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Gestenreich: Grünbergs Urgestein Eberhard Spissinger macht sich seine Gedanken über den weiblichen Basketball.

Basketball

Grünberg ist ein Eldorado für den weiblichen Basketball-Nachwuchs

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Eberhard Spissinger ist ein Grünberger Basketball-Urgestein. Im Interview erklärt der 58-Jährige, dass Talent nicht alleine reicht, um nach oben zu kommen, und dass das 3x3 ein Publikumsmagnet ist.

Eberhard Spissinger, von allen nur Ebi" genannt, ist ein profunder Kenner des weiblichen Basketballs. Er kennt die Strukturen in seiner Heimatstadt wie kein Zweiter. In Grünberg gibt es seit Jahren ein Eldorado für den Nachwuchs. Und der kann sich auf den Plattformen Bender Baskets Grünberg in Liga zwei und der U18-Bundesliga-Mannschaft präsentieren und prächtig entwickeln - was Spissinger deutlich unterstreicht.

Blickt man auf die aktuellen nationalen U-Mannschaften, sind die gefüllt mit Basketballerinnen, die das Grünberger Programm Schule, Internat, DBB-Stützpunkt und Verein durchlaufen. Wie erklären Sie sich das?

Eberhard Spissinger:Grünberg ist deutschlandweit einer der drei DBB-Leistungsstützpunkte für den weiblichen Nachwuchs-Basketball - weitere gibt es noch in Berlin und in Würzburg. Das hat zur Folge, dass am Grünberger Standort der Bundestrainer Stefan Mienack arbeitet. Er wohnt in Watzenborn-Steinberg, sodass er täglich am Stützpunkt ist. Mit Rene Spandauw hat das Grünberger Basketball-Internat zudem eine Trainerikone verpflichtet. Und mit Aleksandra Heuser (früher Kojic) hat die Theo-Koch-Schule eine Lehrer-Trainerin, die auch zu den Spitzentrainern in Deutschland gehört. Das sind ideale Voraussetzungen. Sie führen dazu, dass viele Spielerinnen aus ganz Deutschland an diesem exklusiven Ausbildungsprogramm teilnehmen wollen - und dass dadurch einige den Sprung in die Nachwuchs-Nationalteams schaffen.

Wie aktuell die Tochter vom Gießener Rekordschützen Jan Villwock.

Spissinger:Ja. Lynn Villwock hat es in die U15-Nationalmannschaft gepackt. Aber es ist nicht mehr so, wie es mal war, dass drei oder vier Grünbergerinnen, wie das damals mit den starken Jahrgängen 1992 oder 1994 war, in einer U-Mannschaft vertreten sind.

Fallen Ihnen dazu noch Namen ein?

Spissinger:Klar. Isabell Meinhart, Jenny Münnich, Nicola Happel, Julia Gauermann, Finja Schaake. Das waren alles reine Grünbergerinnen, die früher in den U-Teams vertreten waren.

Wenn man aktuell auf die "Grünberger" U-Spielerinnen schaut, wer hat das größte Potenzial, sich einmal in die A-Nationalmannschaft zu spielen?

Spissinger:Das ist schwierig. Talent ist eine Sache. Entscheidend ist aber immer Fleiß, Durchhaltevermögen und Einstellung. Wir haben im weiblichen Bereich eine hohe Drop-out-Quote. In der U15 haben wir aktuell drei Spielerinnen am Start: Lynn Villwock, Ilinca Secuianu und Elisa Mevius. Bei allen drei muss man abwarten, wohin die Reise geht. Wobei es bei Lynn Villwock sicherlich förderlich wäre, wenn sie auch an die Grünberger Schule gehen würde, damit sie wie die beiden Internatsspielerinnen optimal gefördert werden kann.

Die Kohl-Schwestern haben diesen Schritt auch gemacht.

Spissinger:Ja. Sie sind von einer Gießener Schule in die Grünberger Theo-Koch-Schule gewechselt, weil die Trainingsmöglichkeiten mit den genannten Trainern dort optimal sind - und das täglich. Das sind für mich Grundvoraussetzungen, um vielleicht mal den Weg zu gehen wie eine Finja Schaake.

Leistungsträgerin in der A-Nationalmannschaft, die das komplette Grünberger Programm durchlaufen hat und seit Jahren in der Bundesliga beim BC Marburg zu den Stützen zählt.

Spissinger:Ja. Sie ist unsere und die hessische Aushängespielerin schlechthin. Finja ist diesen Weg gegangen, hatte dabei aber auch den Vorteil, dass sie in Grünberg gelebt hat. Und aktuell spielen in der Damen-Nationalmannschaft mit Ama Degbeon, Schaake und Luana Rodefeld gleich drei ehemalige Grünberger Internatsschülerinnen, was man durchaus als Anerkennung für das "Grünberger Programm" werten darf.

Was ist mit den Kohl-Schwestern?

Spissinger:Beide sind Riesentalente, schlagen sich aber auch mit Verletzungen herum. Aktuell ist Charlotte verletzt. Und bei Paula hoffe ich, dass sie es in den finalen Kader für die U20-EM Anfang August in Tschechien schafft. Bei ihr steht der nächste Entwicklungsschritt an und somit ein Vereinswechsel. Sie wird in Verbindung mit Freiburg gebracht. Eine große Centerspielerin ist natürlich deutschlandweit begehrt.

Können sich Ausnahmespielerinnen Ihren Lebensunterhalt mit Basketball verdienen?

Spissinger:Es ist nicht so, dass eine deutsche Nationalspielerin in Deutschland sagen kann, ich mache kein Studium, keine Ausbildung. Ich lebe nur vom Basketball. Das geht nicht. Deshalb zieht es auch die Topspielerinnen immer wieder ins Ausland, weil dort andere Honorare gezahlt werden.

Das 3x3 drängt sichnach vorne. 2020 ist es olympisch. Der HBV hat die neue Disziplin bereits in seine Sichtungskonzeption im Rahmen der Anschlussförderung nach dem Bundesjugendlager eingebaut. Was verspricht man sich davon?

Spissinger:Auf jeden Fall eine Steigerung der Attraktivität. Es wird 2020 in Tokio einem breiteren Publikum präsentiert. Ich bin mir sicher, dass dieses Drei-gegen-Drei ein Erfolgsmodell wird. Natürlich sind darin viele Elemente vom Basketball enthalten. Diese Schnelligkeit, diese Athletik und diese Ästhetik unserer Sportart wird beim 3x3 aber perfektioniert. Es bereitet Spaß, zuzuschauen. Es wird hart gespielt, man hat nur zwölf Sekunden für den Angriff. Es muss alles sehr schnell gehen. Fouls werden deutlich weniger gepfiffen, das ganze Spiel ist noch athletischer. Und es zieht die Massen an. Egal wo. Innerhalb kurzer Zeit sind die Tribünen voll. Das kann den deutschen Basketball nur nach vorne bringen.

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