Fußball, Eintracht Frankfurt, Herr Löw und Thomas Müller

"Halt doch endlich mal deine ..."

Henni Nachtsheim vom Comedyduo Badesalz und bekennender Anhänger der Frankfurter Eintracht hat sich wieder den Fragen von Ronny Th. Herteux gestellt.

Hallo Herr Nachtsheim, jetzt sollten Sie mal Farbe bekennen: Gehören Mats Hummels und erst recht Thomas Müller zurück in die Nationalmannschaft?

Das Problem bei dieser Frage ist, dass mir das relativ egal ist. Was daran liegt, dass ich weder zu diesen Spielern noch zur deutschen Nationalmannschaft einen ausgeprägten emotionalen Bezug habe. Das soll nicht heißen, dass ich alle Beteiligten nicht schätze, das tue ich. Es ist nur, im Vergleich zu meinem Eintracht-Gefühl, deutlich kleiner. Genau genommen ist das wie mit der Schwägerin. Man hat (mit Glück) nichts gegen sie, aber die eigene Ehefrau bedeutet einem einfach mehr. Meistens zumindest.

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass nach dem ungehobelten wie unwürdigen Rauswurf unser aller Bundestrainer Joachim Löw durch eine Rückholaktion nicht zugeben möchte, dass er vielleicht einen Fehler gemacht hat.

Ja, das vermute ich auch. Dabei würde es von Größe zeugen, wenn er es den zugeben würde. Nach der schlechten WM war er ja auch bereit, eigene Versäumnisse einzuräumen. Andererseits macht es die Sache ja auch spannend! Weil Jogi Löw ja vermittelt, dass er einen Weg eingeschlagen hat, von dem er, ungeachtet von einer Reihe mittelmäßiger Ergebnisse, überzeugt ist, und der bei der EM nächstes Jahr aufgehen wird. Wie sagt da der geduldige Hesse? "Eija, gugge mer ma..."

Auch in der Nationalelf sollte das Leistungsprinzip gelten, nach dem Motto: Okay, im Moment reicht es nicht für euch, aber die Tür bleibt zumindest offen. So viel Anstand darf vom DFB erwartet werden, einem Verband, der stets mit Begriffen wie Fairness usw. um sich wirft.

Den DFB in Sippenhaft zu nehmen, halte ich für übertrieben. Aber drei gestandenen Nationalspielern innerhalb von zwei Minuten zu erklären, dass sie nicht mehr dazugehören, war nicht unbedingt ein Ausdruck feinfühliger Diplomatie. Wobei das im Profi-Fußball jetzt auch nicht zu den ganz oben aufgeführten Punkten im Anforderungsprofil steht...

Von Thomas Müller und den Bayern sofort zur Frankfurter Eintracht, die am kommenden Samstag als bislang noch ungeschlagene Mannschaft beim bereits einmal bezwungenen FC Bayern anzutreten hat. Was ist drin?

Normalerweise würde ich sagen, nichts. Aber ich habe letzte Nacht geträumt, dass die Eintracht durch Tore von Silva und Hinteregger 2:2 spielt. Okay, ich hab in der Nacht auch noch geträumt, dass ich 1,94 m groß bin, lange volle Haare und einen Sixpack habe, aber das muss ja nichts heißen. Also, die Eintracht holt einen Punkt!

Falls sich die SGE-Hintermannschaft wie beim 1:1-Gegentreffer in Köln ähnlich kollektive Tiefschlafphasen erlauben sollte, dann "gute Nacht". Oder bin ich da zu kritisch?

Gegen Köln waren sie sich irgendwie zu früh zu sicher. Das passiert dir bei klarem Menschenverstand gegen Bayern nicht. Es ist ja ein Unterschied, ob du abends mit vollem Portemonnaie durch Bad Orb oder die New Yorker Bronx läufst!

Was Neues betrifft, zeige ich mich oftmals kritisch. Das soll nicht heißen, dass früher alles besser war. Die Leichtathletik allerdings benutzt neuerdings LED-Lichter in der Laufbahn, um den Zuschauern und Läufern anzuzeigen, ob sie auf Rekordkurs sind. Haben Sie das schon einmal gesehen?

Nein, aber ich könnte mir das auch gut bei uns zu Hause für den nächtlichen Weg vom Bett zur Toilette vorstellen!

Auf den Fußball übertragen könnte das für die Zukunft bedeuten, dass die Trainer irgendwann einmal per Joystick aus einer Kommandozentrale heraus den Spielern auf dem Rasen vorgeben, wohin sie den Ball zu spielen haben - einfach immer den LED-Lichtern nach.

Dann wäre Fußball ja im Prinzip eine Art Computerspiel.

Ja, und auch besonders interessant wäre es, zu beobachten, wenn sich der Gegner in das System hackt, die LED-Lichter manipuliert und so Fehlpässe oder gar Eigentore provoziert.

Genau! Unsportliche pickelige Nerds mit dicken Hornbrillen könnten ohne Ausbildung Trainer werden, und Chips fressend und Vanille-Cola saufend Bundesligaspiele gewinnen. Wär mal was anderes!

Niemand weiß, was uns die Zukunft noch so alles bringt. Wer hätte es zu Jahresbeginn für möglich gehalten, dass einmal Spiele der Fußball-Bundesliga vor 300 oder überhaupt keinen Zuschauern ausgetragen werden.

Vermutlich niemand. Aber ich hab mir auch nicht vorstellen können, dass ich unsere Auftritte, z. B. die in Gießen, Wetzlar und Marburg, allesamt im Kalender durchstreichen muss, in der Hoffnung, dass wir sie irgendwann, wann auch immer, nachholen können.

Irgendwie ist dies auch eine Art "back to the roots", zurück zu den Wurzeln. Wenn in der Allianz-Arena nur die lauthalsen Stimmen von den Reservespielern und Trainern zu hören sind, fühlt man sich wieder auf den Fußballplatz im Heimatdorf zurückversetzt.

Ja, das stimmt. In der letzten Saison habe ich bei einem der Geisterspiele plötzlich gehört, wie irgendjemand von der einen zur anderen Bank "Halt doch endlich mal deine dumme Fresse da drüben!" geschrien hat. Das hat mich tatsächlich stark an meine Zeit als Amateur-Kicker erinnert!

Schon komisch, wenn Türk Gücü Friedberg gegen FSV Fernwald oder FC Gießen gegen SG Großaspach vor Ort mehr Zuschauer verfolgen als 1. FC Köln gegen Eintracht Frankfurt oder FC Schalke 04 gegen Union Berlin. In welcher Welt leben wir eigentlich?

In einer, von der später mal ein Spieler vom FC Gießen seinem Enkel erzählen wird! "Weißt du Kleiner, es gab mal Zeiten, da hatten wir hier deutlich mehr Zuschauer als der FC Köln!" "Und wieso war das so, Opa?" "Du, wir waren damals einfach besser als die!"

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