+

Hambüchen zurück in Wetzlar

Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen wird in seiner Heimat herzlich empfangen. Rund 100 Personen kamen zur Sporthalle der August-Bebel-Schule Niedergirmes, "dem Ort, an dem alle Medaillen erarbeitet wurden", sagte Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner.

(sno) Mittelhessen hat seinen Olympiasieger von Rio in der Heimat empfangen. Fabian Hambüchen kehrte am gestrigen Freitag nach dem Gewinn der Goldmedaille am Reck zurück nach Wetzlar. Rund 100 Personen kamen zur Sporthalle der August-Bebel-Schule Niedergirmes, "dem Ort, an dem alle Medaillen erarbeitet wurden", sagte Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner. Seit etlichen Jahren trainiert der 28-Jährige mit seinem Vater Wolfgang in Wetzlar und legte den Grundstein für den sportlichen Höhenflug. Gestern war an diesem Ort nun der Moment gekommen, die Rio-Erlebnisse in der Heimat Revue passieren zu lassen.

Die Medienpräsenz war groß: Der Hessische Rundfunk, RTL und Sat1 waren mit Kamerateams in Wetzlar. Viele Lobeshymnen wurden am Freitag auf den in Blasbach groß gewordenen Hambüchen gesungen. Seine Goldmedaille am Reck sei eine "Lebensleistung", Hambüchen habe "die deutsche Turnbewegung entscheidend beeinflusst" und sei "eine Persönlichkeit, die Kinder zum Sport animiert". Die Verantwortlichen auf der Bühne lobten sich, vor allem aber den Olympiasieger. Fabian Hambüchen, der das T-Shirt "Goldjunge" trug, durfte sich in das Goldene Buch der Stadt Wetzlar eintragen und wurde Ehrenmitglied seines Heimatvereins TSG Niedergirmes.

Seit dem 1. Februar 1991 gehört er dem Verein an, mit dreieinhalb Jahren also wurde er angemeldet.

Bevor der Ausnahmeathlet die zahlreichen Geschenke auf der Bühne entgennehmen durfte, umarmte er gefühlt jeden zweiten Anwesenden herzlich. An all die Jubelszenen war Anfang des Jahres noch nicht zu denken. Hambüchen plagte sich lange Zeit mit Schulterproblemen herum. "Ich habe ihn hier vor einigen Monaten noch rumschleichen sehen, weil er gedacht hat, dass es vielleicht gar nichts wird mit Olympia", sagte Andreas Joneck, Manager des RSV Lahn Dill und "Trainingsnachbar" von Hambüchen.

Der Turner selbst blickt zurück: "Bis zum Finaltag hatte ich zehn Wochen, in denen ich voll trainieren konnte. Da fragt man sich natürlich: Wie trainierst du am cleversten, sodass es die Schulter auch aushält?" Mental sei es einfach gewesen, "weil ich Gas geben wollte, weil ich Bock hatte. Das Motto war, noch einmal bei Olympia dabei zu sein. Dann kamen wir bis Rio, das war schon ein Erfolg. Erst als ich im Reck-Finale stand, kamen die Gedanken: Es könnte ja noch einmal was mit einer Medaille werden.

" Und als klar war, dass es zu einer Medaille reichen wird, "habe ich zu meinem Vater gesagt: Ich will dieses Gold jetzt endlich haben."

Fabian Hambüchen erneuerte in Wetzlar seine Kritik am Verhalten des Internationalen Olympischen Komitees, das einen Großteil der russischen Athleten an Olympia teilnehmen ließ. "So wie das IOC gehandelt hat, war es nicht die richtige Entscheidung. Wenn die Dopingstests nicht sicher negativ sind, dann kann man mit Russland auch mal eine ganze Nation sperren. Wobei sich das Problem sicher nicht nur auf Russland beschränkt. Ich habe im Grunde in dieser Hinsicht keine große Macht, aber man muss es mal ansprechen, damit es eine kleine Wirkung hat."

Wie geht es weiter mit dem Wetzlarer Turner? Zunächst einmal wird sich der 28-Jährige weiterhin seinem Studium an der Sporthochschule Köln widmen. "Ich habe zuletzt weniger Kurse belegt, um für Olympia trainieren zu können. Ich denke, dass ich noch zwei, drei Semester brauche. Ich turne zudem weiterhin in der Bundesliga für die KTV Obere Lahn. Und damit ist der Tag schon wieder voll."

An den Olympischen Spielen wird Hambüchen nicht mehr teilnehmen, die Weltmeisterschaft 2019 in Stuttgart reizt ihn dagegen noch. Irgendwann wird der Ausnahmeturner in die berufliche Zukunft starten. Zuletzt erwähnte er bereits, dass er sich vorstellen könne, Trainer, Lehrer oder Journalist zu werden. Auch das Sportmanagement wäre denkbar. Vater Wolfgang hält es für möglich, dass sein Sohn langfristig in der Heimat bleibt. "Er wird sicher einige Optionen haben, das kann auch hier in der Region sein."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare