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"Gießen ist fußballbegeistert!"

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Mit ihrer Video-Reihe "DeineStory2021" haben Michèl Magel und Christopher Müller im Netz großes Interesse geweckt. Beide Mittelhessen stellen Gießener Fußballer und Betreuer vor und wollen dem heimischen Sport noch mehr Wertigkeit verleihen.

Ein Gießener Fußballliebhaber und ein professioneller Filmemacher haben einen Nerv getroffen: Mit ihrer Video-Serie "DeineStory2021", in der sie heimische Fußballer, Trainer und Betreuer vorstellen, haben sie über die Plattform Instagram innerhalb weniger Tage über 15 000 Menschen erreicht.

Fachliche Gespräche mit dem jungen Ex-Eintrachtler Nico Rinderknecht oder flapsige Gespräche mit dem Betreuer Ferdinand Speier - die Bandbreite ist schon nach zwei Videos groß - und soll es bleiben.

"Ich war bei Gladbach in jede Kabine", erzählt Ferdinand Speier, als er über seine Bekanntschaft mit Alexander Zickler spricht - "da lagen so viele Klamotten rum, damit kannst du ganz Gießen ausstatten". Gießens begabtester Fußballer sei Ralf Rennert gewesen, sagt Speier - "aber er hat halt viel Dorscht gehabt".

Das kommt an - Moderator Michèl Magel, 35 und aus Salzböden/Lahn, und Produzent Christopher Müller, 36 und aus Lahnau, starteten die Vorstellungsserie, die über Instagram und YouTube zu sehen ist, Anfang Januar und wurden überwältigt von den Reaktionen.

"Ich dachte mir am Anfang: Vielleicht bekommen wir für das erste Video 100 Aufrufe", sagt Magel, der das Fußballspielen bei Eintracht Lollar begann, einst beim VfB 1900 kickte und heute sporadisch noch beim Kreisoberligisten TSG Wieseck aktiv ist. Statt 100 Aufrufen gab es alleine über 100 Nachrichten auf WhatsApp und Instagram für Magel und Müller, der hauptberuflich Imagefilme für bekannte Gießener Unternehmen produziert.

Herr Magel, worauf führen Sie die große Resonanz, auf die Ihre Videoserie gestoßen ist, zurück?

Es zeigt einfach, dass Gießen fußballbegeistert ist. Da existiert eine große Gemeinschaft, auch wenn wir lange kein Aushängeschild im höherklassigen Fußball hatten. Die letzte Woche war überragend, es ist durch die Decke geschossen. Ich bin geflasht von den Reaktionen. So viele Leute haben mir geschrieben: "Geile Aktion!" Oder: "Wann bin ich dran?"

Was war Ihre Motivation bei der Aktion?

Ich bin schon immer Fußballer und möchte nicht nur zeigen, was es in Gießen an talentierten Fußballern gibt, sondern auch Menschen eine Plattform geben, die seit 25 Jahren bei Schwarz-Weiß Gießen den Platz abstreuen. Diese Menschen, die jahrzehntelang im Verein aktiv sind, bekommen zu wenig Wertschätzung.

Bislang wurden Nico Rinderknecht und Ferdinand Speier interviewt - welche Gießener sollen in absehbarer Zeit noch vorgestellt werden?

Wir wollen nach der großen Resonanz spätestens jede zweite Woche eine neue Folge herausbringen. Gerade drehen wir noch mit Timo Cecen, auch Poldi Weber oder Williams Bellof werden drankommen. Die Videos sollen immer im zeitlichen Rahmen von 15 bis 20 Minuten bleiben.

Sie arbeiten dabei mit Kameramann und Produzent Christopher Müller zusammen, der sagt: "Ich bin davon überzeugt, mit dem Projekt einen Mehrwert für Gießen zu schaffen."

Er ist für die Technik und die Videobearbeitung zuständig und sorgt dafür, dass das Format modern umgesetzt wird. Ich bin in dem Thema Laie, er kennt sich dank seiner Firma Heypixel sehr gut aus. Ich wusste: Wenn einer das umsetzen kann, dann er. Ich kenne seine Arbeit von anderen Gießener Unternehmen, er trifft den Zahn der Zeit. Das Projekt ist für ihn zu einer Herzens-angelegenheit geworden.

Produzent Christopher Müller dreht Werbespots und Imagefilme für bekannte heimische Firmen - welche Relevanz hat seine Professionalität?

Eine sehr große. Ein Video, so wie wir es produzieren, macht richtig viel Arbeit. Alleine das Zwei-Minuten-Intro-Video hat mehrere Stunden in Anspruch genommen. Für das Video mit Nico Rinderknecht saßen wir mehr oder weniger ein ganzes Wochenende zusammen. Es geht um die Tonspur, das richtige Licht, Schnitte usw. Christopher setzt das Format einfach richtig modern um und sorgt dafür, dass es so gut ankommt.

Das Projekt ist nun angelaufen und wurde angenommen. Soll es also langfristig geführt werden?

Wir wurden nun bereits von Werbepartnern angesprochen - das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir es weiterführen, denn es ist mit viel Aufwand verbunden. Wir haben weitere Ideen, wollen noch mehr Leben in die Videos bringen. In der B-Klasse kommt auch nicht jeder Pass an, aber wir wollen uns noch steigern. Und wir sammeln Unterschriften für unseren Fußball, den wir am Ende jeder Staffel versteigern - den Erlös verdoppeln und spenden wir an das Kinderhospiz Gießen/Marburg.

In den Videos wird deutlich, dass Sie eine Affinität zum FC Gießen haben.

Ja, tatsächlich mag ich das Projekt sehr. Ich bin mit einigen Spielern in Kontakt, fahre, wenn möglich, öfter mit zu Auswärtsspielen. Wir hatten dank des FC Gießen im Waldstadion im Hessenpokal gegen den FSV Frankfurt schon knapp 5000 Zuschauer - das ist doch Wahnsinn! Das hat mein Fußballer-Herz beglückt. Und ich denke mir: Das müssen wir doch wieder hinbekommen! Deswegen ist diese Videoserie irgendwo auch ein Appell an die Fußballfans: Unterstützt den FC Gießen mit einer Eintrittskarte, wenn möglich. Ein Bier trinken, eine Bratwurst essen, alte Bekannte treffen. Als die OFC-Fans früher von der Polizei zum Waldstadion eskortiert wurden, das war doch mega - da konnte man als Kind drei Tage vorher nicht schlafen, weil man nervös war. Mich macht es jetzt stolz, wenn Gießen in anderen Stadien der Regionalliga vertreten ist. Insofern ist diese Aktion auch eine Unterstützung für den FC Gießen, ja.

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