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Dauerbrenner: Quantez Robertson geht in seine elfte Saison bei den Skyliners. (dpa)

Großstadtklub oder Talentschmiede?

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Die Frankfurt Skyliners gehen in ihre 21. Saison in der Basketball-Bundesliga. Am Stück. Eine längere Verweildauer haben im Oberhaus nur Berlin, Bamberg, Bonn und Braunschweig aufzuweisen. Trotzdem mangelt es den Skyliners mehr denn je an einem eindeutigen Image.

Die Lage:Ist Frankfurt die sympathische Talentschmiede mit durchlässigen Hierarchien zwischen Jugendteams und BBL? Oder dominiert das Bild des gesichtslosen Großstadtklubs, der dem Namenssponsor zuliebe auf die Nennung der Stadt im Vereinsemblem verzichtet? Im Sommer fanden Anhänger beider Theorien Nahrung. Mit Sebastian Gleim wurde der ehemalige Trainer des ProB-Teams zum Chefcoach befördert. Nur 35 Jahre zählt der neue Mann, der die gezielte Talentförderung bei den Skyliners Juniors mitprägte. Das ist eine mutige Entscheidung, die gleichzeitig die Authentizität des Vereins unterstreicht. Ehemalige Perspektivspieler wie Isaac Bonga (Washington Wizards) oder Johannes Voigtmann (ZSKA Moskau) zeugen vom Erfolg dieser Strategie. Gleichzeitig wird der Bau einer neuen Multifunktionsarena am Kaiserlei immer wahrscheinlicher. Schon die 5000 Zuschauer fassende Ballsporthalle ist nur dann voll, wenn die im Umlauf befindlichen Freikarten genutzt werden. Bei Europa-Cup-Spielen kann Manager Gunnar Wöbke jeden Fan einzeln begrüßen - im ersten Viertel. Das Multifunktions-Ungetüm soll 20 000 (Zahl?)Gästen Platz bieten.

Das Team:358 BBL-Einsätze, die meisten Steals der Ligageschichte und die achtmeisten Rebounds: Quantez Robertson ist eine lebende Legende und bleibt den Frankfurtern auch in Jahr elf erhalten. 34 Jahre zählt der US-Amerikaner, ebenso viele Minuten stand er in der letzten Saison im Schnitt auf dem Parkett. Obwohl er längst nicht mehr die Hauptscoring-Last tragen muss, ist Robertson nach wie vor Anführer der Skyliners. Ebenfalls an Board blieb eine deutsche Achse aus Leon Kratzer, Richard Freudenberg, Akeem Vargas und dem Ex-46er Marco Völler. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren drängte sich kein Spieler aus der zweiten Mannschaft in der ProB für den Profi-Kader auf. Dafür wurde mit Bruno Vrcic vom FC Bayern München II ein Perspektivspieler in die Bankenmetropole gelotst. Große Veränderungen zeichnen sich auf den Importspots ab. Während Lamont Jones von Ludwigsburg nach Frankfurt wechselte, wo er zuletzt 12,5 Punkte pro Spiel auflegte, kommt Shaquille Hines vom Konkurrenten aus Braunschweig. Im Gegenzug entschloss sich Garai Zeeb nach vier Jahren für einen Tapetenwechsel und geht fortan für Braunschweig auf Korbjagd. Lange plante man am Main mit Niklas Kiel, bevor der 21-Jährige aufgrund mehrerer Gehirnerschütterungen vorerst vom Trainingsbetrieb aussetzte. Dafür wurde Center Adam Waleskowski (36 Jahre, vorher Ludwigsburg) unter Vertrag genommen.

Die Problemzonen:Die Mixtur aus alten Spielern, potenziellen Leistungsträgern, aufstrebenden Perspektivspielern und ganz jungen Akteuren erfordert Fingerspitzengefühl. Gleim muss nach seinen vielen Jahren als Jugend- und Zweitligatrainer erst unter Beweis stellen, dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Vielleicht mag auch das ein Grund gewesen sein, weshalb die Arbeitspapiere mit RTL-Bachelor Andrej Mangold aufgelöst wurden. Der 32-Jährige hatte nach seiner Verpflichtung im April für Stirnrunzeln gesorgt, tat sich der Pointguard doch überwiegend mit Medienkaspereien hervor. Kurz zuvor war mit Daniel Schmidt ein anderer Aufbauspieler als Backup für den ligaunerfahrenen US-Amerikaner Anthony Hickey bekanntgegeben worden.

Das Teampotenzial:Die krassen Gegensätze im Kader können zu einer gegenseitigen Befruchtung führen. Dann ist ein Ausreißer nach oben wie 2016, als Frankfurt als Dritter der Hauptrunde bis ins Halbfinale vorstieß, denkbar. Aufgrund der großen Heterogenität ist aber auch das Gegenteil möglich. Nachverpflichtungen und teaminterne Personalrochaden zwischen erster und zweiter Mannschaft waren in den letzten Jahren an der Tagesordnung.

Die Prognose:Am wahrscheinlichsten ist eine Saison im Tabellenmittelfeld. In den letzten drei Jahren war Frankfurt beständig zwischen Rang acht und zwölf beheimatet. Mag das auch nicht mit den ambitionierten Bauplänen harmonieren: Eine ähnliche Position im Abschlussklassement würde niemanden überraschen. Sebastian Kilsbach

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