Stefan Cavor und seine HSG Wetzlar wollen am Sonntag im Hessenderby gegen die MT Melsungen die Punkte in der Rittal-Arena behalten. FOTO: VOGLER
+
Stefan Cavor und seine HSG Wetzlar wollen am Sonntag im Hessenderby gegen die MT Melsungen die Punkte in der Rittal-Arena behalten. FOTO: VOGLER

SONNTAG, 13.30 UHR

Hessenderby vor leeren Rängen

  • Daniela Pieth
    vonDaniela Pieth
    schließen

Am Sonntag empfangen die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar die MT Melsungen zum Hessenderby. Vor einem Jahr lockte diese Begegnung noch über 4000 Zuschauer in die Rittal-Arena. Morgen werden die Ränge allerdings leer bleiben.

Die schlechte Nachricht also gleich vorneweg: Aufgrund der hohen Corona-In- zidenzzahlen sind beim Hessenderby keine Zuschauer zugelassen. So tritt die HSG Wetzlar am Sonntag um 13.30 Uhr ohne die Unterstützung der Fans gegen die MT Melsungen an.

Geisterspiel:"Wir haben uns in den letzten Tagen sehr intensiv mit den Behörden im Lahn-Dill-Kreis ausgetauscht", erklärte HSG-Geschäftsführer Björn Seipp. Und obwohl die HSG mit ihrem funktionierenden Hygienekonzept für 800 Zuschauer schlagkräftige Argumente eingebracht hatte, wären zum Derby lediglich 100 Fans zugelassen worden.

Zwei Fakten sprechen aus Sicht der Wetzlarer gegen eine solche Durchführung: Erstens will man keine Auswahl treffen müssen, wer in die Halle darf. Und zweitens steht der finanzielle Aufwand, den zum Beispiel das vermehrte Bereitstellen von Security mit sich bringt, in keinem Verhältnis.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch. "Das gilt aber erst einmal nur für diese Partie. Wir haben vereinbart, dass wir von Spiel zu Spiel schauen, eigentlich der Klassiker im Sport", schmunzelte Seipp, ehe er betrübt fortfuhr: "Mir persönlich tut das am allermeisten für unsere Mannschaft und die Trainer leid. Was die bislang für eine Saison gespielt haben, war herausragend. Ich hätte mir unendlich gewünscht, dass wir es doch irgendwie hinkriegen, mit Zuschauern zu spielen."

Gastgeber komplett:"Wenn wir die besseren Torhüter an dem Tag haben, werden wir gewinnen", ist HSG-Trainer Kai Wandschneider überzeugt. "Wir haben zu Hause zwei geile Spiele rausgehauen und haben uns ein paar Tage erholen können." Der Wetzlarer Kader komplett, auch Kreisläufer Anton Lindskog, der angeschlagen war, ist seit Mittwoch wieder im Training.

"Wir haben natürlich eine gute Stimmung in der Mannschaft, sehr konzentriert und fokussiert", berichtete Wandschneider. "Der Start in die Saison hat uns allen gutgetan." Den letzten Sieg in der Meisterschaft landeten die Wetzlarer im April 2018 gegen die Nordhessen, insgesamt ist das nur achtmal gelungen, bei fünf Unentschieden.

In der Vorbereitung gewann die HSG das erste Spiel, kassierte im zweiten jedoch eine klare Niederlage. Die Mannschaften kennen sich gut und so wollen die Grün-Weißen die Partie möglichst lange offenhalten, um am Ende etwas Zählbares in Wetzlar zu behalten. "Unser Ziel ist es, Melsungen alles abzuverlangen. Das haben wir in den letzten beiden Heimspielen geschafft. Daran wollen wir anknüpfen. Wir können eine ganze Menge und das gilt es am Sonntag abzurufen", sagte Wandschneider zur Marschrichtung.

Verkehrte Welt:Im 31. Hessenderby herrscht in der Tabelle verkehrte Welt. Nach drei Siegen in Folge finden sich die Grün-Weißen auf Rang drei wieder, eine Position, die eher dem Anspruch der Nordhessen gerecht würde. Die haben in den letzten beiden Spielen jedoch gepatzt, aber auf Platz elf auch nur einen Punkt Rückstand auf die HSG. Vor allem die 21:31-Niederlage beim HC Erlangen dürfte den Verantwortlichen der MTM sauer aufgestoßen sein. Die Mannschaft leistete sich zu viele Ballverluste und scheiterte zu oft an den Erlanger Keepern. Und auch beim 24:24-Unentschieden gegen Minden kamen die Melsunger mit einem blauen Auge davon. Die Mannschaft zeigte ein wechselhaftes Spiel, in dem zumindest die Abwehr funktionierte. Der Angriff mit der unterirdischen Chancenverwertung dürfte Coach Guðmundur Guðmundsson allerdings Sorge bereiten.

MT Deutschland:Wenn das Mannschaftsspiel funktioniert, sind die Melsunger in der Lage, jede Mannschaft zu schlagen. Silvio Heinevetter im Tor, Tobias Reichmann und Timo Kastening auf Rechtsaußen, Kai Häfner im rechten Rückraum, Julius Kühn und Finn Lemke auf der linken Seite - mehr deutsche Nationalspieler geht kaum. Dazukommt die internationale Klasse von Torhüter Nebojsa Simic, den Mittelmännern Lasse Mikkelsen und Domagoj Pavlovic sowie Kreisläufer Marino Maric, um nur vier zu nennen. "Individuell ist das sehr stark", erklärt Wandschneider.

Handballfans können die Partie zwischen Wetzlar und Melsungen im Livestream sowie auf ihrem Fernseher sehen. Der Hessische Rundfunk (HR) zeigt das Spiel am morgigen Sonntag ab 13.30 Uhr live auf hessenschau.de sowie in der ARD-Mediathek und mit Smart-TVs via HbbTV - zu erreichen über die rote Taste auf der Fernbedienung. Kommentiert wird das Spiel von ARD-Handball-Experte Florian Naß.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare