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Henry Mohr

Fußball

Gießens Kreisfußballwart Henry Mohr plädiert für Saisonabbruch und Annullierung

  • Michael Schüssler
    VonMichael Schüssler
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Auf den Faktor Zeit setzt Dr. Stefan Reuß, der Chef des Hessischen Fußball-Verbandes. Nun wird aller Voraussicht nach am 27. März die Entscheidung fallen, ob noch mal gespielt werden kann.

Ob die Saison 2020/2021 für die Fußball-Amateure nochmals eine Fortsetzung erfährt, scheint unwahrscheinlich. Zur Erinnerung: Ende Oktober 2020 wurde ein Teil-Lockdown verhängt, ehe Mitte Dezember der komplette Lockdown folgte. Der Amateurfußball in Hessen zwangspausiert seit Anfang November. Nun gibt es zwar seit dem 8. März ein paar Lockerungen, doch die Fußballer sind noch weit weg von einem normalen Trainingsbetrieb - von der Aufnahme des Spielbetriebs ganz zu schweigen. Für Gießens Kreisfußballwart Henry Mohr, Kreiskollegen sowie Regionalbeauftragten, darunter Jörg Wolf, zuständig für die Region Gießen/Marburg, ergibt die Summe daraus nur eines - man sollte die Spielzeit abbrechen - ohne Wertung!

Vor dem 22. März ist ein regulärer Trainingsbetrieb für die Senioren nicht machbar. Es spricht sogar mehr dafür, dass dieser erst eine Woche stattfinden könnte. Das wiederum bedeutet, dass - eine vierwöchige Vorbereitung vorausgesetzt - man nicht vor dem ersten Mai-Wochenende den Punktspielbetrieb starten könnte. Saisonende wäre dann am 13. Juni - gleichbedeutend damit, dass in Hessen zumindest die Vorrunde absolviert worden wäre. Aber das ist alles nur möglich, wenn es die Pandemie-Lage zulässt.

»Das Spieljahr soll spätestens am 13. Juni beendet werden. Paragraf 7 der DFB-Spielordnung lässt eine Verlängerung der Saison oder Verschmelzung von zwei Spieljahren derzeit nicht zu. Eine Grundlage für eine Saisonverlängerung gibt es demzufolge nicht«, verweist Mohr auf die Regularien. Die Zeit wird somit immer knapper.

Der HFV setzt noch auf den Faktor Zeit, doch Mohr sagt: »Immer noch in der Planung ist, eventuell die Hinrunde zu Ende zu spielen und zur Wertung des Spieljahres heranzuziehen. Da sollte der Beginn aber noch im April liegen. Sollte es wider Erwarten noch klappen, die Hinrunde zu Ende zu spielen, muss aber über einen gegebenenfalls modifizierten Abstieg zeitnah beraten werden. Es kann nicht sein, dass nach einer mehr oder weniger verkorksten Vorrunde bis zu sieben Mannschaften aus einer Liga absteigen müssen. Dann muss der Quotient angewendet werden. Außerdem ist ein vermehrter Abstieg nach einer Hinrunde schwer vertretbar. »Für die Hessenliga müsste aufgrund der ausgespielten Regionalliga eine Sonderlösung gefunden werden.«

Und da taucht schon das nächste Problem auf: »Es gibt in Hessen 44 Ligen, die spätestens am 18. April beginnen müssen, um die Hinrunde zu spielen. In unserer Region betrifft es die Verbandsliga Mitte und die Gruppenliga Gießen/Marburg. Auch die Hessenliga ist nach dem 18. April kaum noch zu schaffen«, so Mohr.

Davon betroffen ist beispielsweise der FC Ederbergland (Gruppenliga), der in der 19er-Liga gerade acht Spiele absolviert hat. Der FCE müsste noch zehn Spiele bestreiten, um die Hinrunde zu beenden. In der Verbandsliga Mitte - 20er-Liga - hat Schlusslicht FC Gießen II zehn Partien bestritten, für ihn stehen also in der Vorrunde noch neun Spiele an. Beginnt man im Mai, dann wird es mehr als nur eng. Da hilft es auch nicht, dass vielleicht im Fußballkreis Gießen oder anderen Kreisen beispielsweise A-Ligen ihre Hinrunde beenden. Auch das hätte dann keinen sportlichen Wert, wenn für andere Ligen die Beendigung der Vorrunde nicht möglich ist.

Henry Mohr hat dazu eine klare Meinung: »Die Saison 2020/21 sollte man abbrechen und annullieren. Warum? Weil auch in den nächsten Monaten kein durchgehender Regelspielbetrieb möglich sein wird. Ich habe mir viele Meinungen eingeholt und plädiere dafür, die Saison zu annullieren, sich zurückzulehnen und pünktlich und wohl relativ sicher im Juli/August mit der Saison 2021/22 zu beginnen. Die neue Saison sollte dann in der gleichen Konstellation wie zu Beginn der Saison 20/21 durchgeführt werden. Vereine die nicht mehr in ihrer Liga weiterspielen wollen, werden in untere Ligen eingeteilt. Das wäre doch der richtige Weg.« Ob Mohr und seine Mitstreiter sich damit durchsetzen werden, wird der 27. März zeigen. Dann tagt der HFV-Vorstand virtuell.

Für die neue Saison haben sich Mohr und Co. auch Gedanken gemacht, sofern es die Pandemie nicht zulassen sollte, den normalen Punktspielbetrieb durchführen zu können. Legt man zum Beispiel den Rundenbeginn auf den 17./18 Juli mit Pokalspielen, dann hätte man bis zum 4./5. Dezember 20 Wochenenden und könnte eine Einfachrunde in allen Ligen durchführen. Pokalspiele könnten in der Woche stattfinden. Eventuell auch noch zwei oder drei Wochenspieltage, um Schlechtwetterzeiten im November und Dezember zu umgehen. Nach der Winterpause würde dann die Aufteilung der Spielklassen anhand der Tabellen in eine Aufstiegs- und Abstiegsrunde erfolgen. Die könnten dann ab dem 27. Februar 2022 mit Hin- und Rückrunde gespielt werden. Bedeutet: Alle Teams tragen zunächst alle Vorrundenspiele aus, dann werden die Ligen in zwei Hälften unterteilt. Die jeweils zehn (neun oder acht) Erstplatzierten spielen um die Meisterschaft, die danach Platzierten gegen den Abstieg. Bis dahin erzielte Punkte und Tore werden mitgenommen. Sollte es pandemiebedingt weiterhin Probleme geben, können die Auf- und Abstiegsrunden auch in einer einfachen Runde gespielt werden.

»Im Spielgeschehen sollte festgelegt werden: Auf- und Abstieg nach den Auf- und Abstiegsrunden. Sollte eine Durchführung nicht möglich sein, wird die Einfachrunde, die im Juli begonnen hat, zu Ende gespielt. Dann sollte die Anzahl der Absteiger verändert werden«, so Mohr. FOTO: FRO

Ob die Saison in Hessen fortgesetzt wird, entscheidet sich erst am 27. März. SYMBOLFOTO: IMAGO

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