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Der Gießener Achter um Steuerfrau Marina Warnke (l.) und Schlagmann Johannes Birkhan (2. v. l.) ist beim Sprint-Cup über 350 Meter als Erster im Ziel. Der Einspruch des Zweitplatzierten wird später zurückgewiesen.

Pfingstregatta

Gießener Boote dominieren

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Die Pfingstregatta ist seit 107 Jahren eine Konstante des Gießener Sports. Beim dreitägigen Event dominieren einmal mehr die heimischen Boote. Der Veranstalter freut sich über einen Melderekord.

Am Ende der Pfingstregatta schwammen sie alle in der Lahn: Steuerfrau Lara Bot, die zuvor von ihrer Besatzung nach guter Tradition ins Wasser geworfen worden war, Schlagmann Johannes Birkhan, Weltmeister Sven Keßler und Co. Das heimische Großboot, offiziell eine Renngemeinschaft der beiden Gießener Klubs GRG und Hassia sowie der Frankfurter RG Germania, holte sich beim dreitägigen Event mal wieder alle wichtigen Preise (siehe Ergebnisse rechts). Dabei kam es im Rahmen des Sprint-Cups für Achter am Sonntag sogar zu einem Erfolg, der erst noch dem Einspruch eines gegnerischen Teams Stand halten musste.

"Kurz nach dem Start gab es mehrfach Blattberührungen. Alle drei Boote sind ineinander gefahren", erklärt Regattaleiter Norbert Bach. Die Renngemeinschaft aus Limburg und Wetzlar sah sich im Nachteil, weil sie auf Bahn zwei von beiden Seiten bedrängt wurde. "Nach dem Rennen legte die Mannschaft vorläufig Einspruch ein und begründete diesen dann auch schriftlich. Der Schiedsrichter hatte das Geschehen im Nachhinein also noch mal zu bewerten und blieb bei seiner Entscheidung, die Blattberührungen als normales Renngeschehen zu beurteilen", sagt Bach. Der Pokal für Platz eins blieb also in Gießen.

Und auch sonst gingen die Hauptpreise fast alle an heimische Ruderer. Christopher Nübel brachte es auf den Punkt. Der GRG-Sportler, der nicht nur zum erfolgreichen Doppelvierer-Team im Sprint-Cup gehörte, sondern am Montag auf dem Bootshaussteg auch Siegerehrungen und -interviews durchführte, witzelte: "›Achter, Vierer, Einser - alles für die Mainzer‹ gilt nicht mehr. Es müsste heißen: ›für Gießen.‹ Reimt sich aber leider nicht." Tatsächlich holte sich die GRG auch im Riemen-Vierer über 350 m (Seibert-Preis) schon den Pokal und war am Sonntag in der gleichen Bootsklasse über die 1000-m-Distanz (Preis der Stadt Gießen) erfolgreich.

In der Einer-Konkurrenz war überhaupt kein Kraut gewachsen gegen die Gastgeber. Bei den Frauen (Liebig-Preis) setzte sich Norma Diel (GRG) gegen sechs Mitstreiterinnen durch. Bei den Männern gewann Vereinskollege Birkhan den Lahn-Pokal über 1000 m, und Hassia-Ass Marc Weber schoss über die kurze Strecke nach 1:10 Minuten als klarer Poppe-Preis-Sieger ins Ziel. Der U23-Vize-Weltmeister von 2018 kam direkt vom Nationalteam, das sich in Ratzeburg aufhielt, nach Gießen. "In unserer internen deutschen Rangliste stehe ich auf Platz eins. Die ersten acht fahren zur WM", ließ Weber die Zuschauer am Mikro wissen. Gute Chancen also für den Jahreshöhepunkt, der Ende Juli in den USA steigt.

Birkhan schnappte sich indes mit Michael Wieler auch noch den Opel-Preis im Doppelzweier. Er saß bei den Hauptrennen insgesamt sieben Mal im Siegerboot. Am Schlag über die 350 m durfte im Zweier aber Wieler ran. "Über die Sprintdistanz gibt es kaum eine Taktik. Da zieht man voll durch. Die Schlagzahl liegt bei etwa 50 Schlägen pro Minute."

Mit diesen hohen Frequenzen ist Sven Keßler nur allzu gut vertraut, gewann der ehemalige Leistungsruderer doch 2014 die Weltmeisterschaft im nicht olympischen Leichtgewichts-Achter. Nun ist er als Neuzugang des Gießener Bundesliga-Boots zurück an alter Wirkungsstätte. Erst am Donnerstag hatte das heimische Team zur Präsentation gebeten - vier Wochen nach dem ersten Renntag in Duisburg. Mit Johannes Brück verstärkt ein weiterer ehemaliger Leistungsruderer die Gießener in den Sprintrennen der deutschen Bundesliga. Stanislaw Gantschar und Jannik Reiting kamen ebenfalls neu dazu. Zur Pfingstregatta konnte das Gießener Flaggschiff in Bestbesetzung starten, verkündete Trainer Rainer Koppmann. Und das merkte man auch. Weiter geht’s in der Bundesliga am 13. Juli in Minden.

Ob die Regatta am Wasserstraßenkreuz eine ähnliche Zahl an Besuchern anlockt wie die Traditionsveranstaltung an der Lahn, wird sich dann zeigen. Über Pfingsten nutzten auf jeden Fall wieder viele Interessierte die Gelegenheit, Rudern aus nächster Nähe zu verfolgen. Im Zielbereich, bei den Bootshäusern von GRG und Hassia, tummelten sich die meisten Zuschauer. Der Biergarten der Gastronomie des Ski- und Kanu-Clubs bot im Mittelbereich der Strecke beste Beobachtungsmöglichkeiten. Allseits beliebt bei Passanten ist und bleibt der Christoph-Rübsamen-Steg. Wer den Start der Rennen verfolgen wollte, war beim Marineverein am besten aufgehoben.

Da auch das Wetter mitspielte und der angekündigte Regen am Montag nicht einsetzte, konnte es für den veranstaltenden Regatta-Verein nur ein positives Fazit geben. Bei 1300 Meldungen waren 2400 Rollsitze besetzt. Und dennoch ging das finale Rennen um den Hessen-Preis pünktlich um 15.37 Uhr über die Bühne.

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