Mit einem Sieg bei Neuling Tusem Essen möchten sich die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar aus dem Jahr 2020 verabschieden.	FOTO: VOGLER
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Mit einem Sieg bei Neuling Tusem Essen möchten sich die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar aus dem Jahr 2020 verabschieden. FOTO: VOGLER

›Am Hallo‹ nicht nur »Hallo!« sagen

  • Ralf Waldschmidt
    VonRalf Waldschmidt
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(ra). Die HSG Wetzlar schließt das verflixte Corona-Jahr in der Handball-Bundesliga am Sonntag (17 Uhr) mit dem Auswärtsspiel bei Tusem Essen ab. In der altehrwürdigen Sporthalle ›Am Hallo‹ möchten die Mittelhessen nicht nur »Hallo!« sagen, sondern nach mittlerweile fünf Auswärtsniederlagen in Folge wieder einmal die Punkte aus der Fremde mitnehmen. Allerdings ist der mit nationalen und internationalen Titeln hochdekorierte Erstliga-Rückkehrer von der Magarethenhöhe alles andere als Kanonenfutter, mit fünf Punkten hat Tusem nach Heimsiegen über HSC Coburg und HBW Balingen/Weilstetten sowie einem Heim-Unentschieden gegen TSV Hannover-Burgdorf die Nichtabstiegsplätze noch im Blick.

Zwei Gesichter der HSG Wetzlar: Beim Heim-24:24 gegen den SC Magdeburg am Dienstag zeigte die HSG Wetzlar zwei Gesichter. Eine Anfangsviertelstunde, die »wie zuvor schon beim TBV Lemgo-Lippe verschlafen« wurde, wie Rückraumspieler Lenny Rubin einräumte; eine Schlussviertelstunde, die dank der Initialzündungen von Philip Henningsson, Filip Mirkulovski und Tibor Ivanisevic aus Sicht von Trainer Kai Wandschneider »einem Tanz auf der Rasierklinge« glich.

Zunächst wurde quer statt tief gespielt, wurden emotionslos die Zweikämpfe verloren, gelangte man kaum in die Gefahrenzone hinter der offensiv stehenden Magdeburger Deckung. Dann aber parierte Ivanisevic wichtige SCM-Würfe hinter einer immer stärker werdenden eigenen 6:0-Abwehr, wurden die technischen Fehler reduziert und die Angriffe von Mirkulovski richtig gesteuert. Die Grün-Weißen hatten sich noch vor der Pause vom 5:12 (15.) zum 10:12 (30.) praktisch selbst in den Hintern getreten (O-Ton Wandschneider) - und hätten sie im letzten Angriff 30 Sekunden vor Schluss in Überzahl die in der Auszeit angesagten Eins-gegen-eins-Situationen gesucht, anstatt passiv die sechs Pässe vergehen zu lassen, wäre vielleicht sogar noch ein Sieg herausgesprungen.

Die Bedeutung der Partie in Essen: Die HSG Wetzlar kann analog zu den letzten finalen Punktepartien der Vorjahre mit einem Erfolg bei Tusem Essen allen Umständen zum Trotz dem Saisonziel vorzeitiger Klassenerhalt ganz nahe kommen. Bei dann 17:15 Punkten und zehn Zählern Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz wäre es auf jeden Fall ein ruhiger Jahreswechsel vor der alljährlichen WM- oder EM-Pause.

Der Kontrahent: Corona-bedingt haben die Essener erst zwölf Ligapartien absolviert, die letzte am gestrigen Mittwoch beim Bergischen HC (Nachricht links auf dieser Seite). Der Altmeister, der in der Saison 2012/13 ein Kurzgastspiel im Oberhaus gegeben hatte, hat als einziger Erstbundesligist keinen ausländischen Profi in seinem Kader, der zudem der jüngste unter allen 20 Clubs ist. Leistungsträger und Spielmacher Jonas Ellwanger, ein Tusem-Urgestein, hat sein Team vergangenen Sonntag zum 29:27-Heimerfolg über Mitaufsteiger HSC Coburg geführt. Trainer Jamal Naji ist nach seinem zu den Füchsen Berlin gewechselten Vorgänger Jaron Siewert der zweitjüngste Coach der Liga. Neben Tempohandball prägen Kampf und Leidenschaft das Spiel der Essener, die nach dem Heimcoup gegen Coburg Lunte im Kampf um den Klassenerhalt gerochen haben.

Die Ausgangslage: Tusem Essen hat den Heimvorteil schon zweimal genutzt, die HSG Wetzlar zu Beginn der Saison bei GWD Minden und dem Bergischen HC gewonnen. Gegen den Neuling befinden sich die Wandschneider-Schützlinge auswärts nach langer Zeit wieder einmal in der Favoritenrolle. Diese soll unbedingt genutzt werden, denn alles andere wäre nach dem bislang äußerst positiven Saisonverlauf wie eine Rolle rückwärts. ›Am Hallo‹ heißt es also nicht nur mal so »Hallo!« sagen.

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