Höhenflug: Der FC Gießen hat, wie hier zuletzt in Ulm, derzeit viel Grund zum Jubeln. 	FOTO: EIBNER
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Höhenflug: Der FC Gießen hat, wie hier zuletzt in Ulm, derzeit viel Grund zum Jubeln. FOTO: EIBNER

FC Gießen

FC Gießen: Trotz Gehaltsverzicht erfolgreich

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Die Mannschaft des FC Gießen verzichtet seit Januar auf 15 Prozent ihres Gehalts, um die finanzielle Zukunft des Vereins zu sichern. Dem Erfolg tut das keinen Abbruch.

  • Mannschaft des FC Gießen verzichtet seit Januar bis Saisonende auf 15 Prozent Gehalt
  • Notvorstand: „Finanziell moderates Signal war notwendig“
  • Wichtiger Baustein dafür, dass die Saison des Fußball-Regionalligisten finanziell abgesichert wird

Der Januar 2021 ist aus zwei Gründen ein ganz besonderer für den FC Gießen: In diesem ersten Monat des Jahres holte der heimische Fußball-Regionalligist nicht nur vier Siege und führt die »Jahrestabelle« damit vor dem FSV Frankfurt an - das Team verzichtet seit diesem Monat bis zum Sommer auch auf 15 Prozent ihres Gehalts. Wir fassen die aktuelle Situation in drei Punkten zusammen.

Der wichtige Gehaltsverzicht: Seit Januar leistet die Mannschaft um Hendrik Starostzik, Johannes Hofmann, Aykut Öztürk und Co. ihren Beitrag zur Sanierung des FC Gießen - und verzichtet auf 15 Prozent Gehalt. »Wir sind dem Verein damit entgegengekommen«, sagt Trainer Daniyel Cimen - und das Team ist zusammengerückt. »Es ist ein Ruck durch’s Team gegangen«, erklärte Torhüter Frederic Löhe letzte Woche. »Wir haben unsere Hausaufgaben auf dem Platz zu machen, für den Rest sind andere verantwortlich.«

Dass die Mannschaft auf Geld verzichtet, zeigt ihren tollen Charakter

Notvorstand Turgay Schmidt

Dass die Mannschaft auf Geld verzichte, zeige »ihren tollen Charakter«, sagt Notvorstand Turgay Schmidt, der dem Team für die zuletzt gezeigten Leistungen großen Respekt zollt.

»In diesen Zeiten der Pandemie müssen viele Menschen finanziell verzichten - der Verein ist durch die Entscheidung der Regionalliga Südwest GbR zum Spielen ohne Zuschauer gezwungen«, sagt Schmidt.

FC Gießen ist nicht der einzige Verein

»Daher war es notwendig, dass die Spieler ein finanziell moderates Signal senden und ihren Teil zur Situation beitragen«, erklärt der Rechtsanwalt.

Der FC ist im hessischen Raum beileibe nicht der einzige Verein, der sein Team um einen Gehaltsverzicht bittet - zuletzt publik wurde die Sparmaßnahme auch bei Konkurrent Eintracht Stadtallendorf.

Der Verzicht der Mannschaft bis zum Sommer ist ein Baustein dafür, dass die Saison finanziell abgesichert werden kann - staatliche Hilfen sowie weitere Sponsorenzahlungen und Sparmaßnahmen ebnen den Weg durch die Zeit.

FC Gießen: Neuzugänge werden von einzelnen Unternehmern bezahlt

So versucht Notvorstand Schmidt die Saison abzusichern, den Verein zu konsolidieren - und mit den von einzelnen Unternehmern bezahlten Neuzugängen (Michael Fink, Gino Parson, Antonyos Celik, Jonas Arcalean und Nejmeddin Daghfous) gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit für den Klassenerhalt zu erhöhen.

Der neue Torjäger: Einen wichtigen Beitrag leistet auch der 22-jährige Flügelspieler Tim Korzuschek, seit Sommer 2017 im Verein: Mit sechs Toren, alleine dreien im Januar 2021, ist er klarer Toptorschütze des FC. »In den letzten Jahren hatte ich alleine fünf Muskelbündelrisse«, erinnert sich Korzuschek. »Ich habe enorm an meinem Körper gearbeitet und finde jetzt endlich in meinen Rhythmus« - davon profitiert das Team, das laut Korzuschek »zusammenhält und gemeinsam gut verteidigt«.

Das erzwungene Glück: Mitte Oktober, als der FC Gießen trotz ordentlicher Leistungen tief im Tabellenkeller festsaß, sagte Co-Trainer Marcel Niesner: »Man kann auch für alles Entschuldigungen finden. Wenn wir die Chancen rein machen, hätten wir jetzt mehr Punkte. Es fehlt oft eine Kleinigkeit, um die Spiele zu gewinnen.«

FC Gießen: Das Pech von damals ist das Glück von heute

Das Pech von damals ist das Glück von heute: Gegen Alzenau zitterte sich Gießen zum 1:0-Heimsieg, in Ulm traf der Gegner beim Stand von 3:2 in der Nachspielzeit den Pfosten, in Pirmasens hält Keeper Löhe in der Nachspielzeit Elfmeter und Sieg fest. Löhe: »Es gleicht sich in einer Saison dann aus, wenn du es unbedingt willst.«

Fortgeführt werden soll das am Samstag (14 Uhr) im Duell beim punktgleichen KSV Hessen Kassel - der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz beträgt trotz der Serie »nur« vier Punkte.

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