Für den FC Hanau 93 und seinen Spielertrainer Michael Fink, früher auch für den FC Gießen aktiv, sieht es angesichts der Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens finanziell alles andere als gut aus. ARCHIVFOTO: FRIEDRICH
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Für den FC Hanau 93 und seinen Spielertrainer Michael Fink, früher auch für den FC Gießen aktiv, sieht es angesichts der Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens finanziell alles andere als gut aus. ARCHIVFOTO: FRIEDRICH

Hanau 93 vor finanziellem Aus

  • vonHarald Friedrich
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(op). Fußball-Hessenligist FC Hanau 93 befindet sich einmal mehr in finanziellen Schwierigkeiten. Am Donnerstag wurde durch Mitteilung des Amtsgerichts Hanau ein vorläufiges Insolvenzverfahren gegen den Verein öffentlich. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Frankfurter Rechtsanwalt Dr. Jan Markus Plathner bestimmt. Sportliche Auswirkungen hat die Insolvenzbekanntmachung (vorerst) nicht. Aufgrund der Corona-Krise hat der Hessische Fußball-Verband nach einer verbindlichen DFB-Vorschrift im Frühjahr 2020 eine Änderung in der Spielordnung verabschiedet, wonach bis zum 30. Juni 2021 eröffnete oder mangels Masse eingestellte Insolvenzverfahren für den betroffenen Verein ohne sportliche Folgen bleiben. Völlig überrascht reagierte der aus Hanau stammende HFV-Vizepräsident Torsten Becker. "Der FC Hanau 93 ist ein Verein unserer höchsten Spielklasse und im Sinne einer gedeihlichen Zusammenarbeit hätte es sich der Verband schon gewünscht, vom Verein über diese neueste Entwicklung in Kenntnis gesetzt zu werden."

Formell im Schwebezustand

Sollte das Insolvenzverfahren gegen den Verein nach dem 1. Juli 2021 eröffnet werden, stünde der HFC als erster Absteiger der kommenden Hessenliga-Saison fest. Diese Regelung hatte übrigens auch vor der Corona-Zeit Bestand. Heißt: Der Verein wäre bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens der erste Absteiger der laufenden Saison gewesen. "Nach derzeitigem Stand hätte der Verein Glück gehabt", meint Becker.

Die Nachricht, wonach über das "Vermögen" des FC Hanau 93 ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet wurde, hat indes viele im Umfeld des ältesten hessischen Fußballclubs beunruhigt und aufgeschreckt. Spekulationen, dass womöglich das Aufrechterhalten des mutmaßlich kostspieligen Hessenliga-Spielbetriebs in Gefahr sei, machten schnell die Runde. Fakt ist: Finanziell sind dem ältesten Fußballverein Hessens in diesen Tagen die Hände gebunden. Vorübergehend liegt die Verwaltung des Vereinsvermögens in den Händen von Rechtsanwalt Plathner. Betroffen von den gerichtlich angeordneten Sicherungsmaßnahmen sind sämtliche Mannschaften des Vereins. Plathner war in der Vergangenheit als Sanierungsexperte bei den Insolvenzverfahren von Darmstadt 98 und den Vereinen SpVgg Bayreuth, 1. FC Eschborn, SV Bernbach und SV Niederursel tätig. "Wir müssen uns jetzt erst einmal ein Bild vor Ort machen und mögliche Sanierungsmöglichkeiten des Vereins prüfen. Wichtig ist dabei, dass sämtliche Beteiligte im Verein nun an einem Strang ziehen", erklärt der vorläufige Verwalter. Die ersten Abstimmungen, ob eine Sicherstellung der Spielergehälter über das Insolvenzausfallgeld möglich ist, wurden, so Plathner, bereits ein-geleitet.

Formell gesehen befindet sich der Hessenligist im Schwebezustand. Als vorläufiges Insolvenzverfahren wird der Zeitraum zwischen dem Eingang des Insolvenzantrags und der Eröffnung des Insolvenzverfahrens oder die Abweisung des Antrags durch Gerichtsbeschluss bezeichnet.

In einer Pressemitteilung äußert sich der FC Hanau 93 im Wortlaut folgendermaßen: "Bei unserem Partner, der Krankenkasse Knappschaft, sind die Spieler im Kader unserer ersten Mannschaft gesetzlich krankenversichert. Hier war ein Beitragsrückstand aufgelaufen, der kurzfristig nicht ausgeglichen werden konnte. Daraufhin hat die Knappschaft wegen dieser offenen Forderung den oben erwähnten Insolvenzantrag gestellt. Hanau 93 ist nun in Verhandlung mit dem Insolvenzverwalter mit dem Ziel, den Sachverhalt schnellstmöglich zu klären, die offene Forderung der Knappschaft zu begleichen und damit den Insolvenzantrag aus der Welt zu schaffen."

Laut des Vereinsvorsitzenden Frank Feuerriegel ging es um zurückgehaltene Zahlungen aus dem Frühjahr, als der Spielbetrieb bedingt durch die Pandemie ausgesetzt war und folglich auch keine Zahlungen an die Spieler geleistet worden sind. "Im Gegensatz zu anderen Vereinen melden wir unsere Spieler ordnungsgemäß mit Amateurverträgen an", unterstreicht Feuerriegel. Über die Höhe der zu leistenden Abgaben habe es unterschiedliche Ansichten gegeben.

"Ich gehe davon aus, dass die Akte in zwei Wochen geschlossen sein wird", geht Feuerriegel davon aus, dass gar kein Insolvenzverfahren gegen seinen Verein eröffnet werden muss. Eine Einigung soll auch mit dem Finanzamt hinsichtlich aufgelaufener Verbindlichkeiten in greifbarer Nähe sein.

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