Gießens neuer Center Chad Brown (r., daneben Isaac Hamilton) bei der Blockarbeit gegen Jonas Mattisseck (l.) beim 82:92 in Berlin. FOTO: IMAGO

Gießen 46ers

Bei den Gießen 46ers wächst was zusammen

Erhobenen Hauptes verließen die Gießen 46ers die Katakomben der Mercedes-Benz Arena in Berlin. Beim 82:92 verkaufte sich das Team von Trainer Rolf Scholz teuer. Personelle Dinge stehen an.

Die um den Ligaerhalt kämpfenden Gießen 46ers zeigten beim Favoriten Alba Berlin eine couragierte Leistung. Kurz vor dem Ende - nach einem Offensivrebound von Alen Pjanic und einem Zweier - betrug der Rückstand nur fünf Punkte (76:81). Letztlich setzte sich aber die Qualität des Euroleague-Teilnehmers durch, der noch einen 11:6-Lauf hinlegte. Bester Spieler in der zuschauerleeren Arena war Scottie James jr., dem fast alles gelang. Mit 26 Punkten und 13 Rebounds - davon sensationelle neun am offensiven Brett - lieferte der sprunggewaltige Powerforward ein tolles Double-Double ab.

Im Interview wollte der 24-jährige Amerikaner seine überragende Leistung nicht überbewerten. Natürlich wäre es im Frontcourt nicht einfach gewesen, nachdem Johannes Richter am Freitag das 46ersTeam verlassen hatte und mit Chad Brown ein neuer Spieler integriert werden musste. »Unsere Innen-Präsenz muss besser werden«, erklärte James jr. Und ein vielsagender Satz zu seiner Galavorstellung kam noch aus seinem Munde: »Meine Art Basketball zu spielen, ist unerbittlich am Brett zu sein.« Was die neun Offensiv-Rebounds verdeutlichten.

Simone Fontecchio, Berlins bester Scorer (18), fand ebenfalls nur lobende Worte über den beherzten Auftritt der Gießener Mannschaft: »Es war ein sehr hartes Spiel für uns. Die Gießener spielten aggressiv und ließen nie nach. Sie traten selbstbewusst auf. Wir waren am Anfang nicht bereit -- mental und physisch.«

Die 46ers lieferten zu Beginn der Partie das Gegenteil ab. Man traute seinen Augen kaum, mit welcher Intensität an beiden Enden des Feldes gearbeitet wurde. Ganz nach dem Geschmack von Scholz, der permanent von der Seitenlinie motivierte und vor allem bei der Defense gedanklich mitspielte, was an seinen Gleitschritten zu erkennen war. Nach einem Zuckerpass von Bjarne Kraushaar auf Brandon Bowman und der 17:9-Führung (7. Minute) der Lahnstädter nahm »Aushilfscoach« Israel Gonzales - er vertrat den immer noch in Corona-Quarantäne befindlichen »Chef« Alejandro Garcia Reneses - die erste Berliner Auszeit. Dort stellte der Spanier sein Team neu ein, das bis zum Viertelende einen 13:4-Lauf produzierte.

Die 46ers ließen sich aber nicht abschütteln - und zeigten Präsenz unter dem Korb. Dass Chad Brown die erhoffte Verstärkung sein kann, deutete der 2,06-m-Mann bei seinem Monsterblock gegen Malte Delow an. Ansonsten verlief seine Premiere im Gießener Trikot eher unter der Rubrik befriedigend. Erwartungsgemäß, da er bisher nur eine Trainingseinheit mit der Mannschaft absolvierte und sich noch akklimatisieren muss. Auffällig, dass die 46ers in der zweiten Hälfte des zweiten Viertels zu viele Ballverluste produzierten - geschuldet der hartnäckigen Verteidigung der Berliner. Zudem fand Gießens Aufbauspieler Jonathan Stark keinen Rhythmus. Er blieb in den ersten 20 Minuten punkt- und assistslos, bei zwei Ballverlusten. Das war eindeutig zu wenig von dem Führungsspieler. Dafür trumpfte James jr. umso mehr auf, der hinten wie vorne attackierte.

Die Gäste blieben auch im dritten Quarter auf Schlagdistanz (61:68) - und auch im vierten. Erst als ein Acht-Meter-Dreier gegen den Mann und im Rückwärtsfallen von Jonas Mattisseck durch die Reuse fiel und Maodo Lo mit zwei Ziehern zum 88:78 nachlegte, waren die Gießener geschlagen.

»Wir haben gut ins Spiel gefunden und stark angefangen. Dann haben wir aber leider nicht konsequent weiter verteidigt bis zur Halbzeit. Im Gesamten haben wir uns zu viele Ballverluste erlaubt. Immer, wenn wir wieder ran kamen, konnte Alba noch eine Schippe drauflegen. Die individuelle Qualität von Alba hat sich am Ende durchgesetzt mit toughen Shots in der Crunchtime«, bilanzierte Scholz treffend. Entweder am Montag oder am Dienstag fällt die Entscheidung, ob er bis zum Saisonende Trainer bei den Gießen 46ers bleibt. Das bestätigte Geschäftsführer Michael Koch auf Anfrage dieser Zeitung. Die Zeichen stehen gut, dass Scholz weitermacht. Da wächst was zusammen - das wurde nicht erst in Berlin sichtbar.

Alba Berlin: Maodo Lo (11 Punkte), Malte Delow (2), Marcus Eriksson, Jonas Mattisseck (7), Tim Schneider (8), Kresimir Nikic (8), Louis Olinde (8), Simone Fontecchio (18), Johannes Thiemann (11), Jayson Granger (10), Ben Lammers (9).

Gießen 46ers: Jonathan Stark (10), Isaac Hamilton (9), Bjarne Kraushaar (5 Assists), Alen Pjanic (2), Tim Uhlemann, Brandon Bowman (6), Ferdinand Zylka (12), Chad Brown (2), Scottie James JR (26, 13 Rebounds), Brandon Thomas (15).

Viertelergebnisse: 22:21, 23:16, 23:24, 24:21.

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