Leo Schneider belegt bei den "Hessischen" Rang zwei. FOTO: SO
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Leo Schneider belegt bei den "Hessischen" Rang zwei. FOTO: SO

Auf Höhen- und Zeitenjagd

  • Ronny Herteux
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(htr/bf). Was macht ein junger ambitionierter Radsportler, wenn fast eine komplette Rennsaison ins Wasser fällt? Er sucht sich seine eigenen Herausforderungen. Motiviert von der Leistung von Wolfgang Rinn, des Vorsitzenden der RV Gießen-Kleinlinden, versuchte sich Leo Schneider aus Krofdorf-Gleiberg nach den Hessischen Meisterschaften im Einzelzeitfahren an einem "Everesting": So viele Höhenmeter an einem Tag zu fahren, wie der höchste Berg der Erde misst.

Während Rinn im Juni die 8848 Höhenmeter auf dem Gießener Hausberg, dem Schiffenberg, anging, hatte sich der 18-jährige Krofdorfer die knapp zwei Kilometer lange Strecke zwischen Allendorf/Lumda und Climbach ausgesucht - mit immerhin knapp 15 Prozent Steigung. Rund 230 Kilometer legte der Bundesliga-Fahrer zurück - bei einem Schnitt von rund 20 km/h. 87-mal ging es von der Lumda hoch auf den Berg und wieder hinunter, bis der Garmin rund 9100 Höhenmeter anzeigte. Frühmorgens gegen 3.45 Uhr hatte der hessische Kaderfahrer die (Tor-)Tour begonnen. Alle zwei bis zweieinhalb Stunden legte er Pausen von jeweils 25 bis 30 Minuten ein, um sich zu dehnen, zu essen, Wasservorräte aufzufüllen und etwas zu entspannen. Als die Sonne ab dem frühen Nachmittag die Strecke in weiten Teilen beschien, begann die Hitzeschlacht, die erst um 18 Uhr beendet war.

Zweitschnellster Hesse

Bereits eine Woche zuvor hatte Leo Schneider eines der wenigen der noch ausgerichteten Rennen der Saison bestritten: Die Hessische Meisterschaft im Einzelzeitfahren in Einhausen in Südhessen. Die flache, schnelle Strecke von rund 19 Kilometern rund um den Jägersburger Wald an der Bergstraße war ihm durchaus bekannt: Just dort hatte der U 19-Fahrer im März des vergangenen Jahres sein erstes Bundesliga-Rennen absolviert.

Das aktuelle Ergebnis ist durchaus respektabel: Schneider sicherte sich mit einer Gesamtzeit von 26:50 Minuten den Hessischen Vizemeistertitel in seiner Altersklasse. Mit der Platzierung war er nicht unzufrieden, aber er weiß: "Da ist eigentlich noch mehr drin." Doch seine Stärken liegen eher auf längeren Distanzen zwischen 120 und 150 Kilometern. Gerne hätte er das in seinem zweiten Jahr in der Altersklasse U 19 in der Bundesliga in diesem Jahr als einer der wenigen dort vertretenen hessischen Fahrer unter Beweis gestellt. Allerdings hat dieses Schicksal im Corona-Jahr viele Nachwuchsfahrer aus dem älteren Jahrgang ereilt. In der letzten Saison meist noch körperlich unterlegen, können sie als älterer Jahrgang mangels Rennen diesen Vorteil nun nicht nutzen. In der kommenden Saison muss Leo Schneider als U 23-Fahrer aus dem jüngsten Jahrgang bereits zusammen mit der Elite starten.

In Einhausen bekam es der hessische Nachwuchs mit starker Konkurrenz zu tun, da dieses Rennen auch als Landesmeisterschaft für das Saarland und Rheinland-Pfalz ausgeschrieben war. Zudem hatte sich der U 19-Nationalkader des Bundes Deutscher Radfahrer angekündigt. Denn neben den Jugendrennen erfolgte eine WM-Sichtung. Dies verlieh der Veranstaltung, die der Hessische Radsportverband ausrichtete, zusätzlichen Glanz; nicht zuletzt dank eines Marco Brenner (Team Auto Eder, Bayern), der bereits in der Saison 2019 eine Klasse für sich war und auch in Einhausen gegenüber den Mitbewerbern seine Ausnahmerolle bewies. Brenner, der bereits einen Profivertrag beim Team Sunweb in der Tasche hat, siegte in 23:04,60 Minuten deutlich unter 27 Startern. Schneider belegte in 26:49,45 Minuten Rang zwei in der HRV-Wertung hinter Jonas Pfeiffer (RV Sossenheim).

"Wir wollten den jungen Fahrern endlich wieder eine Wettbewerbsmöglichkeit bieten", sagte Matthias Penteker, Fachwart Straßenrennsport im HRV, zu dem in Südhessen ausgerichteten Wettbewerb von nationaler Strahlkraft.

Weitere Ergebnisse

Heimische Teilnehmer bei den "Hessischen" / U 13 (9,5 km): 1. Felix Rückziegel (RSG Frankfurt) 14:44,00 Minuten, ... 5. Jan Nissel 17:46,76, 6. Jonathan Kowalsky (beide RV Gießen-Kleinlinden) 17:49,53.

U 15 (9,5 km): 1. Louis Gentzik (RSV Fulda) 13:43,08, 2. Tim Nissel 14:08,22, 4. Kimi Tjark Dauber 15:00,17, 6. Samuel Möller (alle RV Gießen-Kleinlinden) 15:34,25.

U 17 (19 km): 1. Mika Schöpplein (Bauschheim) 27:05,90, ... 13. Arvid Koop (RV Kleinlinden/RSG Frankfurt) 29:58,00.

U 19 (19 km): 1. Jonas Pfeiffer (RV Sossenheim) 26:12,65, 2. Leonhard Schneider (RV Gießen-Kleinlinden) 26:49,45.

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