Johannes Wohlrab, ein emotionaler Typ. FOTO: THÜRMER
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Johannes Wohlrab, ein emotionaler Typ. FOTO: THÜRMER

Herz auf die Platte bringen

Wird der Interims- zum Chefcoach? Beim Handball-Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg könnte der 34-jährige Johannes Wohlrab mit einem Sieg am Freitag im Kellerduell bei der HSG Konstanz seine Position stärken.

Johannes Wohlrab ist noch der neue Chef (auf Zeit) an der Seitenlinie des TV 05/07 Hüttenberg in der 2. Handball-Bundesliga. Nach der Entlassung von Frederick Griesbach hat der eigentliche Co-Trainer alle Hände voll zu tun und dabei klare Ziele. Nach dem Punktgewinn gegen den EHV Aue stand er Rede und Antwort. Ob sich seine Absprache - er übernimmt für die Partien gegen Aue und Konstanz - mit den Verantwortlichen des TVH verlängert, wird sich in der kommenden Woche zeigen. Zumal er als Lehrer selbst noch entscheiden muss, ob er die Aufgabe als Cheftrainer dauerhaft ins Auge fast.

Mit ein bisschen Abstand zu den Geschehnissen - wie ist die Situation nun für Sie persönlich?

Zunächst einmal war es sehr aufreibend. Aber das gehört zum Geschäft dazu. Wir wissen, dass da so etwas passieren kann, und dann heißt es, den Schalter umzulegen und seinen Job zu machen. Jetzt nach dem ersten Spiel und dem mit dem 26:26 mitgenommenen Punkt kam dabei auch gleich was Zählbares heraus. Anschließend haben wir den freien Sonntag genutzt, den Nikolaustag jeder für sich mit seiner Familie zu verbringen und alles ein bisschen sacken zu lassen. Mir geht es gut und ich bereite mich intensiv auf die Aufgabe am Freitag in Kons-tanz vor.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie den Anruf erhielten mit der Frage, ob Sie den Posten als Interimscoach wahrnehmen würden?

Ich musste die Situation erst mal sacken lassen, weil man über die Zeit ja auch den Menschen dahinter kennenlernt. Wenn man eineinhalb Jahre zusammenarbeitet wie ich mit Frederik Griesbach, geht das nicht spurlos an einem vorüber. Aber ich habe einen Vertrag als Co-Trainer und somit war für mich klar, dass ich die zwei Spiele gegen Aue und Konstanz übernehme.

Also ist die Interimslösung nur für die Spiele Aue und Konstanz angedacht?

Genau.

Stand heute?

Ja. Über etwas anderes mache ich mir auch gar keine Gedanken, mein Fokus liegt voll auf Konstanz. Wir wissen, dass es eine schwere Phase für uns ist und wir personell am Stock gehen. Jetzt müssen wir die Trainingsprozesse und die Belastungssteuerung im Blick haben. Da tun wir gut daran, uns immer auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren.

Wenn Sie jemand fragen würde, was für ein Trainertyp Sie sind - was würden Sie ihm antworten?

Ich glaube, ich bin ein sehr emotionaler Typ. Ich gehe dabei meine Aufgaben mit viel Leidenschaft und Herzblut an und versuche natürlich auch, das Team mitzureißen.

Welche Akzente und Impulse wollen Sie der Mannschaft in der kurzen Zeit vermitteln?

Vor allem mehr Stabilität. Da war ich mit der ersten Halbzeit gegen Aue nicht zufrieden, wir waren zu brav und hatten zu wenig Kampfbereitschaft. Es ist uns nicht gelungen, eine Kompaktheit in der Abwehr herzustellen. Daraus resultierte dann, dass wir auch nicht zum Tempospiel kamen. Das wurde in der zweiten Halbzeit bedingt besser. Klar ist aber auch, dass in der aktuellen Situation ganz viel über Einstellung, Kampf und Leidenschaft kommen muss. Zusätzlich will ich da einfach als Gesamtpaket, als Mannschaft auftreten. Darüber wollen wir dann auch endlich unsere Anzahl der Gegentore reduzieren. Da haben wir bisher im Saisonverlauf einfach zu viele bekommen. Die Abwehrarbeit wird klar im Fokus stehen. Mit der Angriffseffektivität gegen Aue war ich schon sehr zufrieden, diese gilt es zu halten.

Was gibt es im Angriff zu verbessern?

Die Angriffshaltung so zu gestalten, dass wir uns da gute Chancen kreieren und wir geduldig warten, bis unsere Chance dann kommt. Wenn diese dann da ist, dann aber auch mit allem was wir haben drauf zu gehen und konzentriert abzuschließen.

