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Diese Trennung schmerzt: Göttingens Trainer Johan Roijakkers muss in der neuen Saison auf seinen überragenden Spielmacher Michael Stockton (r.) verzichten, der zu Cholet Basket nach Frankreich gewechselt ist.

Basketball-Bundesliga

In Göttingen bleibt kein Stein auf dem anderen

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Die BG Göttingen ist im Umbruch. Neun Spieler haben den Basketball-Bundesligisten verlassen - darunter der Denker und Lenker Michael Stockton. Die Niedersachsen sind eine Wundertüte.

Seit dem Wiederaufstieg 2014 hat die BG Göttingen die Saison in der Basketball- Bundesliga stets auf einem zweistelligen Tabellenplatz abgeschlossen. Einige Male - darunter im Vorjahr - musste lange um den Klassenerhalt gebangt werden. Auch in diesem Jahr erwartet die Fans eine Wundertüte.

Bangen müssen die Niedersachsen um Bennet Hundt, der bei einem Vorbereitungsturnier am Wochenende in Trier umknickte und der womöglich den Saisonstart verpassen könnte.

Die Lage:Göttingen hielt die Liga zuletzt mit elf Siegen. Drei davon konnten an den ersten Spieltagen eingeheimst werden, drei ganz am Ende. Über weite Strecken spielte die BG im Stile eines Absteigers. Gegen Gießen egalisierte man zu Hause wacker einen zweistelligen Rückstand, nur um am Ende doch den Kürzeren zu ziehen. Damals glaubte kaum einer an ein Happy End. Zu sehr war das Sieger-Gen abhandengekommen. Dass es am Ende trotzdem reichte, sorgte auch deshalb für Erleichterung, weil der Trainerstuhl in den mageren Wintermonaten gehörig wackelte. Während Johan Roijakkers bleiben durfte, blieb ansonsten kaum ein Stein auf dem anderen.

Das Team:Neun neue Spieler wurden verpflichtet, sieben verabschiedet. Am schwersten wog der Abgang von Michael Stockton, der seine Farben mit 16 Punkten und sieben Assists getragen hatte. "Er war das Gehirn der Mannschaft auf dem Parkett und meine rechte Hand", betont Roijakkers die Bedeutung des "Floor Generals". Nachfolger wird Kyan Anderson, der aus Bayreuth nach Niedersachsen wechselt. Ob er den Sohn von NBA-Legende John Stockton adäquat ersetzen kann, muss sich zeigen. In der Saisonvorbereitung wusste Anderson noch nicht zu glänzen. "Sein aktueller Fitnesszustand macht es sehr schwierig - er muss einfach Gas geben", erklärte Geschäftsführer Frank Meinertshagen mit Blick auf die Daumenverletzung des 27-Jährigen. Einen guten Eindruck in der Saisonvorbereitung legt Elias Lasisi an den Tag, der aus dem belgischen Oostende kommt. Dort aber wurde der Shootingguard bis zum 31. Dezember 2019 gesperrt und mit einer Geldstrafe belegt. In einem Ligaspiel Anfang April hatte er einen Schiedsrichter mit einem Stoß seines Oberkörpers slapstickartig zu Fall gebracht. Mit Kevin Bryant kam ein deutscher Guard aus Rostock. Roijakkers bescheinigt ihm die Möglichkeit, "ein guter Three-and-D-Spieler in der Liga zu werden".

Der Coach:Meinertshagen bat im März zum Gespräch. Nach der langen Zusammenarbeit - Roijakkers ist seit 2012 Coach der Göttinger und führte den Verein zurück in die BBL - galt es, interne Animositäten um sportliche Fragen zu erörtern. Sonst laufe man Gefahr, "dass man sich gegenseitig nicht kritisiert, weil man nett sein möchte. Wenn man die Wohlfühloase verlässt, kann das zu einer Weiterentwicklung führen", so der Manager. Er hielt am Niederländer - vorerst - fest.

Die Problemzonen:Zwar blieben mit Darius Carter und Mihajlo Andric zwei Stützen des Vorjahres. Die schnelle Integration der vielen neuen Spieler wird aber die größte Baustelle der BG sein. Das vergleichsweise leichte Auftaktprogramm kann dabei Fluch und Segen zugleich sein. Akteure wie Bennet Hundt und Marvin Omuvwie müssen trotz ihrer Jugend Leistung zeigen. Dies gilt in besonderer Weise für Hundt, der in Berlin nur wenig Bundesligaluft schnuppern konnte, bei seinem neuen Arbeitgeber aber hinter Anderson der einzige nominelle Pointguard ist. In der Saisonvorbereitung spielte er fantastischen Basketball, bis er am Wochenende in Trier bei einem Testspiel umknickte und mit schmerverzerrtem Gesicht ausgewechselt werden musste. Eine Diagnose liegt noch nicht vor.

Teampotenzial:"Gemessen an unserem Etat und dem Standort, haben wir gute Transfers gemacht", sagt Roijakkers. Höhenflüge hatten den Verein vor zehn Jahren zum Spitzenclub der BBL werden lassen. Nach dem Abstieg veränderte sich die Trägergesellschaft. In der ProA erging es der BG ähnlich wie Gießen. Zunächst etablierte man sich, schied in den Playoffs aber aus. Bereits im zweiten Jahr kehrte man dann unter anderem durch einen Halbfinalsieg über die 46ers in die BBL zurück. Seither werden in Göttingen kleinere Brötchen gebacken. Trotzdem ist die Sparkassen-Arena bei fast jedem Heimspiel voll. Die niedrige Erwartungshaltung des Umfelds ist ein Vorteil, mit dem sich wuchern lässt. Auch die Stimmung gehört zu den besseren der Liga.

Die Prognose:Roijakkers hat durch die Neuverpflichtungen für frischen Wind gesorgt. Etabliert er früh eine stabile Teamhierarchie, wird Göttingen erneut im Tabellenmittelfeld zu verorten sein. Je nachdem, wie gut die BBL-Neulinge einschlagen, ist dann entweder etwas mehr oder etwas weniger drin.

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