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Topklubs der Region

Gießen 46ers, HSG Wetzlar und Co.: So kämpfen heimische Top-Clubs um Sponsoren

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Jahr für Jahr einen Etat von einer oder mehreren Millionen Euro aufzustellen, ist für die mittelhessischen Topklubs jedes Mal eine große Herausforderung.

Erstmals in der Geschichte des deutschen Basketballs müssen die Bundesliga-Vereine für die kommende Saison einen Mindesetat von drei Millionen Euro vorweisen - sowie ein Eigenkapital von 250 000 Euro. Wahrlich kein Selbstläufer für die Gießen 46ers. Die Erstliga-Handballer der HSG Wetzlar müssen den Ausstieg von Licher als Hauptsponsor kompensieren, der ab der Spielzeit 2019/20 in einem geringeren Umfang unterstützt. Auf der Suche nach einem Großsponsor befinden sich auch die Rollis vom RSV Lahn-Dill. Der Vertrag mit dem Pharmaunternehmen Stada ist abgelaufen und wurde nicht mehr verlängert. Und Fußball-Regionalliga-Aufsteiger FC Gießen will sein Sponsoring auf mehrere Schultern verteilen.

Gießen 46ers:"Wir sind jedes Jahr dazu verdammt, in einer Größenordnung von 20 bis 30 Prozent Neukunden zu akquirieren", sagt 46ers-Geschäftsführer Heiko Schelberg - und verschafft somit einen Einblick in das Tun im wirtschaftlichen Bereich. Die Basketballer von der Lahn haben drei Einnahmequellen: Sponsoring, Zuschauererlöse und Merchandising. "Die elementar wichtigste Säule ist für uns das Sponsoring", so Schelberg, der diese Geldquelle mit rund 75 Prozent auf den Gesamtetat beziffert. Aktuell haben die 46ers schon einen Teil des Nachweises erbracht, den von der BBL erstmals vorgeschriebenen Mindestetat von drei Millionen Euro an zwei Stichtagen vertraglich nachzuweisen. Schelberg erklärt, dass sich die Gießen 46ers diesbezüglich schon zur Decke strecken müssen, aber er ist auch zuversichtlich, dass alle Auflagen erfüllt werden.

Insgesamt betrachtet sind die Bundesliga-Basketballer aus Gießen in Bezug auf Partner breit aufgestellt. "Wir haben über 260 Sponsoren auf unserer Seite", konstatiert Schelberg. Das sei von enormer Bedeutung und die große Kunst, nicht nur von ein paar wenigen Unterstützern abhängig zu sein. Die Gießen 46ers haben noch ein großes Pfund in der Hinterhand - das Namenssponsoring. "Wir sind mit einigen Unternehmen in sehr intensiven Gesprächen", bestätigt der 46ers-Chef, der das große Pfund aber nicht unter Wert verkaufen wird. Schelberg ist mit seinem Team permanent bemüht, neue Erlösquellen zu erschließen.

RSV Lahn-Dill:Der Rollstuhlbasketball-Erstligist hat seinen langjährigen Hauptsponsor Stada verloren. Der Vertrag mit dem Pharmakonzern mit Sitz in Bad Vilbel ist mit Ende der vergangenen Saison abgelaufen. Stada will sich nach Angaben von RSV-Geschäftsführer Andreas Joneck "intern vom gesamten Sport-Sponsoring lösen". Der Wegbruch des Hauptunterstützers kommt für den RSV nicht überraschend - darüber waren die Verantwortlichen schon seit geraumer Zeit in Kenntnis gesetzt. Sie hoffen, in dieser Sache schon bald Vollzug melden zu können. "Auf uns lastet ein enormer Finanzdruck. Die Sportart wird immer teurer, insbesondere was die Gehälter angeht." Für einen Topspieler mit Weltklasseniveau müsse man monatlich zwischen 2500 und 3000 Euro zahlen, plus Auto und Wohnung", erklärt Joneck. Der Markt ist klein an Ausnahmespielern, dementsprechend treibt das die Preise zusätzlich nach oben. Der Etat der Rollis ist momentan bei knapp einer Millionen Euro angesiedelt. Aber Joneck gibt zu verstehen, dass sie diesen deutlich anheben müssen, wenn sie dauerhaft national Thüringen Paroli bieten und Titel zurückholen wollen.

Prozentual verteilen sich die Einnahmen für den RSV Lahn-Dill bei 85 bis 90 Prozent aus Sponsoring, der Rest aus den Zuschauer-Erlösen, Catering und Merchandise. Natürlich stehe immer die Akquise von neuen Partnern auf der Agenda. "Wir haben ein kleines Glück, dass wir eine Branche besetzen, die speziell ist. Wir haben Zugriff auf Partner aus der Gesundheitsbranche, somit können wir auch überregional aktiv sein", so Joneck. Von Bedeutung ist für ihn, dass große Partner das Tun des RSV Lahn-Dill kennen, damit sie einschätzen können, was sie erwartet.

