Engagiert in der Auszeit: Gießens Interimstrainer Rolf Scholz (M.) schwört seine Truppe ein, doch am Ende verlieren die 46ers das Kellerduell gegen die Niners Chemnitz mit 83:95.	FOTO: FRIEDRICH
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Engagiert in der Auszeit: Gießens Interimstrainer Rolf Scholz (M.) schwört seine Truppe ein, doch am Ende verlieren die 46ers das Kellerduell gegen die Niners Chemnitz mit 83:95. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers

Große Ernüchterung bei den Gießen 46ers

  • Markus Konle
    VonMarkus Konle
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Der Trainerwechsel hat nicht den erhofften Effekt gebracht: Die Gießen 46ers verlieren beim Debüt von Rolf Scholz an der Seitenlinie auch das Kellerduell gegen die Niners Chemnitz mit 83:95.

Rolf Scholz hielt sich kurz die rechte Hand auf den Bauch. So, als ob er Schmerzen hätte. Bauchschmerzen dürften den neuen Trainer der Gießen 46ers am Freitagabend auch geplagt haben nach dieser bitteren und auch verdienten 83:95 (44:47)-Niederlage gegen die Niners Chemnitz, die ihren ersten Saisonerfolg feierten. Gießen bleibt nach dieser Pleite siegloser Letzter der Basketball-Bundesliga.

Wer auf eine positiven Effekt durch den Trainerwechsel unter der Woche gehofft hatte, sah sich bis auf einige wenige Hochs in der Begegnung getäuscht. Die 46ers präsentierten sich als völlig verunsicherte Truppe, die sich auf beiden Seiten des Feldes haarsträubende Fehler leistete und den Niners mit zunehmender Spielzeit das Selbstvertrauen gab, das man in solch wichtigen Spielen benötigt. Am Ende stand bei den Gästen eine überragende Trefferquote von 62 Prozent auf dem Scoutingbogen. »Das hat natürlich auch etwas mit der eigenen Verteidigung zu tun«, sprach Scholz die größte Schwäche der 46ers an diesem Abend an, die sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht und einer der Hauptgründe für die sieben Partien anhaltende Niederlagenserie in dieser Runde ist.

Auffällig zudem: Diejenigen, die die Mannschaft führen sollen, werden dieser Aufgabe nicht gerecht. Von Pointguard Jonathan Stark war nahezu nichts zu sehen, von Liam O’Reilly kam noch weniger, und auch Scottie James Jr. war kein Faktor. Einzig Gießens Bester, Alen Pjanic, und Bjarne Kraushaar gaben dem Team die Energie, die für den Abstiegskampf nötig ist. Und Scholz hat offenbar mehr Probleme, als er vorher geahnt hatte: »Wichtig ist, dass wir eine Gruppe werden«, sagte er bei MagentaSport nach dem Spielende - das sollte die Mannschaft eigentlich zu diesem Zeitpunkt der Saison längst sein.

Dabei waren die 46ers prima in die Partie gestartet, und Kapitän Brandon Thomas ging zunächst mit gutem Beispiel voran, ehe auch er gegen Ende mit Kopf-durch-die-Wand-Aktionen auffiel. Zwei Dreier von ihm und ein Nahdistanz-Treffer von James Jr. plus Bonus bedeuteten eine 9:2-Führung der Gießener. Doch dieser Vorsprung gab ihnen nicht die erhoffte Sicherheit. Chemnitz kämpfte sich ins Spiel und war trotz der 25:20-Führung der 46ers nach dem ersten Viertel in der Partie. Im zweiten Abschnitt fielen die Gießener endgültig in alte Muster zurück. Auch eine schnelle Auszeit von Scholz nach 49 Sekunden und ein 8:0-Lauf seiner Truppe konnte nicht verhindern, dass der Aufsteiger den Ton angab. Immer wieder konnten die Chemnitzer viel zu leicht zum Korb ziehen oder von weit außen einnetzen und sich so Selbstvertrauen holen. Durch Terrell Harris gingen sie mit 36:35 nach vorne (15.) und mit einer 45:42-Führung in die Pause.

Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit ließen sich die Niners die Kontrolle nicht entreißen. Isiaha Mike stellte per Dreier auf 53:46 für die Sachsen. Noch einmal flackerte Hoffnung auf, als Pjanic und Kraushaar im Alleingang mit einem 8:0-Lauf ihr Team auf 54:55 heranbrachten. Doch die Niners blieben am Drücker, initiierten wenig später einen 9:0-Run zur ersten zweistelligen Führung (69:57, 29.). Im Schlussabschnitt kamen die 46ers nicht mehr in Schlagdistanz, und spätestens als sich Thomas aus Frust ein unsportliches Foul leistete, das die Niners dankend zum 79:66-Vorsprung nutzten, war die Partie endgültig gelaufen. »Wir haben es nicht geschafft, Chemnitz im Eins-gegen-Eins zu stoppen. Das hat uns in vielen Belangen weh getan. Wir haben es außerdem nicht geschafft, deren Guards zu kontrollieren«, sagte Scholz nach dem 83:95 - eine Niederlage, die allen, die es mit den 46ers halten, auch in den nächsten Tagen noch Bauchschmerzen bereiten dürfte.

Gießen: Thomas (20), Pjanic (18), Bowman (17), Kraushaar (9), Stark (7), James Jr. (5), Richter (5), O’Reilly (2), Hamilton, Zylka.

Chemnitz: Mike (19), Harris (18), King (14), Thornton (11), Richter (10), Clark (8), Lawson (8), Wimberg (7), Figge.

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