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Gießens Kreisfußballwart Henry Mohr sieht wenig Möglichkeiten, die Saison regulär zu beenden. FOTO: FROESE

Fußball

Henry Mohr: Verantwortungsvoll handeln

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Das Coronavirus zwingt zur Pause. Der Gießener Kreisfußballwart Henry Mohr zu den Folgen für die Amateurfußballer - und er appelliert an alle, alles zu tun, um die Infektionsketten einzudämmen.

Nichts geht mehr. Die Ausbreitung des Coronavirus hat die Fußballsaison abrupt unterbrochen - vorläufig bis einschließlich 19. April. Auch der Gießener Kreisfußballtag, eigentlich vorgesehen für den 28. März, ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Im Interview erklärt Gießens Kreisfußballwart Henry Mohr die Hintergründe - und mahnt die Vereine zu verantwortungsvollem Handeln.

Herr Mohr, der Hessische Fußball-Verband (HFV) hat den Spielbetrieb bis zu Ostern eingestellt. Inwiefern waren die Regionen und die Kreise in die Entscheidung eingebunden?

Es gab Gespräche und Umfragen mit den Fußballwarten - und die Region Gießen/Marburg hatte dann als Erste sofort signalisiert, den Spielbetrieb einzustellen. Das wurde dann auch so vom HFV umgesetzt.

Wie könnte es weitergehen?

Das Coronavirus hat uns weiter und verstärkt fest im Griff. Die Meldungen weitreichender behördlicher Verschärfungen und Einschränkungen werden auch unseren Fußball sehr betreffen. So dürfen beispielsweise auf und in allen öffentlichen und privaten Sportstätten auch keine Trainingseinheiten mehr durchgeführt werden, ebenso sind Zusammenkünfte in Vereinen verboten. Absolute Priorität muss die Verhinderung bzw. Eindämmung der Infektionsketten haben. Alles, was wir dazu beitragen können als Fußballer, müssen wir tun. Die Diskussionen, die die DFL derzeit über den Spielbetrieb der Bundesligen führt, die Verschiebung der EURO 2020, zeigen, dass sich viele Gedanken gemacht werden, aber niemand sagen kann, wann und wie es tatsächlich weitergeht. Auch wir haben uns mit einigen Fußballverantwortlichen aus der Region ausgetauscht und sehen keine Möglichkeit, der schnellen Saisonfortsetzung. Natürlich beschäftigen wir uns mit allen möglichen Szenarien für den Fußball in Hessen. Wir gehen erst mal davon aus, dass wir diese Saison nicht mehr zu Ende spielen können. Wir haben einige Szenarien durchgesprochen und die Tendenz geht dahin, die Saison mit dem jetzigen Stand zu beenden. Wir lassen den jeweiligen Tabellenersten aufsteigen. Sollte es hier zu einer Gleichheit kommen, steigen beide auf. Absteiger wird es keine geben. Vereine die aus Leistungsgründen nicht mehr in der Liga weiterspielen wollen, wird das Spielrecht eine Klasse tiefer eingeräumt. Das wird zwar dann unter Umständen zu größeren Klassenstärken in der nächsten Saison führen, aber das sollten wir mit Geschick, guten Spielplänen und Aussetzen von Relegation und Aufstiegsspielen hinbekommen. Es wird natürlich dann in vielen Ligen einen vermehrten Abstieg geben. Aber das ist dieser noch nie dagewesenen Situation geschuldet. Diese Variante wäre wohl für die allermeisten Klubs am fairsten. Grundsätzlich wäre diese Variante am besten. Man hätte zumindest eine sportliche Aussagekraft auf ein Halbjahr gesehen - das wäre fair. Man darf nicht so tun, als hätte es diese Saison nicht gegeben, sagten etliche Vereinsverantwortliche in persönlichen Gesprächen. Am wichtigsten sei es, dass die Änderungen einheitlich geschehe und keine Region eigene Entscheidungen treffe. Bei diesem Vorgehen wird es keine Verlierer geben. Eine Annullierung der Saison wäre für viele Vereine sehr bitter, denn es sind teilweise schon 60 Prozent der Spiele absolviert. Es gibt ja schon eine sportliche Aussagekraft und man kann nicht so tun, als habe es die Spiele nicht gegeben. Auch eine Fortsetzung der Saison im August nach dem jetzigen Stand ist schwer durchzuführen. Zumal dazwischen ja auch noch Vereinswechsel stehen. Sollte es wider Erwarten noch eine Möglichkeit des Spielens ab Mitte Mai geben, sollte die Saison mit dem Aussetzen der Relegation bis zum 30. Juni gespielt werden. Sollte es nur noch ein kleines Zeitfenster vor dem 30. Juni geben, sollten die Kreise ihre Pokalrunden noch durchführen.

Inwiefern ist die Situation auch finanziell für die Vereine gefährlich?

Natürlich wird diese Situation auch für Vereine finanziell gefährlich. Gerade bei Vereinen, die mit höheren finanziellen Etats arbeiten, werden sich Lücken auftun. Vielleicht sind da auch die Spieler gefordert und verzichten auf etwas Salär. Auch bei kleinen Vereinen wird es Einschnitte geben. Wenn vor Ort Unternehmen keine Unterstützung mehr leisten können, fällt es auch dort schwer, den Spielbetrieb zu finanzieren. Da sind jetzt alle gefordert: Spieler, Trainer und Verantwortliche.

