"Hölle Nord" den Schrecken nehmen

Gestürmt hat die HSG Wetzlar die Campushalle in elf Erstliga-Spielzeiten nicht. Dies zu erwarten, wäre für die heutige Bundesliga-Partie bei der SG Flensburg/Handewitt gleichfalls vermessen, obwohl die Grün-Weißen beim Nordlicht noch nie mit einem solchen Selbstvertrauen und einer derart positiven Punktebilanz antraten. Beim Blick auf die Tabelle steigt nicht eine Stunde zuvor zwischen dem VfL Gummersbach und dem HSV Hamburg der Schlager dieses Spieltages, sondern exakt um 20.15 Uhr eben zwischen der SG Flensburg/Handewitt (2., 8:0 Punkte) und der HSG Wetzlar (6., 6:2 Punkte). Neu-Trainer Michael Roth und seine Mannschaft werden deshalb zumindest alles daran setzen, dass sie der berühmt-berüchtigten "Hölle Nord" für 60 Minuten ihren Schrecken nehmen.

Gestürmt hat die HSG Wetzlar die Campushalle in elf Erstliga-Spielzeiten nicht. Dies zu erwarten, wäre für die heutige Bundesliga-Partie bei der SG Flensburg/Handewitt gleichfalls vermessen, obwohl die Grün-Weißen beim Nordlicht noch nie mit einem solchen Selbstvertrauen und einer derart positiven Punktebilanz antraten. Beim Blick auf die Tabelle steigt nicht eine Stunde zuvor zwischen dem VfL Gummersbach und dem HSV Hamburg der Schlager dieses Spieltages, sondern exakt um 20.15 Uhr eben zwischen der SG Flensburg/Handewitt (2., 8:0 Punkte) und der HSG Wetzlar (6., 6:2 Punkte). Neu-Trainer Michael Roth und seine Mannschaft werden deshalb zumindest alles daran setzen, dass sie der berühmt-berüchtigten "Hölle Nord" für 60 Minuten ihren Schrecken nehmen.

Die Anreise haben die Wetzlarer Erstliga-Handballer, die nach ihrem 31:30-Triumph über den TBV Lemgo ihren Akku drei Tage lang stressfrei aufladen konnten, bereits am Dienstag hinter sich gebracht. Für Trainer Michael Roth war dies wichtig, um "nicht nur körperlich, sondern auch vom Kopf her regenerieren" zu können. Der 47-Jährige kann durchaus für sich in Anspruch nehmen, das HSG-Team konditionell auf Vordermann gebracht sowie ihm eine gewisse mentale Stärke vermittelt zu haben.

Die ist in dieser Form neu, wie die couragierten Bundesliga-Auftritte in Dormagen und Minden sowie gegen Lemgo und auch das Pokal-Match in Gummersbach belegen.

Dabei treffen im Norden zwei Kontrahenten aufeinander, deren mannschaftliche Geschlossenheit bislang den Ausschlag für die guten Platzierungen gegeben hat. Da die Flensburger ihre 6:0-Abwehr traditionell noch körperbewusster interpretieren als Lemgo, wissen die Wetzlarer nur zu gut, was sie (wie zuletzt beim 25:35 im März) erwarten kann. Andererseits wissen die Mittelhessen ihre neue 6:0-Variante immer besser zu verdichten und dabei (auch durch den nicht mehr überstrapazierten Wechsel Abwehr/Angriff) nicht zu viel Energie zu verbrauchen. Was vor allem Regisseur Timo Salzer zugute kommt, der nicht mehr an der Spitze der 5:1 seine Beine müde macht, sondern im Angriff die der gegnerischen Verteidiger.

"Wir haben schon in der Vorbereitung gemerkt, dass uns die aggressive 6:0-Abwehr stärker macht, aber die Erfolge in den vergangenen Spielen haben uns noch einmal einen Kick selbstbewusster gemacht", erwähnt Timo Salzer die neue Wetzlarer Körpersprache, die vergangenen Freitag auch Trainer Michael Roth in den Blickpunkt gerückt und hervorgehoben hatte.

In Ehrfrucht erstarren? Nein. Spalier stehen? Von Wegen! Die HSG Wetzlar geht als selbstbewusster Außenseiter in die Bundesliga-Partie, zumal das Team in der Summe bislang einen guten Job gemacht hat. Wozu auch die aufblühenden Außen Michael Allendorf und Peter Jungwirth beigetragen haben.

In Flensburg hat es in den letzten Spielzeiten zwar einen Stellenabbau der Stars (Lackovic, Lijewski, Vranjes, Mamelund) gegeben, um den Mindestlohn ringen muss bei den Norddeutschen trotz 15-prozentiger Gehaltsreduzierung aber kein Erstliga-Akteur.

Die Skandinavien-Auswahl wird angeführt vom schwedischen Torhüter-Duo Dan Beutler/Johan Sjöstrand, der Rückraum mit Lasse Boesen, Thomas Mogensen und Oscar Carlen lässt ebenso wenig Wünsche offen wie die Flügelzange Lars Christiansen/Lass Svan Hansen oder Kreislauf-Routinier Michael Knudsen, der gerade am letzten Spieltag beim 26:24-Erfolg bei Neuling HSG Düsseldorf mit sieben Treffern entscheidend dazu beitrug, dass das Team von der Ostsee verlustpunktfrei blieb.

Zwar fehlen mit den Langzeitverletzten Alen Muratovic und Jonny Jensen als Distanzschütze bzw. Deckungsspezialist zwei Eckpfeiler des Flensburger Spieles, bei bislang 8:0 Punkten haben die Norddeutschen diese Ausfälle aber gut kompensieren können. Allerdings hat es das Auftakt-Programm mit der Mannschaft von Trainer Per Carlen auch gut gemeint, die Heimsiege gegen Frisch Auf Göppingen und Füchse Berlin waren im Hinblick auf die internationalen Ambitionen ebenso Pflicht wie die Auswärtserfolge beim schwächelnden SC Magdeburg und bei Neuling HSG Düsseldorf.

Per Carlen, der schwedische Trainer der Flensburger, zeigt sich von den bisherigen Wetzlarer Leistungen beeindruckt. "Der Schlüssel zum Wetzlarer Erfolg ist der Rückraum", haben ihn Timo Salzer, Sven-Sören Christophersen und Daniel Valo sowie deren zusammen 22 Treffer gegen den TBV Lemgo am meisten imponiert. Ralf Waldschmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare