Die hessische Fußballsaison 2019/20 steht vor dem Abbruch, über die Modalitäten muss nun ein außerordentlicher Verbandstag entscheiden.
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Die hessische Fußballsaison 2019/20 steht vor dem Abbruch, über die Modalitäten muss nun ein außerordentlicher Verbandstag entscheiden.

Saisonabbruch

Hessischer Amateurfußball vor Saisonabbruch: Verbandsvorstand empfiehlt weitere Aufsteiger

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Die Empfehlung ist nun klar und eindeutig: Der Vorstand des Hessischen Fußballverbandes empfiehlt dem Verbandstag weitere Aufsteiger beim geplanten Saisonabbruch.

Erneut mehrere Stunden tagte am Samstagvormittag der Vorstand des Hessischen Fußballverbandes, um die Regularien für den so gut wie feststehenden Saisonabbruch auszuarbeiten. Dabei hat das rund 50-köpfige Gremium seine Empfehlung von vor drei Wochen angepasst - und empfiehlt nun mit der Mehrheit von 84 Prozent der Teilnehmer der virtuellen Sitzung weitere Aufsteiger, allerdings nicht so viele, wie einige Vereine gehofft haben dürften.

Aufstiegs- und Relegationsrunden nach Quotientenregel

Denn konkret heißt es: Nicht nur die Teams auf Aufstiegsplätzen sollen in der kommenden Saison in der nächsthöheren Spielklasse an den Start gehen dürfen, sondern auch die "Gewinner" der jeweiligen Aufstiegs- und Relegationsrunden. Diese werden - ebenso wie die Abschlusstabellen der Ligen, die als Grundlage dienen - unter Anwendung einer Quotientenregelung aus absolvierten Spielen und dabei erzielten Punkten ermittelt. Darüber hinaus gibt es (weiterhin) keine Absteiger, es sei denn Vereine ziehen ihre Mannschaften freiwillig zurück.

Für den Fußballkreis Gießen bedeutet dies: Der FC Turabdin/Babylon als Pohlheim würde als Zweiter der Aufstiegsrunde zur Hessenliga in der Verbandsliga Mitte verbleiben müssen - hier ist allerdings noch unklar, ob ein Punktabzug nicht zu Unrecht bereits vor Saisonende eingerechnet worden ist. Eine Spielklasse darunter ist kein Verein betroffen. Den Aufstieg in die Gruppenliga Gießen/Marburg würde die SG Treis/Allendorf nicht schaffen, da auch sie in der Aufstiegsrunde nur zweiter wäre. Dagegen würde die FSG Bessingen/Ettingshausen/Langsdorf würde zukünftig in der Kreisoberliga Gießen/Alsfeld spielen. Die FSG Wettenberg II würde in die Kreisliga A Gießen aufsteigen, die FSG Alsfeld/Eifa in die Kreisliga A Alsfeld. Eine weitere Klasse tiefer dürfte sich der Kurdische FC Gießen für die Kreisliga B Gießen und die SG Reiskirchen/Bersrod/Saasen II für die Kreisliga B Alsfeld freuen.

Gießener Kreisfußballwart Henry Mohr "kann mit der Entscheidung leben"

"Diese Situation hat sich keiner ausgesucht, aber wir haben versucht, das Beste daraus zu machen", sagte hinter der Gießener Kreisfußballwart Henry Mohr, der mit der angepassten Regelung "leben kann". Zwar würden gerade die Verbandsspielklassen nun deutlich größer, aber man müsse auch erst einmal sehen, ob überhaupt alle Mannschaften den Aufstieg wahrnehmen wollen würden - oder es nicht sogar Rückzüge gebe: "Daher ist das aktuell alles unter Vorbehalt der Mannschaftsmeldung" - und natürlich des Verbandstages, der den Vorschlag erst noch absegnen muss.

Der Entscheidung vorausgegangen war ein Rechtsgutachten, das der Verband eingeholt hatte, und dass aufgrund der Spiel- und Rechtsordnung die Einbeziehung der Relegations- und Aufstiegsplätze empfohlen hatte. Daraus ließe sich allerdings nur das Recht zur Teilnahme an Relegations- bzw. Aufstiegsspielen ableiten, nicht jedoch das Recht auf einen Aufstieg, weshalb die Berücksichtigung der Quotienten in diesem Fall das kleinere Übel gewesen sei im Gegensatz zu einem Massenaufstieg aller Relegationsplatzinhaber. Damit ist aber auch Mohrs Vorschlag einer Härtefallregelung für die Mannschaften, die zum Zeitpunkt der Aussetzung der Saison auf dem ersten Platz standen, aufgrund der Quotientenregelung diesen aber verlieren, vom Tisch. Dies wären Einzelfallentscheidungen, die im schlechtesten Fall "schwammig" werden würden. "Mir das es natürlich als Kreisfußballwart leid, dass es einige Mannschaften wie der FC TuBa Pohlheim so nicht schaffen, aber daran kann ich alleine nichts ändern", sagte Mohr, der hofft, dass der Kreis der Vereine, die sich zuvor gegen eine Nichtberücksichtung der Teams auf den Relegationsplätzen vehement gewehrt hatten, zumindest etwas kleiner geworden ist.

Außerordentlicher Verbandstag muss am 20. Juni die endgültige Entscheidung treffen

„Im Zuge der zahlreichen Diskussionen bezüglich des Umgangs mit der Saison 2019/2020 und den daraus resultierenden Aufsteigern wollten wir stets eine Lösung im Sinne der Mehrzahl unserer Vereine finden. Mit der heute beschlossenen Empfehlung haben wir eine solche gefunden, die zugleich auch rechtlich abgesichert worden ist. Dass wir nicht hundertprozentige Zustimmung ernten werden, ist uns natürlich klar und auch nicht zu erwarten. Die Herausforderung der folgenden Saison gehen wir mit kreativem Denken und voller Optimismus an“, erklärten HFV-Präsident Stefan Reuß und Vizepräsident Torsten Becker in einer Pressemitteilung am Samstagmittag unisono.

Nun muss der außerordentliche Verbandstag, der für 20. Juni angesetzt ist, die endgültige Entscheidung fällen. Dieser soll laut der Pressemitteilung des Verbandes live im Internet gestreamt werden. Die Delegierten haben bei der Abstimmung um eine vorzeitige Beendigung der Amateurfußball-Saison aufgrund der Coronavirus-Pandemie weiterhin zwei andere Möglichkeiten: Entweder Auf- und Absteiger nach Anwendung der Quotientenregel - ohne Berücksichtigung der Mannschaften auf den Relegationsplätzen - oder aber nur Aufsteiger, keine Absteiger und keine Berücksichtigung der Relegationsplätze. 

Zwei weitere Szenarien stehen den Delegierten zur Abstimmung zur Verfügung

Beide Szenarien dürfen aufgrund der Eindeutigkeit der angepassten HFV-Vorstandsempfehlung sowie aufgrund der Tatsache, dass sich in den vergangenen Wochen aus den Reihen der Vereine auf Relegationsplätzen der Widerstand formiert hatte, als unwahrscheinlich angesehen werden. Eine Gruppe von 45 Vereinen hatte in dieser Woche HFV-Funktionären ein mehrseitiges Schreiben mit der Bitte um Beachtung der Teams auf den Relegationsplätzen vorgelegt, einige Vereine aus dem Bündnis hatten zudem angekündigt, notfalls den Weg über eine Klage in die nächsthöhere Spielklasse suchen zu wollen - darunter auch mehrere Vertreter des Fußballkreises Gießen. Aufsehen erregt hatte darüber hinaus eine Online-Petition mit entsprechendem Inhalt, die mehrere Hundert Unterstützer gefunden hat. Teilweise waren hier auch Forderungen nach dem Aufstieg aller Mannschaften auf den Relegationsplätzen laut geworden, die nun aber vom Tisch scheinen.

Nun könnte die laufende Spielzeit zum 30. Juni im Senioren-, Damen- und Jugendbereich ihr Ende finden, der außerordentliche Verbandstag muss dann allerdings noch entsprechende Änderungen in den Spielordnungen verabschieden, bevor eine neue Spielzeit geplant werden kann. Deren Beginn scheint angesichts der weiter geltenden Abstandsgebote und Kontaktbeschränkungen noch völlig ungewiss. Immerhin das Training ist unter Einhaltung der Corona-Regeln seit einigen Wochen wieder möglich.

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