Für den Kreisfußballtag waren auch Wahlen angesetzt. Stellt die Verlegung ein Problem dar bzw. gibt es Fristen, die eingehalten werden müssen?

Der Verbandstag wird auch in den Herbst verlegt, von daher ist das momentan das geringste Problem. Die Vorarbeiten stehen alle, die Mitarbeiter im Kreis machen alle weiter ihre Arbeit. Jugendausschuss und Schiedsrichterausschuss sind ja schon gewählt. Der Kreisfußballtag wird dann irgendwann im Sommer durchgeführt.

Sie wollten sich erneut zur Wahl stellen. Im Falle einer Wiederwahl: Was werden die großen Themen für die nächste Amtszeit?

Falls ich wiedergewählt werde, mache ich das nochmals vier Jahre mit großer Motivation für die Vereine im Kreis. Es gibt viele Themen. Der Fußball-Verband und die Verantwortlichen vor Ort stehen vor großen Herausforderungen. Wir müssen die demografische Entwicklung beachten. Aber auch die Vereine motivieren, nicht nachzulassen in ihrem Engagement für den Fußball. Es wäre doch schlimm, wenn auf vielen Ortschaften die Vereine für die Ortsgemeinschaft wegbrechen und am Wochenende kein Fußball mehr auf dem Sportplatz stattfindet. Wie schwer es uns fällt, nicht auf den Sportplatz zu gehen, erleben wir ja momentan. Wir wollen die Verringerung der Ligen forcieren und auch über neue Modelle - Playoffs usw. - nachdenken. Ideen gibt es viele, nur die Vereine müssen auch kreativ und aktiv tätig sein. Es geht schließlich um den Fortbestand der Klubs. Auch die neuen Medien sollten von den Vereinen mehr genutzt werden. (Live-Ticker, Facebook usw.). Wir müssen die Vereine noch mehr unterstützen. In vielen Bereichen gibt es Nachholbedarf. Der Vereinsserviceassistent steht für viele Fragen zur Verfügung - und die Vereine sollten das nutzen. Ganz wichtig ebenso: Auch das Ehrenamt sollte in der Öffentlichkeit noch besser dargestellt werden. Ehrenamt soll auch Spaß und Freude machen und dem Ehrenamtlichen eine Zufriedenheit geben. Das gute Aus- und Weiterbildungskonzept des HFV müssen wir noch besser in die Vereine bringen. Davon können die Vereine nur profitieren. Daher müssen die Vereine und Funktionsträger im Fußballkreis noch enger zusammen arbeiten. Nur gemeinsam können wir das Schiff einigermaßen auf Kurs halten. Ferner müssen wir über einen Generationswechsel im Kreisfußballauschuss nachdenken. Es gibt viele tolle, junge ehrenamtliche Menschen im Kreis. Ich hoffe, wir können einigen die Arbeit in einem tollen Fußballausschuss schmackhaft machen.

Künftig wird es nicht nur in Hessen um die Veränderung des Zuschnittes von Regionen gehen, eventuell auch um die Zusammenlegung von Kreisen. Wie sieht der Fußballkreis Gießen diese Diskussion?

In vielen Kreisen der Regionen in Hessen ist ein geregelter und mit genügend Mannschaften bestückter Ligaspielbetrieb noch gesichert. Es gibt jedoch eine Anzahl von Kreisen, die nur durch die Unterstützung anderer Kreise ausreichende Ligagrößen gewährleisten können oder auch perspektivisch an ihre Grenzen stoßen. Wir machen die kreisübergreifende Zusammenarbeit mit dem Kreis Alsfeld schon sehr lange vorbildlich. Da ich seit Jahren in etlichen Kommissionen beim HFV zu diesen Themen mitarbeite und auch ein Verfechter vom kreisübergreifenden Spielbetrieb bin, sollten wir hier wirklich bald zu Ergebnissen kommen. Es geht aber nicht nur um die Kreise, sondern vielmehr um die Vereine in den Regionen. Diese sollten einen guten und attraktiven Spielbetrieb vorfinden. Dafür müssen wir sorgen, auch durch eine hessenweite Spielklassenreform. Durch diese Spielklassenstruktur kann es auch in Einzelfällen zu einer Gebietsreform kommen. Nicht mehr spielfähige Kreise könnten einem dann anderen Fußballkreis zugeordnet werden.

§ 35 - Nicht rechtzeitige Ermittlung des Meisters

1. Ist ein Meister nicht rechtzeitig ermittelt, sind die zuständigen Verbandsorgane berechtigt, einen Verein für die Vertretung des Verbandes, Kreises oder der Gruppe für die Meisterschaftsspiele der höheren Klasse zu bestimmen. Diese Bestimmung ist nicht anfechtbar. Rückständige Spiele sind nachzuholen.

2. Als Vertreter ist die Mannschaft zu bestimmen, die den ersten Tabellenplatz einnimmt. Bei Punktgleichheit entscheidet die nach dem Subtraktionsverfahren ermittelte Tordifferenz, bei gleicher Tordifferenz die Zahl der erzielten Tore.

3. Ergeben die rückständigen Spiele einen anderen Meister, tritt dieser an die Stelle des mit der Vertretung beauftragten Vereins mit den von diesem inzwischen erzielten Punkten sowie mit den geschossenen und erhaltenen Toren. Ein Verzicht auf dieses Recht ist möglich. HFV

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