Handball-Stars gegen WM

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(sid). Austragen oder absagen? Der seit Tagen schwelende Konflikt um die Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten spitzt sich zu. Der Kieler Patrick Wiencek hat sich als nächster Nationalspieler aus der ersten Reihe klar gegen das Mega-Turnier im Januar positioniert - und mit ihm zwei andere Weltstars. "Wenn meine persönliche Meinung zählen würde, dann würde ich natürlich die WM nicht spielen", sagte Wiencek im ARD-Fernsehen: "Es gibt nichts Wichtigeres als die Gesundheit. Und das vergessen leider einige Leute ganz schnell."

Der an Corona erkrankte Nationaltorhüter Johannes Bitter hingegen warb für eine ruhige Analyse der Lage. "Jedes Spiel muss kritisch hinterfragt werden: Wo ist ein großes Risiko, wo ein kleines? Wo kann man es minimieren, wo nicht?", sagte Bitter: "Stand jetzt glaube ich, dass wir die WM im Januar auf jeden Fall spielen können."

Wiencek aber steht mit seiner Meinung beileibe nicht alleine da. Auch die beiden ehemaligen Welthandballer Domagoj Duvnjak (THW Kiel) und Aron Palmarsson (FC Barcelona) halten eine WM aktuell für nicht sinnvoll. "In dieser Situation in der Welt verstehe ich nicht, warum wir alle Spieler und den Staff und was-weiß-ich dahin fliegen sollten, um unbedingt ein Großturnier zu spielen", sagte Palmarsson im Handball-Podcast "Kreis ab". Und Duvnjak meinte: "Das ist zu gefährlich."

Damit bekommt das in Teilen unwürdige Geschacher der Klubs und Verbände um Spiele und Termine eine neue Dimension, der Protest der Profis dürfte den Handlungsdruck bei den Entscheidern jedenfalls verschärfen. "Wir sind diejenigen, die auf der Platte stehen. Und wir werden leider in solche Gespräche nicht einbezogen, ob es sinnvoll ist oder nicht", sagte Wiencek und stellte unmissverständlich klar: "Meiner Meinung nach ist das nicht sinnvoll." Die Aussagen Wienceks sind erstaunlich, denn abgesehen von Hendrik Pekeler hielten sich die deutschen Nationalspieler mit öffentlicher Kritik an dem Mammutturnier mit 32 Teams bislang merklich zurück.

Nachdem zuletzt immer mehr Klubs ihre Abneigung gegen die WM kundgetan hatten, der Deutsche Handballbund aber (auch angesichts eines möglichen Umsatzausfalls von rund drei Millionen Euro) bei jeder Gelegenheit stets pro WM argumentierte, sieht Liga-Präsident Uwe Schwenker den Austausch mit den Profis als elementar an. "Der DHB muss die Spieler einbeziehen. Wir können nicht über Köpfe hinweg entscheiden", sagte Schwenker der BamS.

Auch Alt-Bundestrainer Heiner Brand wies auf die Fürsorgepflicht von Vereinen und Verbänden hin. "Die Verantwortlichen haben da auch eine gewisse Verantwortung gegenüber den Spielern und deren Familien", sagte Brand bei Sky: "Letztlich muss alles gegeneinander abgewogen werden, um zu versuchen, eine Lösung zu finden, die zu verantworten ist."

Bei den Frauen schuf am Montag der norwegische Verband Fakten und zog sich angesichts der grassierenden Corona-Pandemie und in Folge der restriktiven staatlichen Vorgaben als Co-Ausrichter der im Dezember bevorstehenden EM zurück.

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