Für die Hamburg Towers ein historischer Sieg

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(dpa). Es war jener Moment in der Wilhelmsburger Arena, der euphorisch hätte gefeiert werden müssen, tatsächlich aber unwirklich und ein wenig kalt wirkte. Der erste Heimsieg der Hamburg Towers in der Basketball-Bundeliga nach 554 Tagen stand fest, nur Jubel gab es nicht. Schon der Spielverlauf in der Partie gegen Brose Bamberg hätte ein reines Gefühlschaos verursacht und die Halle zum Bersten gebracht. Es war niemand da, den 78:75 (40:50)-Erfolg zu feiern. Wo sonst 3400 Zuschauer sitzen, klaffte nur Leere. Teil-Lockdown, Geisterspiel. Die Party der Towers-Anhänger musste an diesem historischen Tag in heimischen Wohnzimmern stattfinden.

"Die Fans standen in der vergangenen Saison wie eine Eins hinter uns, und ich hätte es ihnen so gegönnt, heute hier zu sein", sagte Towers-Geschäftsführer Marvin Willboughby angesichts der leeren Ränge. Die verschärften Maßnahmen der vergangenen Woche erlaubten es den Hamburgern noch nicht einmal, vor 650 Zuschauern spielen zu dürfen.

Wer die Partie vor dem Fernseher oder im Internet verfolgt hatte, dürfte dennoch geflucht, gezittert und schließlich gefeiert haben. 14:8 führten die Towers nach fünf Minuten, 40:50 lagen sie zur Halbzeit zurück, 55:64 war der Stand nach drei Vierteln. Doch zweimal schafften die Hamburger das Comeback. Ähnlich dramatische Begegnungen hatte es vorher auch schon gegeben. Aber was den Towers unter Ex-Coach Mike Taylor in acht Heimspielen der abgebrochenen Vorsaison nicht gelingen wollte, dafür brauchte der neue Trainer Pedro Calles mit einem weitgehend neuen Team nur einen Versuch. "Das komplette Team möchte diesen Sieg unseren Fans widmen, die uns von zu Hause unterstützt haben", sagte Calles, betonte aber auch: "Wir mussten heute unsere eigene Atmosphäre kreieren. Egal ob zu Hause oder auswärts, es wird immer auf diese Stimmung im Team ankommen."

Routinier Bryce Taylor sah das ähnlich: "Es ist etwas komisch, wenn es so leise ist in der Halle. Deswegen kommt es jetzt noch mehr auf unsere Unterstützung und Energie von der Bank an."

Willoughby war erleichtert. Auch von ihm gab es viel Lob für den Auftritt der Mannschaft: "Wir haben nie nachgelassen, wir haben immer an uns geglaubt. Vom ersten Tag an zeigt sich das Team als Einheit. Ich glaube, wir können von so einem Spiel gleich zum Saisonstart noch lange zehren."

Wann die nächste Aufgabe für die Towers ansteht, ist offen. Die Gießen 46ers, die am Sonntag in Hamburg antreten sollten, mussten sich Mitte der vergangenen Woche in Quarantäne begeben, aus der sie erst wieder am 17. November entlassen werden. Die Partie wurde verlegt. Aber egal: Die Hanseaten wissen jetzt, wie sich ein Bundesliga-Sieg in eigener Halle anfühlt. Nur ihre Fans werden sich da noch eine Weile in Geduld üben müssen.

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