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Die große Show im kleinen Staat

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Von: Alexander Wissgott

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Gegen Ende der Rallye-Saison zieht es bereits seit 16 Jahren Tausende Begeisterte und weit über 100 Rallyeteams nach San Marino in der Emilia Romagna – zur »Rallyelegend«.

Was auf private Initiative von Paolo Valli, dem Vorsitzenden des Automobilclubs von San Marino begonnen hat, ist mittlerweile zu einer internationalen und professionellen Rallye herangewachsen.

Die exklusiven Fahrzeuge, große Namen aus der Geschichte des Motorsports, selektive Wertungsprüfungen in malerischer Landschaft, Tausende euphorische Fans an den Strecken, ein ganz besonderes Ambiente mit den Fahrzeugen in der historischen Altstadt, vier Prüfungen bei Nacht, und nicht zuletzt die Teams, die mit spektakulärer Fahrweise eine grandiose Show abliefern, machen den Besuch zu einem eindrücklichen Erlebnis.

Diesem besonderen Reiz ist auch Michael Gerber aus Lich verfallen, und der Termin ist in seinem Kalender fest eingeplant. In diesem Jahr konnte der Ex-Rallye-Profi ein Jubiläum feiern. Bereits zum zehnten Mal rollte er über die Startrampe vor dem »Stadio Olimpico« in San Marino. In dem Rund des Fußballstadions reihen sich die Fahrzeuge vor dem Start auf der Laufbahn auf.

Der 55-jährige Gerber kann auf eine erfolgreiche Motorsportkarriere zurückblicken. Nach vielen nationalen Rallyes war er mit einem Lancia Delta Bester in Bad Homburg gestarteter Privatfahrer, bei der Rallye Monte Carlo 1989 und ein Jahr später als Mitsubishi-Werkspilot am Start. Er gewann die Gruppe-N-Wertung in der deutschen Meisterschaft und holte sich hier auch zweimal Platz zwei. Nach zehn Jahren mit sechs WM-Läufen, Starts in der Europameisterschaft und vier Saisons in der DM hängte er den Helm an den Nagel.

Doch wenn im Oktober Rallylegend ist, greift er wieder ins Lenkrad. Während der insgesamt 75 Bestzeitkilometer vertraut Gerber, wie in seiner aktiven Zeit, auf die Ansagen seines Beifahrers Peter Thul (Wolfsburg). Beim ersten Start fuhr er in einem Opel Manta B über den italienischen Schotter, bevor er sich 2010 mit einem spektakulären Auftritt in einem Audi Quattro S1 in die Herzen der Zuschauer fuhr. Hier gewann er als spektakulärster Pilot die sogenannte »Legendstar«-Wertung. Im letzten Jahr wechselte das Licher Team in einen Toyota Corolla WRC aus dem Jahre 1998.

Die Rallylegend hat in jedem Jahr ein besonderes Motto, für das dann passende Fahrzeuge und Piloten eingeladen werden. Zum diesjährigen Thema 50 Jahre Martini-Racing gab es ein Stelldichein von ehemaligen Weltmeistern wie Miki Biasion, Markku Alèn, Juha Kankkunen und auch aktuellen WM Piloten. Um der wohl bekanntesten Motorsport-Beklebung zu huldigen, prägten über 20 legendäre Fahrzeuge im Martini-Design das Bild während der drei Rallyetage. Auf dem »Legend« Rundkurs in der Nähe des Serviceparks gab es eine »Martini-Parade«. Hier verzückten die alten Hasen mit den damals so erfolgreichen Martini-Lancias die Fans.

Bei den gezeiteten Fahrzeugen war Citroën-Werkspilot Craig Breen im C4 Schnellster und entschied die WRC-Wertung klar für sich. Ex-Werkspilot Mikko Hirvonen (Ford) erreichte hinter Luca Pedersoli (Citroën) den dritten Platz.

Doch das Team Gerber/Thul zählt ebenfalls zu den absoluten Publikumslieblingen, und die etwa 60 000 Zuschauer an den Prüfungen sind fasziniert von der Fahrweise des deutschen Fahrers.

Passend zum diesjährigen Motto hatten sich Gerber und sein Team etwas Besonderes für das Auto ausgedacht – eine zweigeteilte Lackierung. Die rechte Seite war im Marlboro-Design beklebt, genauso, wie das Auto 1998 eingesetzt wurde. Die Fahrerseite strahlte in den blau-blau-roten Martini-Farben, verbunden mit einem Schriftzug als Huldigung an 50 Jahre Martini-Racing.

Auch im Servicepark präsentierte sich das Team eindrucksvoll, denn Michael Gerber war nicht alleine nach San Marino gekommen. Der Hungener Ronald Leschhorn, Freund und Wegbegleiter aus der aktiven Zeit, war ebenfalls am Start. Leschhorn ist Chef der Motorsportschmiede »Romo-Motorsport« und auch im Besitz eines Toyota Corolla WRC. Gemeinsam mit Beifahrer Stefan Schork (Grünberg) sorgte Leschhorn bei seinem Debüt in San Marino für einen starken mittelhessischen Auftritt. Auch er war von der Atmosphäre der Veranstaltung sehr angetan. Und wer einmal die Rallylegend live erlebt hat, kommt mit Sicherheit wieder.

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