Hero-Cup eine große Enttäuschung

(cso) Es passte irgendwie ins Bild, als sich Holger Gaißmayer und José Luis Cabrera im Finale an die Gurgel wollten. Eine missglückte Einlage an einem aus der Sicht der meisten Besucher missglückten Abend setzte noch das Tüpfelchen aufs i. Nicht nur vor Ort war die enttäuschte Erwartung der Zuschauer spürbar, sondern auch in den sozialen Netzwerken, wo sich ein Shitstorm entfachte.

Das Fernbleiben beinahe aller angekündigten Alt-Stars überschattete am Freitagabend den Turniersieg von Real Madrid beim Hero-Cup in Wetzlar.

"Ich bin hauptsächlich wegen der Stars gekommen. Das ist enttäuschend. Auch die Stimmung fand ich nicht so toll", sagte BVB-Fan Yannik Schmidt aus Gießen, der immerhin ein Foto mit David Odonkor ergatterte. In die gleiche Kerbe schlug Lena Rabenau, die aus Wißmar in die Rittal-Arena kam. Sie hält es mit dem 1. FC Köln und hatte sich auf Matthias Scherz und Dirk Lottner gefreut. In Lottners Fall blieb es bei der Vorfreude. "Die Karten waren doch recht teuer, wenn ich jetzt sehe, dass hier die Masse der bekannten Spieler fehlt." Bis zu 50 Euro verlangten die Veranstalter um Stefan Kohfahl im Vorverkauf. An der Abendkasse wurden die Tickets für zehn Euro "verramscht", wie sich der eine oder andere Besucher via Facebook ausdrückte. "Für die B-Mannschaften bin ich nicht hingefahren und hätte auch niemals 35,50 Euro pro Karte bezahlt. Ich werde rechtliche Schritte prüfen lassen, denn das, was in Wetzlar passiert ist, nenne ich arglistige Täuschung und schlicht Betrug", postete ein weiterer Nutzer.

Ernst-Rudolf Schmidt aus Röthges hatte beim Gewinnspiel dieser Zeitung ein Meet and Greet mit einigen der ehemaligen Fußball-Größen gewonnen. Er durfte in die Kabine der Madrilenen und wechselte mit Hilfe eines Dolmetschers ein paar Worte mit den Königlichen. "Das war schon professionell. Sie hatten zum Beispiel einen Taktikzettel. Man hat gemerkt, dass Madrid das Turnier sehr ernst nimmt." Schmidt wurde begleitet von Robert Maijcen, der zusammen mit Harry Pfeiffer (beide VfB 1900 Gießen) in die Organisation des Hero-Cups eingebunden war. Das änderte aber nichts daran, dass auch der Fußball-Fan aus dem Laubacher Stadtteil weitgehend enttäuscht nach Hause fuhr.

Keine leichte Aufgabe mussten derweil Thomas Herrmann und Jörg Dahlmann am Sport1-Mikrofon bewältigen. Vor offiziell 2812 Zuschauern, die vergeblich die großen Namen suchten, musste das Moderatoren-Duo dem Fernsehpublikum ein Turnier präsentieren, das nicht hielt, was es versprach. Darüber konnten auch die Interviews mit Dragoslav Stepanovic nicht hinwegtäuschen.

Der einstige Coach der Frankfurter Eintracht gab nicht nur bei einer Gelegenheit seine bekannteste Weisheit zum Besten, die jedoch selten so gut gepasst hat wie am Freitagabend in Wetzlar: "Lebbe geht weida", dürfte sich nach diesem Wochenende wohl auch Organisator Stefan Kohfahl denken.

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