Die Saison vor leeren Rängen im Waldstadion zu beenden, ist für den FC Gießen keine vertretbare Option. FOTO: FRIEDRICH
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Die Saison vor leeren Rängen im Waldstadion zu beenden, ist für den FC Gießen keine vertretbare Option. FOTO: FRIEDRICH

FC Gießen

FC Gießen: "Geisterspiele sind für uns kein Thema"

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Erst Anfang Mai wird die Fußball-Regionalliga Südwest über eine Fortführung oder einen Saisonabbruch entscheiden. Der FC Gießen hat eine klare Haltung - und profitiert von der Situation auch.

Der FC Gießen spricht sich gegen die Austragung von Geisterspielen aus, wie der kommissarische Geschäftsführer, Markus Haupt, gestern auf Anfrage erklärte: "Für uns sind Geisterspiele definitiv kein Thema" - diese Sichtweise ist unter den aktuellen Gegebenheiten gleichbedeutend mit einem Plädoyer für einen vorzeitigen Abbruch der Fußball-Regionalliga Südwest, da alle Großveranstaltungen bis zum 31. August 2020 untersagt sind.

Zwar wartet derzeit ganz Deutschland auf eine Detailregelung bezüglich der Defintion einer Großveranstaltung, schon die aufzubringende Zahl an Spielern/Mitarbeitern/Stadionpersonal bei Geisterspielen muss aber als fragwürdig erachtet werden.

Entscheidung der Regionalligen Anfang Mai erwartet

Bei der gestrigen Telefonkonferenz der Regionalliga Südwest wurde verkündet, dass der Spielbetrieb "bis auf Weiteres" ausgesetzt bleibt - die Liga will nun die nächste Ministerpräsidentenkonferenz Ende April abwarten und hofft auf eine klare Antwort bezüglich der Frage nach der Definition einer Großveranstaltung. Anfang Mai werden die Regionalligen dann eine Entscheidung treffen. Die Verlängerung des Saisonendes über den 30. Juni hinaus ist durch eine im April vollzogene Ordnungsänderung des DFB grundsätzlich möglich.

Haupt: "Finanzielles und organisatorisches Problem"

Der Grund, weshalb sich der FC gegen Geisterspiele ausspricht, liegt auf der Hand: Rund 50 000 Euro würden nach Aussage von Haupt unter Beachtung der Sicherheitsauflagen auf jeden Viertligisten pro Heimspiel zukommen. "Das ist ein finanzielles und organisatorisches Problem."

Da letztlich zudem die behördlichen Bestimmungen gelten, fällt ein Konsens in der fünf Bundesländer umfassenden Südwest-Staffel schwerer als beispielsweise in der Regionalliga Bayern.

Einnahmen durch Übertragung via Livestream?

Die Regionalliga Nordost tagte am Donnerstag, signalisierte ihren Willen, das Spielgeschehen unter medizinisch vertretbaren Bedingungen wieder aufzunehmen und bekam Unterstützung vom MDR, der sich bei Wiederaufnahme bereit erklären soll, die Partien per Livestream zu übertragen und den Vereinen über deren Homepage so eine Einnahmequelle zu ermöglichen.

Sascha Döther, Geschäftsführer der Regionalliga Südwest, deutete am Freitag an, dass man diese Option im Hinterkopf (angewendet u. a. auf HR und SWR) habe.

FC Gießen spart durch Kurzarbeit beträchtliche Personalkosten

Abgesehen vom Spielbetrieb lässt sich konstatieren: Das Coronavirus hat dem FC Gießen zwar viele Herausforderungen beschert, ihm aber auch finanzielle Erleichterungen gebracht. Durch die seit dem 16. März um 100 Prozent reduzierte Beschäftigung und die Kurzarbeit spart der Verein Personalkosten. "Wir haben von der Agentur für Arbeit eine schriftliche Genehmigung erhalten", sagt Haupt.

Lediglich für zwei Werkstudenten und die 450-Euro-Kräfte ist die Kurzarbeit nicht anwendbar. Die noch vor Kurzem aufzubringende Summe von rund 200 000 Euro zur Restfinanzierung der Saison "reduziert sich dadurch", wie Haupt versichert. "Wenn sich die Spieler individuell fit halten, dann geschieht das auf freiwilliger Basis."

Die Rettungsaktion "Club der 200", in der 200 Privatpersonen je 1000 Euro zur Rettung des FC beisteuern sollten, hat dem Verein bislang rund 22 000 Euro eingebracht.

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