In der letzten Viertelstunde gegen Aue hatte man so ein bisschen den Eindruck, dass die Geduld verloren ging und die Mannschaft in Hektik verfiel. Beispielhaft eine Szene, in der Vit Reichl beim Tempogegenstoß überhastet den Ball nicht zu Robin Hübscher bekommt und es Einwurf für Aue gab.

Für mich fängt es da schon bei der Szene an vor dem vermeintlichen 21:17 durch Christian Rompf, wo wir das Seitenaus gepfiffen bekommen. Da hatten wir etwas Pech, weil vorher im Spiel dieselbe Situation auf der anderen Seite nicht so gegeben wurde. Dann unterläuft uns der Fehler im Tempogegenstoß. Aber klar, wenn man ein gewisses Tempo gehen will, geht man auch ein gewisses Risiko. Da sind wir auch noch eine junge Mannschaft, die solche Situationen lernen muss. Wann nehme ich das Tempo mal raus und spiele geduldig, um den Sieg am Ende auch nach Hause zu fahren. An den Stellschrauben werden wir für Konstanz drehen.

Das Thema Gegentore hatten wir schon. Inwiefern schmerzen da die Ausfälle von Moritz Zörb und Stefan Kneer? Hendrik Schreiber wirkte auch noch nicht wirklich fit. Ist er auch wieder Thema, um die Ausfälle zu kompensieren?

Grundsätzlich ist das für mich unabhängig vom Personal. Natürlich spielt das eine Rolle, aber am Ende stehen hüben wie drüben sieben Mann auf der Platte. Egal, wer da auf dem Feld ist, müssen wir diese Kompaktheit schaffen. Diese klare Vorstellung und Erwartung habe ich. Wenn wir es schaffen, das umzusetzen, bin ich positiv gestimmt, dass wir mit einem guten Ergebnis aus Konstanz zurückkommen.

Die zweite Halbzeit gegen Aue war spürbar anders. Eine andere Körpersprache, eine andere Emotionalität. Was haben Sie Ihren Spielern in der Pause gesagt?

Wir haben uns in der ersten Halbzeit nicht an unseren Plan gehalten. Nicht zu offensiv decken, um die Räume klein zu halten. Uns auf uns selbst zu konzentrieren, dass wir die Dinge richtig machen, die wir uns vornehmen. An die Emotionalität und den nötigen Kampf haben wir uns dann erinnert und haben das nach der Pause auch 15 Minuten besser umgesetzt. Uns fehlte aber, dass wir es dann nicht bis zum Ende durchziehen. Da müssen wir klar dran arbeiten.

Ihnen steht ein harter Dezember bevor mit insgesamt sechs Spielen. Wie handhaben Sie das Thema Belastungssteuerung?

Die Belastungssteuerung ist in der Kombination mit den Trainingsinhalten ein wichtiges Thema. Da gilt es, individuell die Spieler zu betrachten und behutsam vorzugehen. Am Ende steht immer das Ziel, dass jeder Einzelne am folgenden Spieltag auf seinem höchstmöglichen Level fit ist. Nur so können wir dann als Mannschaft unsere Kräfte bündeln. Der Kader ist nun mal nicht groß bestückt und die Wechselmöglichkeiten begrenzt.

Was bedeutet Ihnen das Vertrauen, nun diese mindestens zwei Spiele als Cheftrainer beim TV Hüttenberg zu haben?

Wir leben in verrückten Zeiten, sodass ich in Eisenach noch Freddy (Griesbach; Anm. d. Red.) als Co-Trainer vertrat, da er sich in Quarantäne befand. Jetzt als Interimstrainer sind das alles neue Erfahrungen für mich, um die ich mir aber gar nicht viele Gedanken machen kann. Ich bin so mit der Materie beschäftigt, um meinen Fokus auf das Wesentliche zu richten. Für mich gilt es, uns immer wieder an unsere Aufgabe zu erinnern. Die haben wir mit dem Punkt gegen Aue erst mal erfolgreich gestaltet. Nun ist die klare Zielstellung, zwei Punkte aus Konstanz mitzunehmen. Da bleibt mir wirklich keine Zeit, mir Gedanken zu machen. Vielleicht passiert das, wenn das Spiel dann vorbei ist.

Was haben die Zuschauer und Fans des TV Hüttenberg von Ihrer Mannschaft zu erwarten?

Wir wollen unser Herz auf die Platte bringen. Die Menschen hier sind leidenschaftlich. Auch wenn sie nicht in der Halle live dabei sein können, gibt es uns Kraft und Energie, um die Unterstützung von zu Hause zu wissen. Wenn wir all das beherzigen, was Hüttenberg ausmacht, dann springt auch das Quäntchen Glück auf unsere Seite und wir können uns alle belohnen.

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