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Starker Bundesliga-Auftakt für die Radsportlerinnen der RSG Gießen Biehler.

Gießener Triumph zum Bundesliga-Auftakt

  • VonStephan Dietel
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(die). Die RSG Gießen Biehler ist erfolgreich in die Rad-Bundesliga gestartet: Zwei Fahrerinnen auf dem Treppchen, mit einer dritten in den Top-ten, das Führungstrikot und die Tages-Mannschaftswertung geholt. Doch ein Sturz überschattete das Rennen und sorgte für bange Stunden.

Helena Bieber von der RSG Gießen stand beim Auftakt der Rad-Bundesliga im bayerischen Karbach ganz oben auf dem Treppchen. Sie hatte sich im Rahmen der 33. Main-Spessart-Rundfahrt nach 86,5 Kilometern im Sprint gegen Corinna Lechner vom Team Stuttgart durchgesetzt. Dritte wurde Biebers Teamkollegin Katharina Fox.

Dem Auftakterfolg vorausgegangen war ein Rennen, das zunächst ganz nach Plan der RSG Gießen Biehler verlaufen war. Um 9:05 Uhr waren die Vorjahressiegerinnen mit dem Feld der Frauen-Konkurrenz auf den 17,3 Kilometer langen Rundkurs gegangenen, der fünfmal zu fahren war. Unterwegs wurden drei Berg- und drei Sprintwertungen abgenommen. Mit zwei Minuten Vorgabe fuhren die Juniorinnen vor den Frauen.

Doch der Vorsprung war schon in der zweiten Runde wieder eingeholt. »Wir haben Lydia Ventker, Helena Bieber und Katharina Fox dabei aus der Tempoarbeit rausgehalten, denn auf sie haben wir für eine Ausreißergruppe gesetzt«, schilderte der Sportliche Leiter Christian Müller einen Teil der Taktik für das erste Straßenrennen der neuen Bundesliga-Saison.

Dieser Plan ging perfekt auf, denn mit dem Zusammenschluss des Feldes der Juniorinnen und der Frauen bildete sich prompt eine neue Fluchtgruppe aus rund 20 Fahrerinnen - darunter Ventker, Bieber und Fox. Die Ausreißerinnen begannen, ihren Vorsprung rasch auszubauen. Doch ausgerechnet an der schnellsten Stelle des Rundkurses kam es in der dritten von fünf Runden zu einem Sturz in der Ausreißergruppe, bei dem etliche Fahrerinnen zu Boden gingen und ärztlich versorgt werden mussten.

Am schlimmsten erwischt hatte es Lydia Ventker von den RSG Gießen, die mit einem Hubschrauber in die Frankfurter Unfallklinik geflogen werden musste. Um die Verletzen versorgen zu können, wurde das Rennen nach der Durchfahrt der Verfolgergruppe unterbrochen. Nach rund 40 Minuten wurde das Rennen neu gestartet - mit nach dem Sturz noch acht Fahrerinnen an der Spitze und einigen Verfolgerinnen rund 1:50 Minuten dahinter.

An Position eins und zwei durch die letzte Schikane auf die Zielgerade zu gehen, hatte Christian Müller seinen Fahrerinnen schon vor dem Rennen geraten. Mit einem guten Sprint sei dann das Treppchen drin. Da sicher schien, dass die acht Fahrerinnen das Rennen unter sich ausmachen würden, setzten Bieber und Fox umso mehr auf diese Taktik. Mit Fox als Anfahrerin eröffnete Bieber den Sprint und zog voll durch, sodass Corinna Lechner vom Team Stuttgart nur Platz zwei blieb. Katharina Fox fuhr knapp dahinter auf den achtbaren dritten Platz bei ihrer Premiere in der Rad-Bundesliga und ihrem erst dritten Straßenradrennen überhaupt. Von ihren Leistungsdaten im Training wusste Müller, dass Fox in der Rad-Bundesliga gut fahren sollte. Dass es direkt so weit vorne sein würde, überraschte auch ihn etwas. Den Sprint der Verfolgerinnen, die 2:16 Minuten Rückstand hatten, gewann Bianca Bernhard und machte damit das Trio der RSG Gießen in den Topten als Neunte komplett.

»Lydia oder Helena sollten heute gewinnen. Das hat geklappt, nur etwas anders, als wir gedacht haben«, sagte Sebastian Ventker, der zweite Sportliche Leiter der RSG. Sichtlich verhalten fiel die Freude bei der Siegerehrung für Platz eins und drei in der Tages-Einzelwertung und den Sieg in der Mannschaftwertung dennoch aus. Denn noch immer war nicht klar, wie es um den Gesundheitszustand von Teamkollegin Lydia Ventker stand. Am Nachmittag konnte dann zumindest leichte Entwarnung gegeben werden: Ventker hatte sich keine Knochenbrüche zugezogen, wohl aber eine schwere Gehirnerschütterung, Nieren- und Rippenprellung. Großes Glück im Unglück also, denn an dieser Stelle der Strecke war Ventker mit rund 70 km/h unterwegs, wie die Auswertung ihr Fahrdaten zeigte. So konnten auch ihre Teamkolleginnen nach einem aufreibenden Auftakt in der Rad-Bundesliga ein wenig aufatmen und sich wenigstens etwas über den sportlichen Erfolg der Mannschaft freuen.

Froh darüber, gut angekommen zu sein, war auch Julia Schallau aus Allendorf/Lahn. Sie ist für das »Team Rose Beastmode« als Einzelstarterin in der Frauen-Bundesliga unterwegs und hat in dieser Saison vor allem Online-Wettbewerbe mit dem Rennrad bestritten. Auf Platz 32 wurde Schallau bei ihrer Outdoor-Premiere in Karbach im Ziel gelistet. Damit habe sie ihr Ziel erreicht, heil anzukommen und gesund zu bleiben für die Premium League auf der Online-Plattform Zwift. Es sei aber ein »für den Kopf hartes Rennen gewesen«, berichtet sie, denn die Stürze hätten die Stimmung sehr gedrückt. Deshalb hätte sie am Ende nichts riskiert und nicht gesprintet, gab Schallau neben einem Dank an ihren Trainer und Teamchef Sebastian Wolf zu Protokoll.

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