Ein gutes Spiel auch mal positiv gestalten

Auch wenn es in zwölf Bundesliga-Spielzeiten bislang nur zu einem einzigen Erfolg beim TV Großwallstadt (27:25 am 14. Dezember 2002 mit Mario Allendörfer und Markus Schmidt) - bei zwei Unentschieden und neun (!) Niederlagen - gereicht hat, betritt die HSG Wetzlar in der Bundesliga-Auswärtspartie bei den Mainfranken (Freitag, 19.45 Uhr,) das Parkett der Frankenstolz-Arena Aschaffenburg nicht in "Hab Acht-Stellung".

Nach der mit Ausnahme des Endergebnisses durchaus gelungenen Saison-Premiere gegen die SG Flensburg/Handewitt ist sich die Mannschaft von Trainer Michael Roth ihrer eigenen Qualitäten durchaus bewusst und möchte den siebenmaligen Deutschen Meister mit meinem ähnlich starken Auftritt "nervös machen". "Wenn wir lange genug dran bleiben, wird dies auch möglich sein", gibt sich Roth kämpferisch, zumal er in der Videoanalyse der Flensburg-Partie "noch ein paar Fehler in der Deckung in Überzahl" entdeckt und diese in der Vorbereitung auf die Freitagbegegnung angesprochen hat. "Wir haben gut gespielt, aber drei Tore in Überzahl bekommen und drei Siebenmeter verworfen", leitet Roth von Flensburg zu Großwallstadt über, "es wäre schön, wenn wir ein insgesamt gutes Spiel auch mal positiv gestalten könnten." Personell hatte der 48-Jährige am Donnerstag morgen beim Training im "Plaza" alle Mann dabei. Auch Alois Mraz, dessen Rückenprobleme aber immer noch nicht ganz abgeklungen sind.

Die gegen die Norddeutschen gezeigte körperliche Präsenz soll auch beim TVG ein Wetzlarer Markenzeichen sein. Von wegen bei jeder Defensivaktion fast immer einen Schritt zurück, durch den man wegen Kreisbetretens permanent siebenmetergefährdet ist. Die Flucht wuchtig und aggressiv nach vorn und bei "Festnahmen" keine Kompromisse mehr eingehen. Andersrum soll 2010/2011 ein Bundesliga-Schuh draus werden, wenn der isländische Kreisläufer Kari Kristjan Kristjansson den kompletten gegnerischen Innenblock beschäftigt und die Sperren exakt auch dort zu stellen weiß (und kann), wo sie für Daniel Valo oder Philipp Müller aus der zweiten Reihe von Nutzen sind.

Gegen Flensburg warteten die Wetzlarer im ersten Abschnitt mit einer selten gekannten Wurfeffektivität (bis auf die Siebenmeter) auf und trafen auf dem Feld in der Mehrzahl die richtigen Entscheidungen. Können sich hinter der 6:0-Deckung am Freitag auch die Torhüter stabilisieren und gelingt der eine oder andere leichte Treffer über den Gegenstoß, so dürfen sich die Salzer und Co. am Main zumindest mehr ausrechnen als bei den vergangenen acht sieglosen Gastspielen.

Beim TV Großwallstadt erinnert derzeit einiges an die früheren glorreichen Zeiten. Der ehemalige Europapokalsieger ist international wieder vertreten, nachdem der Klub letztmals 2000 im City-Cup triumphierte. Dass die Mannschaft des oft eigensnnig wirkenden, aber als ausgewiesener Handball-Fachmann akzeptierten Trainers Michael Biegler zum Auftakt bei Neuling HSG Ahlen-Hamm zu Beginn mit 3:9 zurücklag, ist im Hinblick auf den letztlich gelandeten 32:29-Erfolg nur noch eine Randnotiz. "Das Spiel in Hamm war, wie erwartet, alles andere als einfach", ist Team-Manager Uli Wolf erst einmal nur froh, die Premiere erfolgreich überstanden zu haben, "die Jungs haben in den letzten Tagen sehr gut und hart trainiert. Wir möchten uns bei der ersten Heimpartie von unserer besten Seite präsentieren und natürlich die Punkte einfahren", leitet der Großwallstädter dann aber sofort über. Der Sieg bei der Wetzlarer "Filiale" (Hock, Pomeranz, Clößner) soll jedenfalls als Rücken- wind für das "Nachbarschaftsduell" genutzt werden.

Wetzlars Trainer Michael Roth, selbst noch maßgeblich an der Zusammenstellung des aktuellen TVG-Kaders beteiligt, nennt als Stärken der Mainfranken deren Homogenität im Team, das bei nur einem Abgang weitgehend unverändert geblieben und damit eingespielt ist, die Kompaktheit in der Deckung, die schon immer kraftvoll zupacken konnte, sowie den Torhüter Mattias Andersson, der in der vergangenen Serie die besten Statistiken aller Erstliga-Keeper vorzuweisen hatte.

Andererseits ist Großwallstadt Regisseur Oliver Köhrmann nur schwer zu ersetzen. Gelingt es den Grün-Weißen, den 34-Jährigen eingermaßen aus dem Spiel zu nehmen, könnte es im TVG-Angriff durchaus zu spürbaren Herz-Rhythmus-Störungen kommen. Denn darunter würde auch das Kreisspiel - egal ob über Jens Tiedtke, Joakim Larsson oder über Sverre A. Jakobsson - leiden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare