Gießen 46ers schnuppern nur am Sieg

(mv) Lobende Töne, aber keine Punkte: Bei der 75:79 (31:40)-Niederlage gegen ratiopharm Ulm schnupperten die Gießen 46ers lange am Sieg, mehr aber auch nicht. Auch, weil ein Ex-Gießener stark aufspielte. Und obwohl die 46ers personell umstellten.

Er sei sto lz auf seiner Mannschaft, sagte Denis Wucherer in der Pressekonferenz. Warum auch nicht, schließlich stehen die Gießen 46ers nach sieben Spielen in der Basketball-Bundesliga punktgleich mit den Teams aus Berlin und Frankfurt, und noch vor den hoch gehandelten Würzburgern da. Dennoch dürfte sich auch der Gießener Trainer geärgert haben, dass es gegen den Vizemeister aus Ulm nicht für einen Heimsieg gereicht hat – denn schlagbar präsentierten sich die Schwaben am Samstagabend vor 3076 Zuschauern in der Osthalle durchaus.

Oder doch nicht? Zugegebenermaßen ist es allenfalls eine Vermutung, schließlich gingen die Ulmer nach 51 Sekunden per Dunk von Raymar Morgan 2:0 in Führung und blieben das, von einer knappen Minute Ende des ersten Viertels, als es 17:17 stand, abgesehen, bis zum Ende der Partie. Nicht einmal gelang es den 46ers, an den Ulmern vorbeizuziehen. Und trotzdem, vergleicht man die Statistiken beider Teams miteinander, gibt es nur bei der Dreierquote deutliche Unterschiede: 26,3 Prozent der Gießener Distanzwürfe gingen ins Ulmer Netz, umgekehrt waren es 42,1 Prozent.

Vier der fünf erfolgreichen Dreier der Gastgeber kamen in den letzten zehn Minuten, bis dahin produzierten die 46ers von außen so viele Backsteine, dass man meinen konnte, die Sanierung der Gummiinsel sei ein persönliches Projekt von Thomas Scrubb und Co. "Wir haben da im zweiten und dritten Viertel einiges liegen lassen, auch offene Würfe. Mit einer besseren Quote von der Dreierlinie hätten wir das Spiel offener gestalten können", kommentierte Wucherer die Statistik nach der Partie. Im Innenleben des Trainers war der verpasste Sieg gegen ein Topteam aber nicht mit dem 68:72 gegen Bayern München zu vergleichen: "Heute haben wir offensiv, vor allem in der ersten Halbzeit, Fehler gemacht, die man auf dem Niveau nicht machen darf."

Dabei hatte der 46ers-Coach schon einiges versucht; Justin Sears und Marco Völler erstmals in die erste Fünf beordert, dafür den auch weiterhin nur selten überzeugenden Maurice Pluskota sowie Dwayne Evans beim Tipoff auf der Bank belassen. Dort schmorte auch Benjamin Lischka lange Zeit: Gerade einmal anderthalb Minuten Einsatzzeit erhielt der Powerforward. "Unter der Woche hat er mal einen Tag ausgesetzt mit Kniebeschwerden.

Aber wir haben im Grundsatz elf Spieler, die spielen können, nur bietet es sich in der Realität nicht immer an, auch wirklich mit allen elf zu spielen. Alle, nicht nur Benni, haben die Chance, uns jeden Tag im Training zu zeigen, dass sie auf einem guten Niveau agieren und dass es in die richtige Richtung geht, was die Entwicklung angeht. Dann werden da auch wieder Minuten kommen", kommentierte Wucherer.

Übersetzt man diese Aussage, dürfte man zu dem Schluss kommen, dass der Gießener Trainer derzeit wohl eher davon ausgeht, dass es beim Gießener Eigengewächs derzeit nicht in die richtige Richtung geht, was die Entwicklung angeht.

Und so stand Lischka vor allem am Ende auf dem Parkett, als es darum ging, den Gegner zu verabschieden. Da gab es dann Umarmungen für Braydon Hobbs und Karsten Tadda, die beiden Ex-Gießener. Vor allem Hobbs lieferte in der Osthalle eine starke Partie ab, netzte unter großem Jubel der Ulmer Bank endlich seinen ersten erfolgreichen Dreier der Saison ein und war am Ende mit 13 Punkten, sechs Rebounds und je drei Assists und Ballgewinnen der entscheidende Mann aufseiten der Gäste.

"Ich hätte nicht gedacht, dass das echt sieben Spiele dauern würde, bis der erste reingeht", lachte Hobbs auf dem Weg zum Mannschaftsbus. Währenddessen haderte Tadda mit der Hotelwahl: "Wir mussten in Bad Nauheim übernachten, weil in Gießen alles ausgebucht war." So fiel ein Besuch bei seinem Lieblingsitaliener Gianoli am Freitagabend aus. Für den Nationalspieler hatten sich die Gießener Fans die ein oder andere Nickligkeit ausgedacht, besangen ihn mit "Und schon wieder Rollenspieler, Karsten T.!" Für den Ex-46er aber ein Grund zum Schmunzeln: "Als ich noch in Bamberg gespielt habe, war es immer etwas unangenehm, nach Gießen zu kommen. Aber durch das Jahr hier freue ich mich natürlich jetzt, hier herzukommen. Der Empfang war herzlich, und es gehört ja auch ein bisschen dazu, zu provozieren. Das nehme ich niemandem übel."

Bei den Gießenern geht der Blick nun wieder nach vorn: Am Wochenende steht die Auswärtspartie in Würzburg an, bei der es nicht nur um zwei Punkte, sondern auch um eine besondere Serie gehen wird: Seit dem Halbfinal-Aus mit 0:3 Siegen in der zweiten Liga gegen Göttingen 2014 kassierten die 46ers nie mehr als zwei Niederlagen in Folge. Zudem ist aufgrund der um Haaresbreite verpassten Playoffs noch eine Rechnung mit den Unterfranken offen. Und wenn man die begleichen könnte, wäre Denis Wucherer sicher auch stolz auf sein Team.

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