fans auch beim Spiel. Die letzten zwei Spiele waren sehr schlecht von uns, dann ist es egal, ob die Fans da sind oder nicht. Mit den Fans gibt es eine andere Stimmung in der Arena. Aber ich denke, das darf unsere Leistung nicht beeinflussen. Wir sind Profi-Handballer und müssen immer unsere Leistung auf die Platte bringen. Egal, ob Zuschauer da sind oder nicht. Aber klar, ich vermisse die alle. Aber das ist in der Liga für alle Teams gleich.

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