Comedian Henni Nachtsheim. Foto: A. Mirsch
+
Comedian Henni Nachtsheim. Foto: A. Mirsch

Grabowski ist mein Maradona

  • vonred Redaktion
    schließen

Comedian Henni Nachtsheim und Redakteur Ronny Th. Herteux haben sich über Aktuelles aus der Fußballwelt unterhalten. Aber auch über die Zeit, in der Künstler nicht auf die Bühne dürfen.

Hallo Herr Nachtsheim, in den letzten Tagen sind wir alle Zeuge einer eindrucksvollen Metamorphose geworden. Von klein und moppelig zu groß und einzigartig. Dämmert es?

Ja, es dämmert. Wir reden von Maradona vor und nach seinem Tod. Hab ich schon verstanden.

War in den letzten Jahren von Maradona die Rede, wurde er meist mit Hohn und Spott ob seiner Körperfülle und seiner unsteten Lebensführung bedacht. Nun kommt es einem so vor, als wäre eine gottgleiche Person dahingeschieden ist. Wie ist das zu erklären?

Man spricht ja immer wieder gerne mal über das Zusammenspiel von Genie und Wahnsinn, gerade bei besonders kreativen Menschen. Auf Maradona dürfte das auch zugetroffen haben. Als er noch gelebt hat, haben sich viele vorzugsweise mit seinem Drogenkonsum und anderen Eskapaden wie z. B. dem Schießen mit einem Luftgewehr auf Journalisten vor seinem Haus beschäftigt. Nach seinem Tod aber hat man diese Akten wieder geschlossen, und stattdessen "Genie" in seinen Grabstein gemeißelt.

Alle, ob gefragt oder ungefragt, haben zum Tode Maradonas etwas beizutragen. Für Franz Beckenbauer war Maradona "ein Genie", das allerdings "sein Leben in den letzten Jahren offensichtlich nicht mehr im Griff hatte". Das dürfte der Wirklichkeit schon sehr nahe kommen, oder?

Ja, das ist eine ausgesprochen höflich formulierte Erklärung! Wobei der Kaiser bestimmt noch ein paar delikate Einzelheiten mehr kennt als wir.

Beckenbauer sagt auch, dass sie "das ganze Leben an ihm herumgezerrt haben. Das können wir uns in Deutschland gar nicht vorstellen". Er war für die Argentinier mehr als nur ein Fußballer, die Bilder von den trauernden Fans sprechen Bände. So etwas ist in Deutschland nicht vorstellbar. Warum eigentlich?

Weil wir Deutsche zwar auch gerne immer mal die Bewunderung für unsere Lieblinge pflegen, sie aber deswegen trotzdem nicht gleich zu Göttern ernennen. Das liegt uns Mittel-Europäern nicht so, und ich finde das gut!

Gibt es einen Fußballer, für den Sie ähnlich trauern würden wie jetzt die Argentinier für Maradona?

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich Jürgen Grabowski schon als Jugendlicher verehrt habe, und dass sich daran bis heute nichts geändert hat. Ich will mir aber keine Gedanken darüber machen, wie es sein wird, wenn er mal nicht mehr da ist, sondern freue mich, dass wir uns kennen und ich ab und zu mit ihm sprechen kann!

Eine Art von Metamorphose spielt sich auch im deutschen Fußball ab, wenngleich der Prozess eher sehr langsam vor sich hinköchelt. Bundestrainer Joachim Löw, einst von einer Mehrheit geachtet, haben inzwischen die meisten satt. Wie stehen Sie zum "Fall Löw"?

Ein schwieriges Thema, das zeigt, dass ein Begriff wie "Klimawandel" auch in sportlichen Bereichen immer wieder anzutreffen ist. Ich habe nichts gegen Jogi Löw, und wünsche ihm auch nichts Schlechtes. Es gibt allerdings im Fußball tatsächlich diesen Zeitpunkt, an dem Dinge nicht mehr so funktionieren. Das gilt für Spieler und eben auch Trainer. Und wenn man das erkennt, muss man die Größe haben und es beenden. Wäre er zurückgetreten, hätte man ihn vor allem mit seinem WM-Titel in Verbindung gebracht. Aber er bleibt, und wenn er bei der EM scheitert, wird man ihn lange als den Verantwortlichen dafür in Erinnerung behalten. Wobei es natürlich auch noch die Variante gibt, dass er die EM allem Gemotze zum Trotz gewinnt. Und das hätte natürlich auch was.

Sollte Löw doch noch seinen seinen Hut nehmen, wer käme für Sie als DFB-Bundestrainer infrage? Lothar Matthäus hatte kürzlich Armin Veh ins Gespräch gebracht. War das ernst gemeint, oder hatte Loddar was geraucht?

Lothar Matthäus hat meines Wissens nach noch nie Drogen gebraucht, um lustige Sachen zu erzählen. Wobei ich im Fall dieses Vorschlags vielleicht doch mal eine Blutprobe anordnen würde.

Apropos Loddar. Für viele war Maradona der beste Fußballer aller Zeiten. Gibt es überhaupt so etwas, wie den Besten aller Zeiten? Und sind Pele, Beckenbauer und Maradona überhaupt vergleichbar?

Wenn überhaupt, dann, indem man zum Können auf dem Platz auch das Verhalten neben dem Platz addiert. Weltstars wie die genannten haben ja immer auch eine Signalwirkung auf die, die sie bewundern. Und da sehe ich Pele in der Gesamtwertung auf 1!

Dann wenigstens zum Abschluss noch ein kleiner Schwenk zur Frankfurter Eintracht. Wer sind die drei größten Eintracht-Fußballer aller Zeiten?

Jürgen Grabowski, Anthony Yeboah und Lothar Schämer. Letzteren haben nicht alle auf dem Schirm, ich aber wohl! Schämer war von 1963 bis 1973 Abwehrspieler bei der Eintracht, der einfach immer alles abgeräumt hat, ohne dabei auch nur ansatzweise eine Miene zu verziehen. Ich erinnere mich, wie er mal beim Warmmachen vor dem Spiel gegen Hertha BSC aus ungefähr 40 Metern Bernd Hölzenbein mit einem Volleyschuss an dessen Kopf ausgeknockt hat. Er hat kurz abgewartet, ob Holz wieder aufsteht, und als das der Fall war, hat er sich umgedreht und weiter warmgemacht. Was übrigens die Wenigsten wissen: nach seiner Fußballer-Karriere hat er noch viele Jahre lang die Hauptrolle in den RoboCop-Filmen gespielt!

Eine persönliche Frage noch. Künstler dürfen ja zurzeit noch nicht wieder auf die Bühne. Wie überbrücken Sie diese Zeit?

Wir haben bei Badesalz recht früh beschlossen, irgendwas zu machen, mit dem wir unser Publikum trotzdem unterhalten können. Also haben wir einen eigenen Radio-Sender namens "Radio Badesalz" gegründet. Und jetzt senden wir immer donnerstags um 19 Uhr live aus unseren kleinen Kellerstudio. Und für die, die da keine Zeit haben, gibt es alle Folgen auch als Podcast auf allen gängigen Podcast-Portalen oder unserer eigenen Webseite. Mittlerweile haben wir schon rund 60 000 Abonnenten, und das freut uns natürlich wahnsinnig!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare