Endlich wieder Spiele leiten, Fahne heben, pfeifen: Die heimischen Schiedsrichter freuen sich auf den Saisonstart auf Gießens Fußballplätzen. FOTO: FRO
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Endlich wieder Spiele leiten, Fahne heben, pfeifen: Die heimischen Schiedsrichter freuen sich auf den Saisonstart auf Gießens Fußballplätzen. FOTO: FRO

Schiedsrichter

Wie die Gießener Schiedsrichter zum Saisonstart stehen

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Andreas Reuter, Kreisschiedsrichter-Obmann in Gießen, erklärt, dass die heimischen Schiedsrichter mit Bedenken, aber auch Vorfreude auf den Start im heimischen Fußball blicken.

Am Tag, an dem die hessische Landesregierung mit den neusten Lockerungen den Weg frei machte für die neue Fußball-Saison, erreichen wir Andreas Reuter am Telefon.

Der in Annerod lebende Kreisschiedsrichterobmann erklärt, wie seine Kollegen mit der langen Zwansgpause umgegangen sind, wie wichtig die Gemeinschaft unter Referees ist und weshalb er sich auf den Saisonstart freut.

Herr Reuter, wie haben Sie als Kreisschiedsrichterobmann auf die jüngsten Lockerungen für den heutigen 1. August reagiert, die den Weg für die neue Fußballsaison ebnen?

Wir Schiedsrichter sind froh, dass der Weg für den Fußball jetzt auch in Hessen frei ist. In den meisten anderen Bundesländern war das ja bereits der Fall. Von daher heißt es für uns zum Glück bald wieder: Ab in die Schiedsrichterklamotten, die Pfeife nehmen und ab geht’s. Wir haben das alle vermisst. Nichtsdestotrotz sollten wir nicht vergessen, dass gewisse Hygieneregeln eingehalten werden müssen. Bei aller Euphorie haben wir Schiedsrichter auch ein wachsames Auge.

Wie meinen Sie das?

Für uns als Schiedsrichter stellen sich natürlich noch einige Fragen: Müssen wir bei der Platzkontrolle einen Mundschutz tragen, wie sieht es mit den Kabinen und Duschen aus? Man hat noch leichte Bedenken, grundsätzlich aber freuen wir Schiedsrichter uns auf den Stichtag.

Für die Kontrolle der Einhaltung der Hygieneregeln ist das jeweilige Ordnungsamt verantwortlich. Sie gehen nicht davon aus, dass unter den besonderen Umständen auch besondere Aufgaben auf die Schiedsrichter zukommen?

Das ist schwer zu beantworten. Ich glaube nicht, dass ein Schiedsrichter im Protokoll vermerken wird, dass Person XY keinen Mindestabstand eingehalten hat. So etwas wäre auch kaum leistbar.

Wie sieht es mit den jährlich zu absolvierenden Kreisleistungsprüfungen der Schiedsrichter aus?

Am Sonntag trifft sich der Vorstand der Schiedsrichtervereinigung, bespricht unter anderem, wann und wie diese nötigen jährlich zu absolvierenden Regel- und Lauftests vor dem Start der Pflichtspielsaison durchgeführt werden können. Mit welcher Gruppengröße gehen wir das an, wie lassen wir die Tests schreiben? Das sind Fragen, die wir klären müssen. Da werden wir sicher den einen oder anderen Termin mehr anbieten als in den Vorjahren, um die Hygienevorschriften einzuhalten. Wir haben für die Durchführung einen Monat Zeit. Die allermeisten der 190 Gießener Schiedsrichter werden diese Prüfung vor Saisonstart absolvieren.

Mit welchen Herausforderungen wurden die heimischen Schiedsrichter durch die coronabedingte Zwangspause besonders konfrontiert?

Wir hatten unter anderem das große Problem, dass wir im Gießener Raum im Februar einen Neulingslehrgang mit 20 Schiedsrichtern abgeschlossen hatten und dann Corona kam. Bevor sie ihr erstes Spiel leiten durften, wurde alles abgesagt. Das war ein worst-case-Szenario. Da galt: Unterstützen, Informationen liefern, gemeinsam Lehrvideos ansehen.

Wie wurde der Kontakt gehalten?

Die Gemeinschaft spielt unter Schiedsrichtern ohnehin eine sehr große Rolle. Viele von uns sind privat miteinander befreundet. Alleine deshalb war es eine schwere Zeit. Wir haben unter anderem einen Online-Lehrabend durchgeführt, unsere älteren Schiedsrichter per Brief kontaktiert oder angerufen. Wir haben ständig alle Schiedsrichter per Mail informiert, haben zudem Gruppen für Videokonferenzen gebildet: Eine für Neulinge, eine für höherklassige Schiedsrichter usw.

Besteht bzw. bestand die Gefahr, bei der Regelkunde als Referee "einzurosten"?

Klar, wenn man die Regeln auf dem Rasen nicht umsetzen kann, sollte man das eine oder andere Mal mehr einen Test absolvieren oder ins Lehrbuch schauen. Vom Verband gab es einen sich aktualisierenden Basis-Regeltest im Netz. Da wurden ständig neue Fragen eingespielt, auch Lehrvideos wurden inkludiert. Das war eine feine Sache vom Verband.

Gab es darüber hinaus Aktionen für die heimischen Schiedsrichter?

Wir haben in der Gießener Vereinigung seit April eine Sport-Challenge über verschiedene Apps wie runtastic ins Leben gerufen - sie lief rund drei Monate. Die Schiedsrichter konnten dort ihre Lauf- oder Fahrradleistungen aufzeichnen und uns zukommen lassen - wir haben drei Alterskategorien festgelegt, die Resonanz war sehr gut. Rund 45 Gießener Schiedsrichter haben sich beteiligt, vor einer Woche haben wir die Aktion beendet. Wir haben einen Sponsor gefunden, die Besten bekommen ein Präsent, das sich sehen lassen kann. FOTO: PV

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