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Jens Dapper HSG Pohlheim

Handball

Gislason: Eine kluge Wahl

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Alfred Gislason ersetzt Christian Prokop als Bundestrainer. Diese Personalie hat auch in unserer Handball-Region für Diskussionen gesorgt. Die Trainer-Kollegen haben unterschiedliche Auffassungen.

Trotz aller EM-Treueschwüre hat sich der Deutsche Handball-Bund vergangenen Freitag von Bundestrainer Christian Prokop getrennt und mit "Welttrainer" Alfred Gislason gleich einen Nachfolger präsentiert. Die Redaktion hat sich am vergangenen Punktspiel-Wochenende unter den heimischen Trainer-Kollegen umgehört und deren Meinungen zu dieser Personalie eingefangen:

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar):"Da zitiere ich Karl Valentin: Es ist schon alles gesagt worden, nur nicht von jedem. Meiner Meinung nach muss jetzt nicht jeder seinen Senf dazu geben. Ich möchte dazu eigentlich nichts sagen, aus einem einfachen Grund: Alles, was man jetzt positiv über einen neuen Trainer sagt, kann auch wieder negativ ausgelegt werden gegenüber dem alten, was bei mir nicht der Fall ist. Ich kann dazu nur allgemein sagen, dass man sich als Handballer fremdschämt. Mehr nicht."

Axel Spandau (Oberliga-Trainer HSG Wettenberg):"Ich habe sofort gesagt als Alfred frei war: Das müsste unser neuer Bundestrainer werden. Prokop ist ein hervorragender Trainer, aber ich finde, er ist kein Nationaltrainer. Dieser Meinung war ich von Anfang an. Alfred ist jetzt auch in dem Alter, um zu sagen: Okay, ich mache das und werde Nationaltrainer. Ich glaube, er kann eine gute Ära einläuten. Prokop ist ein guter Vereinstrainer, das hat er in Leipzig gezeigt. Er kann mit jungen Spielern stetig etwas entwickeln. Die Art und Weise, wie es abgelaufen ist, war fatal. Das einzige, was ich dem DHB zugute halten muss ist, man die Fehler eingesteht und sagt: Das war scheiße, menschlich schlecht. Aber wenn man so eine Gelegenheit hat wie mit Alfred Gislason, soll man sie wahrnehmen."

Jens Dapper (Oberliga-Trainer HSG Pohlheim):Der neue Bundestrainer ist eine kluge Wahl. Er ist einer, der dem Deutschen Handball-Bund ein Gesicht geben wird. Der nach außen, aber auch innen zur Mannschaft Struktur geben wird, die helfen wird, den eingeschlagenen Weg der Professionalisierung des DHB tatsächlich weiterzutragen. Es ist der Vorteil von Gislason, dass er beides verkörpert, was Prokop nicht gemacht hat. Prokop war in seinen Ausführungen sehr prozesslastig. Es wird auch ein wichtiger nächster Schritt für die Mannschaft sein, die sich durchaus gut entwickelt hat. Was sehr unschön war, ist die Art und Weise, wie das vonstatten gegangen ist. Ich bin ja selber Trainer, da finde ich es schwierig, dass so ein Weg gegangen wird. Natürlich ist man sich als Trainer immer bewusst, dass diese Situationen eintreten können. Aber man baut ein Vertrauensverhältnis zu Funktionären auf und da ist es bedenklich, wie das letztendlich vonstatten gegangen ist. Da müssen sich einige beim DHB hinterfragen. Das war von den Funktionären wahrlich keine Glanzleistung."

Claus Well (Landesliga-Trainer TSF Heuchelheim):"Der Zeitpunkt der Entlassung ist unverständlich. Allerdings verstehe ich, dass der DHB unbedingt Gislason haben wollte. Beides führte dann wohl zur Entscheidung pro Gislason. Für den deutschen Handball ist das eine Bereicherung, da Gislason einer der erfolgreichsten Trainer der Welt ist."

Eike Schuchmann (Landesliga-Trainer HSG Lumdatal):"Die Entlassung Prokops kommt durchaus überraschend. Insbesondere nach den Aussagen der Verantwortlichen beim DHB während und nach dem Turnier war damit zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu rechnen. Auch aus sportlicher Sicht ist der Zeitpunkt fragwürdig, denn gemessen an den zur Verfügung stehenden personellen Mitteln war auch nicht viel mehr drin als Platz fünf. Nichtsdestotrotz glaube ich schon, dass man mit Alfred Gislason einen exzellenten Nachfolger gefunden hat." FOTOS: RAS

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