HSG Wetzlar:Schon vor zwei Jahren verdeutlichten die HSG-Verantwortlichen um Geschäftsführer Björn Seipp ihren Partnern, dass sich der Etat des mittelhessischen Erstligisten von vier Millionen Euro in der stärksten Handball-Liga der Welt erhöhen muss, um langfristig mitspielen zu können. "Mit diesen vier Millionen stehen wir zurzeit in der Etat-Tabelle der Liga auf Platz 14., und es wird in Zukunft sicherlich nicht einfacher werden", beschreibt Seipp den Ist-Zustand. Wie fast alle Spitzenklubs leben die HSG-Handballer sponsormäßig vom Mittelstand der Region. Der größte Teil der Sponsoren liege mit seinem Engagement bei um die 10 000 Euro. Die HSG habe das Glück, dass die Leute in der Region das Produkt HSG Wetzlar mit der Rittal-Arena zum Teil unabhängig von sportlichen Ergebnissen werten und einfach dabei sein möchten. Dennoch müsse man bei den Partnern und möglichen neuen viel Überzeugungsarbeit leisten, dass man sich weiterentwickeln muss, damit man weiterhin über erste Handball-Bundesliga in Wetzlar sprechen kann. Clubs, die um die internationalen Plätze mitspielen, haben mindestens einen Etat von sieben bis neun Millionen Euro. Um einen Topspieler zu bekommen, geht es nach Seipps Ansicht um einen fünfstelligen Nettobetrag im Monat, den man investieren muss. "Das verdient bei uns niemand, nicht annähernd." Für die HSG gehe es darum, wirtschaftlich Anschluss ans Mittelfeld zu halten. Dass "Licher" sich als Hauptsponsor verabschiedet hat, tue natürlich weh. "Aber ich habe dafür vollstes Verständnis. Das ist keine Kritik: Jeder macht, was er kann und darf", muss Seipp das Loch nun stopfen. Die Bierbrauer aus Lich gehen aber nicht ganz von Bord: Sie treten weiterhin als Co-Sponsor auf. Die HSG mit Seipp an der Spitze ist permanent auf der Sponsoren-Akquise und muss hart arbeiten für die Weiterentwicklung des Etats.

FC Gießen:Obwohl die mittelhessische Region um die Gunst der Sponsoren hart umkämpft ist, sieht Dirk Schäfer "da draußen Potenzial ohne Ende". Der Leiter Marketing und Vertrieb, der erst seit ein paar Monaten beim Fußball-Regionalligisten tätig ist, aber in den Jahren zuvor in gleicher Position bei den 46ers, dem RSV, den Licher BasketBären und den Eishockey-Teufeln in Bad Nauheim gearbeitet hat, schaut mit viel Optimismus in die Zukunft seines neuen Clubs. Der Etat rein für die Fußball-Regionalliga-Mannschaft wird mit 1,1 Millionen Euro beziffert.

Schäfer hat aufgrund seiner beruflichen Vergangenheit festgestellt, dass das Sponsorenklientel beim Basketball in großen Teilen ein anderes als im Fußball ist. Es gebe zwar im Sponsorenkreis schon einmal Überschneidungen, aber eine gegenseitiges Wehtun nicht. Überhaupt sei der Andrang an neuen Partnern groß. "Ich komme manchmal gar nicht hinterher", sagt Schäfer, der sich schon personelle Verstärkung ins Office geholt hat. Der FC Gießen ist dabei, die Sponsorenbasis zu verbreitern, sodass Geschäftsführer Jörg Fischer nicht immer mal wieder aus der privaten Kasse nachschießen muss. Im Hinblick auf die neue Saison wird der FC die Sponsorenpyramide anders aufbrechen: Unten an der Basis gibt es den Bronze-Partner, der sich bis zum Gold-Partner erhöht, dann folgt der Premium-Partner und ganz oben auf der Spitze sitzt der Exklusiv-Partner. In Zahlen ausgedrückt: 10 000 Euro sind im Silber-Segment angesiedelt, 25 000 im Gold-Bereich und 50 000 im Premium-Sektor. Exklusiv ist man ab einer sechsstelligen Summe unterwegs. Natürlich gibt es auch ein Mikrosponsoring. Eine Erhöhung der Eintrittpreise für die neue Saison kündigte Schäfer an: Zehn Euro Stehplatz für Erwachsene, 13 Euro für einen Sitzplatz auf der Tribüne.

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