OB Grabe-Bolz schlägt zurück

(mö) Mit Empörung hat Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz auf das Vorgehen und den Auftritt des Managements der LTi Gießen 46ers bei der Pressekonferenz am Donnerstag reagiert.

"Es ist bequem, jemanden zu suchen, dem man den Schwarzen Peter zuschieben kann", kommentierte Grabe-Bolz die von Geschäftsführung und Gesellschafter aufrechterhaltene Behauptung, die 46ers seien von der Reduzierung der städtischen Ausfallbürgschaft zum 1. Januar 2013 um 60 000 Euro überrascht worden und hätten deshalb Insolvenz anmelden müssen. Als "völlig stillos" kritisierte die OB zudem, dass die klamme Stadt, die seit nunmehr sechs Jahren für die noch klammeren 46ers bürgt, vorab nicht über den Insolvenzantrag in Kenntnis gesetzt worden war. Grabe-Bolz: "Es ist unverfroren, einen Insolvenzantrag zu stellen, ohne vorher den Bürgen zu informieren."

Gleichwohl zeigte sich die Rathauschefin auch am Freitag gesprächsbereit und bestätigte gegenüber der AZ, dass für heute ein Treffen zwischen ihr und Insolvenzverwalter Tim Schneider sowie Gispo-Geschäftsführer Heiko Schelberg geplant ist. "Uns als Stadt geht es um den Erhalt des Bundesliga-Standorts, aber natürlich auch um die 180 000 Euro", sagte die OB und fügte hinzu: "Wir sind gesprächsbereit, aber wir lassen uns nicht erpressen.

" Wie Grabe-Bolz erläuterte, könne sie aber nur eine vermittelnde Rolle zwischen der Insolvenzverwaltung und dem Stadtparlament einnehmen, denn die Anträge auf Gewährung der Bürgschaft seien bislang aus rechtlichen Gründen immer von den Fraktionen gestellt worden.

Nachdem Insolvenzverwalter Schneider bei der Pressekonferenz aus einem Schreiben von Grabe-Bolz an Schelberg zitiert hatte, legte die SPD-Politikerin den Schriftverkehr zwischen ihr und dem Gispo-Geschäftsführer offen. Aus dem Schreiben Schelbergs vom 24. Oktober geht klar hervor, dass die Gispo bis zu diesem Zeitpunkt davon ausging, dass sich die Bürgschaft zum 1. Januar 2013 um 60 000 Euro reduziert. "Es ist von enormer Wichtigkeit, dass diese Bankbürgschaft nicht reduziert wird, denn nur so können wir unser Ziel erreichen, auch weiterhin unseren Weg der Konsolidierung zu gehen", schrieb Schelberg und bat an anderer Stelle um die Beibehaltung der "vollen Höhe der Bankbürgschaft als Sicherheit". Ferner bat Schelberg die OB, einen Antrag im Stadtparlament "für eine Nichtreduzierung der bestehenden Bankbürgschaft zu stellen".

Mit Schreiben vom 8. November lehnte Grabe-Bolz diesen Wunsch Schelbergs ab und verwies auf den Beschluss des Stadtparlaments vom Dezember 2010, mit der auch der Forderung des Regierungspräsidiums nach schrittweiser Rückführung der Bürgschaft Rechnung getragen worden sei. Dann gab die OB den Beschluss vom Dezember 2010 wieder, worin es heißt, dass die Bürgschaft in voller Höhe bis Ende 2012 gilt und danach in einem ersten Schritt "bis zum 30. Dezember 2013 auf 120 000 Euro" abgesenkt wird.

Nachdem Grabe-Bolz dem Gispo-Chef hinsichtlich der Nichtreduzierung der Bürgschaft eine Absage erteilt hatte, verstanden die 46ers den Bürgschaftsbeschluss plötzlich anders und ließen sich diese Sichtweise von Regierungspräsident Dr. Lars Witteck Mitte November bestätigen. "Nach zutreffender juristischer Auslegung" trete eine Reduzierung erst zum 30. 12. 2013 ein, zitierte Insolvenzverwalter Schneider am Donnerstag vor der Presse aus einem Schreiben des RP.

"VIP-Lounge-Connection"

Über dessen Eingreifen wiederum zeigte sich Grabe-Bolz "höchst irritiert", habe die Kommunalaufsicht den Bürgschaftsbeschluss des Stadtparlaments doch bereits vor eineinhalb Jahren ohne Änderungen oder Ergänzungen genehmigt. Grabe-Bolz: "Ich frage mich, in welcher Rolle Herr Witteck hier plötzlich wieder zum Akteur geworden ist? Hier war wohl die VIP-Lounge-Connection am Werk." Der Stadt habe Witteck seine Sicht der Dinge jedenfalls nicht übermittelt.

Rückendeckung erhielt die OB gestern vom Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Stadtparlament, Klaus-Dieter Grothe. Ihn regt besonders auf, dass Schelberg vor der Presse behauptet hatte, die Gispo hätte den Stadtpolitikern selbstverständlich Geschäftszahlen vorgelegt, "wenn der Wunsch da gewesen wäre". Tatsächlich habe er (Grothe) Schelberg am 1. Oktober in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses "persönlich gebeten, genauere Zahlen des Geschäftsbetriebs vorzulegen". Nach der Sitzung habe er Schelberg seine Visitenkarte gegeben und um Rückmeldung gebeten. Grothe am Freitag: "Er hat sich aber nie bei mir gemeldet. Seine Aussage ist also eine glatte Lüge und eine bodenlose Unverschämtheit gegenüber den Stadtverordneten.

Es tut mir leid um den Verein, dessen Spieler und Trainer sich sehr bemühen, aber die Performance des Managements ist nicht bundesligareif!"

"Auf sehr gutem Weg"

Das Protokoll der Ausschusssitzung, das der AZ vorliegt, bestätigt nicht nur Grothes Aussage, sondern zeigt, dass die 46ers gegenüber dem Ausschuss nicht mit offenen Karten gespielt haben, wozu sie gemäß Bürgschaftsvereinbarung aber verpflichtet gewesen wären. So antwortete Schelberg auf die Frage eines Magistratsmitglieds, wie hoch das Bürgschaftsrisiko sei, dass die Zahlungsfähigkeit "bis zum Saisonende" gesichert sei, andernfalls hätte die Liga den 46ers keine Lizenz erteilt. Die vorgesehene Reduzierung vermehre allerdings das Bürgschaftsrisiko. Insgesamt sei die Gesellschaft "durch die Maßnahmen der vergangenen Monate auf einem sehr guten Weg". Dann fragte Grothe, ob die Wirtschaftspläne und -abschlüsse der Gispo (Sportmarketing Gesellschaft Gießen mbH) eingesehen werden können. Zitat aus dem Protokoll: "Herr Schelberg bejaht dies für die Gispo."

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