"Hoffe, später noch einmal in Gießen zu spielen"

(mv) "Ich will ihn gar nicht stoppen. Wir werden einfach versuchen, die anderen unter Kontrolle zu halten." Wer, wenn nicht Thorsten Leibenath, wusste bereits am späten Dienstagnachmittag besser, dass Chuck Eidson sowieso nicht zu stoppen ist?

(mv) "Ich will ihn gar nicht stoppen. Wir werden einfach versuchen, die anderen unter Kontrolle zu halten." Wer, wenn nicht Thorsten Leibenath, wusste bereits am späten Dienstagnachmittag besser, dass Chuck Eidson sowieso nicht zu stoppen ist? Mit seinem derzeitigen Team Lietuvos Rytas Vilnius war der US-Amerikaner in der Runde der letzten 16 des Eurocups bei den Artland Dragons und Gießens Ex-Coach Leibenath zu Gast. Und spätestens nach der Basketballpartie war klar, dass aus dem ehemaligen 46ers inzwischen einer der Topspieler in Europa geworden ist.

Derzeit führt Eidson das Team aus der litauischen Hauptstadt bei Punkten, Rebounds, Assists, Steals, Blocks und Minuten an. Auch Leibenath gerät ins Schwärmen, wenn er über den Mann spricht, den er als Co-Trainer bei den Gießen 46ers von 2004 bis 2006 trainierte. "Ich habe mich letztens noch mit Stefan Koch über ihn unterhalten, und wir sind uns einig: Er ist derzeit einer der zehn besten Spieler in Europa", konstatiert der Headcoach der Dragons, der schätzt, dass Eidson seit seiner Gießener Zeit "gut zehn Kilo" leichter geworden ist. "Er ist viel wendiger geworden.

" Zusammen mit dem inzwischen ausgezeichneten Distanzwurf und der Spielübersicht ergibt sich somit ein Basketballer ohne nennenswerte Schwächen. Während der Partie gegen die Dragons verteidigte Eidson alles von Guard Lamont McIntosh über Flügel Adam Hess bis hin zu Center Darius Hall - was seine Variabilität nur unterstrich.

Vor knapp 1900 Zuschauern, darunter gut 35 Litauer, startete Eidson zwar auf dem Flügel, wechselte allerdings Mitte des ersten Viertels auf die Position des Aufbauspielers. Eine nicht ungewohnte Position für den "Chuckster", spielte Eidson doch bereits an der University of South Carolina zeitweise als Pointguard. Seit dem Abgang des Ex-Bonners Branko Milisavljevic vor einigen Wochen übernimmt er diese Rolle für Lietuvos Rytas regelmäßig. Vor allem Marijonas Petravicius, der mit Eidson zusammen am College spielte und 2003/2004 für den Mitteldeutschen BC in der BBL auflief, profitierte im Spiel gegen die Dragons immer wieder von Eidsons Pässen und kam häufig zu Würfen unter dem Korb. Von einer Knöchelverletzung, die der Forward sich im litauischen Allstar-Game (in welchem er zum besten Spieler gekürt worden war) drei Tage vor der Partie zugezogen hatte, keine Spur.

Aber auch am Brett war der 28-Jährige präsent, fischte sich Rebound um Rebound – und vorne suchten die Litauer immer wieder Eidson, wenn es knapp wurde. Am Ende hatte Eidson 17 Punkte, neun Rebounds, acht Assists und sieben gezogene Fouls auf seinem Konto.

Angesichts dieser Statistiken wunderte es wohl niemanden, als Thorsten Leibenath nach der 70:79-Niederlage seines Teams verkündete: "Ein Spieler hat den Unterschied gemacht: Chuck Eidson." Jener war nach der Begegnung selbst überrascht von seinen Statistiken, freute sich aber schon auf seine Rückkehr in die litauische Hauptstadt, wo seine Frau Samantha und die im September geborenen Zwillinge Madeline und Charles Patrick Eidson III auf ihn warteten. "Wir fahren heute Nacht um drei Uhr nach Bremen, fliegen von da aus nach Frankfurt und dann zurück nach Vilnius. Zu Hause ist das besser, die Kinder werden abends um sieben schlafen gelegt und werden nicht vor sieben Uhr morgens wieder wach", führt der Flügelspieler gute Gründe an, warum es zu Hause schöner ist als in Niedersachsen.

Bepackt mit Gummibärchen, Geschenken für seine Kinder sowie einer DVD der Dokumentation "Fünf" über das legendäre fünfte Playoff-Spiel der Viertelfinalserie der Gießen 46ers gegen Köln aus der Saison 2004/2005 ("Dann glauben meine Kinder mir später, wenn ich ihnen davon erzähle") bestieg Eidson den Bus zurück ins Hotel, jedoch nicht ohne einen Wunsch zu bekennen: "Ich hoffe, dass wir später alle noch einmal in Gießen spielen werden", so der Amerikaner, der in der laufenden Saison von der absoluten Crème de la Crème des europäischen Basketballs wie Fenerbahce Istanbul, Maccabi Tel Aviv und Tau Vitoria umworben worden war. Zumindest eine Bewegung hat Eidson immer noch im Blut: Nach dem Sieg drehte sich der MVP des Jahres 2005aus der BBL zu den zwei angereisten Gießener Fans um und machte die "Welle".

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