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Verwaist - das Grün der 18. Bahn des Golf-Parks Winnerod. FOTO: PRIVAT

Betreten verboten

Golfsport im Ausnahmezustand

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Gähnende Leere auf den Golfanlagen in Winnerod und Lich. Die Corona-Krise hat auch den kompletten Golfsport in Deutschland lahmgelegt. Die Plätze sind bundesweit gesperrt.

Im März kommen die meisten Golfer so richtig in Schwung, im April stehen die ersten Turniere an, im Mai der Ligabetrieb. In Zeiten des Coronavirus ist aber alles anders. Seit dem 18. März dieses Jahres sind in Deutschland alle Golfplätze geschlossen - vorerst bis zum 19. April. Jegliches Betreten der Anlagen ist verboten sowie das Trainieren auf der Driving Range, das Unterrichten oder das Fitten. Nur die Greenkeeper dürfen auf den Platz - aber höchstens zu zweit. Bei Verletzung des Spielverbotes kann es zu hohen Geldstrafen kommen. Das alles hat erhebliche Auswirkungen auf Betreiber, Angestellte, Mitglieder, Gastronomen, Trainer und Verband.

Kim Tarek Kleczka hat für die Belegschaft Kurzarbeitergeld beantragt - für die Angestellten des Golf-Parks und des Restaurants in Winnerod. Der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft spricht davon, dass man sich schon Sorgen machen muss. "Die Existenz hängt auch schon ein bisschen mit dran", formuliert er eher vorsichtig.

Es sind laufende Kosten zu stemmen. Die täglichen Einnahmen über beispielsweise Greenfee, Cartvermietung, Restaurantbesuche oder die der Generierung neuer Mitglieder fallen weg. Zwar bilden die Mitgliedsbeiträge die finanzielle Basis des Golf-Parks, sie reichen aber nicht alleine, um bis Ende des Jahres über die Runden zu kommen. Um alle Kosten bis Mitte Juni zu decken, benötigt Kleczka aktuell eine Summe im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich. "Die steht uns aber nicht zur Verfügung."

Kleczka hofft auf Solidarität bei den Bestandskunden und bei denen, die monatlich ihren Beitrag leisten müssen, dass sie keine Regressansprüche stellen, falls sich die Schließung über das ganze Jahr hinziehen würde.

Jürgen Topp, der Präsident des GC Winnerod, der Verein ist der Nutzer der Golfanlage, hat bislang kein negatives Feedback der Mitglieder erhalten. Aktuell wird eine Aktion auf der Homepage gestartet, bei der Mitglieder des Klubs Gutscheine für das Restaurant, den Pro-Shop und für das Training der Golflehrer kaufen können. Auf diese Art und Weise können die Betroffenen Einnahmen generieren und die finanziell schwache Zeit überbrücken.

Topp ist guter Dinge, dass es zu einem verspäteten Saisonstart kommt. "Die internen Turniere, die wir geplant haben - wie zum Beispiel den Präsidentencup - werden wir zeitlich nach hinten verschieben", sagt der Präsident. Vorausgesetzt, das Spielverbot wird aufgehoben.

Auf einen baldigen Ligastart in der DGL hofft Jonas Wack. Der Topspieler des GC Winnerod ist in der vergangenen Saison mit dem ersten Herren-Team in die dritthöchste Golfliga aufgestiegen. Der mit einem minus 0,4 Handicap ausgestattete 21-Jährige würde sich wie die gesamte Mannschaft über den Wettkampf in der Regionalliga freuen. Er sieht es aber skeptisch, da zwei Auswärtspartien sowohl in Baden-Württemberg als auch in Nordrhein-Westfalen absolviert werden müssten - dort sind zurzeit die meisten Coronavirus-Infizierten zu verzeichnen. "Ich glaube, dass vor August dort nicht viel läuft - und dann wird das in dieser Saison wohl nichts mehr werden", sagt Wack. Vorgesehen war der Saisonbeginn in der Golf-Regionalliga Mitte am 17. Mai beim GC Rheintal.

Ähnlich sieht es Marco Danisch, neben Torsten Steinmüller und Golflehrer Nabil Whiteford verantwortlich für die sportlichen Belange der Winneröder Clubmannschaft. Er hegt leise Zweifel daran, dass in diesem Jahr ligentechnisch die Saison aufgenommen wird. Spätestens um Ostern herum soll der Kontakt zur DGL intensiviert werden. "Die Hessenliga sollte bereits Anfang Mai starten, Mitte des Monats die Regionalliga. Da bleibt nicht viel Zeit", erklärt Danisch und fügt an: "Wir haben unseren Jungs gesagt, dass sie sich fit halten sollen. Aber der größte Reiz eines Golfers ist, Bälle zu schlagen."

Dirk Reimann, der Präsident des Licher Golfclubs, ist bei seiner Prognose, wie sich die Corona-Pandemie auf seinen Klub auswirken wird, vorsichtig. Er macht es davon abhängig, wie lange die Zwangsschließung dauert. Die Absagen von den großen Turnieren im ersten Halbjahr wie das der Tour der Hoffnung treffe die Aktiengesellschaft schon in finanzieller Hinsicht. Von Vereinsseite aus wünscht er sich, dass man den Platz schnell wieder für das freie Spielen öffnen kann, wenn sich im Zusammenhang mit der Corona-Krise gewisse Maßnahmen lockern würden.

"Unsere Trainer Uwe Tappertzhofen und Thorsten Walter haben einen Trainingsplan ausgearbeitet", erklärt Reimann, welche Maßnahmen für die Ligenmannschaften ergriffen wurden. Jeder einzelne Spieler kann zu Hause die Anweisungen ausführen. "Wir wissen, dass einige in ihrem eigenen Garten ein Netz gespannt haben und dort Bälle klopfen", erzählt Reimann weiter.

Die Mitglieder des Licher Golfclubs werden zudem onlinemäßig in Regelkunde geschult. Gewinnspiele auf der Homepage sind ebenfalls vorgesehen, bei denen Proshop-Gutscheine als Preise vorgesehen sind. "Wir müssen unsere Mitglieder bei Laune halten. Und wir hoffen, dass wir bald wieder öffnen können und einen geregelten Spielbetrieb bekommen, was DGL oder Hessenliga anbelangt."

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