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Henni Nachtsheim: „Wir alle sehen uns schon flennend am Abgrund“

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Von: Ronny Herteux

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Henni Nachtsheim. © Red

Badesalz-Comedian Henni Nachtsheim und Ronny Th. Herteux haben sich über die wichtigen Themen in diesen Tagen unterhalten: Fußball, Eintracht Frankfurt und die Champions League.

Hallo Herr Nachtsheim, drei Spieltage in der Bundesliga waren absolviert, und noch kein »Dreier« der Frankfurter Eintracht auf der Habenseite. War das ein a) verpatzter Start, b) beschissener Start oder c) verkorkster Start?

Dann nehme ich a), setze aber noch ein »leicht« davor. Leicht verpatzt, weil man in Berlin und gegen Köln durchaus gewinnen hätte können. Ich muss aber anmerken, dass ich zu keinem Zeitpunkt dazu geneigt habe, nervös oder pessimistisch zu werden! Meine Großmutter mütterlicherseits hat schon immer gesagt »Wenn’s am Anfang e bissi dauert, flutschst danach meist umso besser!« Sie hat das zwar auf die Verdauung meines Großvaters bezogen, aber ich finde, es hat auch darüber hinaus eine hilfreiche Aussagekraft!

Am vierten Spieltag nun ein typischer »Eintrachtler«. Berg-und-Tal-Fahrt zum 4:3-Sieg bei zuvor in Dortmund siegreichen Bremern. Wenn man nicht damit rechnet, dann sind sie da, die Frankfurter. Kurios.

Ja, das stimmt. Diesen »Wundertüten-Effekt« demonstriert die Eintracht ja immer wieder mal gern. Auch im Spiel selbst. Sie kassieren zwei Tore, liegen nach Führung hinten, wir alle sehen uns schon flennend am Abgrund. Aber zu unser aller Überraschung juckt die Mannschaft das nicht, und sie dreht das Spiel wieder! Ich gebe zu, dass mich das verblüfft hat!

Was heißt das fürs nächste Heimspiel gegen RB Leipzig?

Wenn man alle bisherigen Spiele betrachtet, liegt die Antwort eindeutig auf der Hand: nichts!

Schauen wir mal zurück, gern europäisch, im Supercup gegen Real Madrid ein 2:0, Alaba und Benzema, der frisch gekürte Fußballer des Jahres, trafen. Alles andere als ein Beinbruch, oder?

Nach dem echt fiesen Bayern-Spiel war ich schon zufrieden, dass sie insgesamt gut dagegengehalten haben und nicht noch mal auseinandergenommen worden sind. Nichts gegen den Super-Cup, aber ... von der Kohle mal abgesehen ... so wahnsinnig weit von der »Goldenen Ananas« ist er jetzt auch nicht entfernt.

Schauen wir voraus: Für die Gruppenphase der Champions League hat die Eintracht mit Sporting Lissabon, Olympique Marseille und Tottenham Hotspur ... nun, was für ein Los gezogen?

Ich bin mir nicht sicher, ob man, nur weil Liverpool und Real Madrid nicht bei uns mit drin sind, unbedingt von einer »machbaren Gruppe« sprechen kann. Wir sind die Einzigen ohne Champions-League-Erfahrung, und das könnte ein Handicap sein. Ich gebe aber zu, dass ich es nicht wirklich einschätzen kann. Aber dafür kann ich diesbezüglich was Anderes...«

Nämlich?

Mich total drauf freuen!

Filip Kostic ist weg, Kevin Trapp bleibt. Wäre es besser gewesen, Trapp wäre gegangen und Kostic geblieben?

Das ist ein bisschen so, wie wenn ich einen Ferrari und einen Lamborghini in der Garage stehen hätte und Sie mich bitten, dass ich mich entscheiden soll, welcher lieber geklaut werden soll.

Tja, wenn das große Geld lockt. Glauben Sie, dass Kostic vielleicht deswegen zu Juventus Turin gewechselt ist, weil er befürchtete, hier in Deutschland bald die Heiz- und Tankrechnungen nicht mehr bezahlen zu können?

Damit ein Fußball-Profi seines Kalibers Angst vor der Heizkostenrechnung bekommt, müsste die vermutlich siebenstellig sein. Ich finde es natürlich schade, das er weg ist, aber denke, er hat sich nichts vorzuwerfen. Er hat extrem dazu beigetragen, dass wir z. B. die Europa-League gewonnen haben, er hat uns mit seiner Art zu spielen oftmals verzaubert und das Mannschaftsniveau deutlich angehoben. Das finde ich schon ziemlich viel!

Jetzt mal ernsthaft, Kostic wäre nicht der erste Spieler, der sich nach einem Wechsel zu einem europäischen Topverein auf der Ersatzbank wiederfindet. Wäre es das wert?

Das kann ja letztendlich nur er selbst beantworten.

Zurück in die Bundesliga, die Bayern spielten nicht nur die Frankfurter beim 6:1 schwindelig und werden schon als Meister gefeiert. Trotz des jüngsten 1:1 gegen Gladbach, stimmen auch Sie in diesen Tenor ein?

Auf keinen Fall! Damit würde ich mir ja jetzt schon selbst jeden Optimismus bezüglich der Bundesliga kaputtmachen. Kann ja sein, dass es am Ende wieder so sein wird und wir Nicht-Bayern-Fans resigniert die Schultern hängen lassen. Aber jetzt schon mit hängenden Schultern bis zum 34. Spieltag rumlaufen, wäre allein schon unter orthopädischen Aspekten unverantwortlich!

Was ist für die Eintracht drin? Wenn schon Union Berlin momentan auf Rang zwei liegt, dann geht da doch noch was!

Ich glaube, dass die Eintracht Sechster wird. Das ist jetzt keine besonders originelle Prognose, aber dafür von voller Überzeugung geprägt!

Mit Mario Götze hat die Eintracht einen Weltmeister in ihren Reihen, welchen Eindruck haben Sie nach den ersten Spielen vom prominenten Neuzugang gewonnen, der gegen Bremen das wichtige 1:0 und damit seinen ersten Saisontreffer erzielt hat.

Ich finde ihn unter mehreren Gesichtspunkten großartig! Fußballerisch sowieso, aber auch bezüglich seiner Ausstrahlung. Außerdem imponiert mir, wie er nach einer fast aussichtslos erscheinenden Krise wieder zurückgekommen ist. Wobei mir auch dazu ein Zitat meiner Großmutter einfällt. Die hat nämlich mal gesagt: »Wer uffgibt, gibt uff! Es sei denn, er gibt net uff!«

So, Schluss für heute. Daumendrücken für den 7. September, das erste Champions-League-Heimspiel gegen Lissabon. Was wäre nur erst los in Hessen, wenn die Eintracht im Juni den Henkelpott statt des Europa-League-Pöttchens auf dem Römer präsentieren würde...

Europa-League-Pöttchen! Genau das ist es, was ich an Ihnen so sehr mag. Ihre typisch hessische, bescheidene Sicht auf die Dinge dieser Welt!

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