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Gabriel Olaseni hat sich unter dem Göttinger Korb durchgesetzt und erzielt zwei seiner 19 Zähler für die Gießen 46ers.

Gießen 46ers: Nach Fehlstart ins Spiel fehlen Reserven

Es war eines der Spiel, die man hätte gewinnen sollen, um mit einem noch besseren Gefühl in die vom Allstar-Spiel gefüllte Pause zu gehen. Doch in Göttingen zeigte sich erneut: Der Akku der meisten Gießener Bundesliga-Basketballer ist leer. Und in der Spielpause wartet eine Menge Arbeit auf die Truppe von Coach Denis Wucherer.

Wir spielen schon seit einigen Wochen eher wie ein ProA-Team", war Wucherer nach der 86:91 (37:42)-Niederlage seiner Gießen 46ers bei der BG Göttingen, alles andere als zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Mit einem erneuten Fehlstart in die Partie hatte der heimische Bundesligist schon früh eine hohe Hürde für einen Erfolg gesetzt und am Ende nicht mehr genug Reserven, um die Partie noch zu drehen.

Nach fünf Spielen in zwei Wochen wirkten die 46ers schon mit dem Tip-Off vor 3253 Zuschauern in der Sparkassen-Arena müde und ausgelaugt, leisteten sich einen 0:12-Beginn, ähnlich wie gegen den MBC kurz vor Weihnachten. "Ich glaube, das ist eine mentale Müdigkeit. Das waren harte vier Monate, in denen viel geschehen ist und wir hart gearbeitet haben. Aber wenn der Kopf müde ist und der Gegner etwas bereiter ist, dann passiert das." Darum erhalten die Spieler nun eine volle Woche Freizeit: So flog Cameron Wells gestern für einige Tage in seine Heimat Texas, TJ DiLeo wird ein paar Tage in Italien verbringen, und Achmadschah Zazai machte sich direkt von Göttingen aus auf den Weg nach Berlin.

Für Trainer Wucherer geht es in den Skiurlaub nach Österreich – umgebucht, denn am kommenden Wochenende steht für ihn, ebenso wie für Karsten Tadda, das Allstar-Spiel in Bamberg auf dem Programm: "Wir fahren zumindest in die Berge, aber da liegt trotzdem kein Schnee – immerhin gibt’s wohl eine Kunstschneewiese im ansonsten braunen Hang", will auch das aktuelle Wetter keine Trübung des langersehnten Urlaubs beim Coach verursachen.

Wohl aber die Leistung vom Samstagabend: "In den letzten Wochen haben wir stagniert. Dass wir trotzdem das eine oder andere Spiel gewonnen haben, hat uns eher überrascht. Wir müssen uns verbessern, denn auf diesem Niveau werden wir keine Spiele gewinnen", wusste Wucherer dem Spiel nur wenig Positives abzugewinnen. Vor allem waren es Probleme, die sich bereits durch die gesamte Hinrunde ziehen, die auch in Göttingen wieder mitursächlich für die Niederlage waren: So gelangen gerade einmal elf Treffer bei 20 Versuchen an der Freiwurflinie. Die 46ers sind mit 71,6 Prozent die schwächste Mannschaft in diesem Bereich ligaweit (der FC Bayern trifft als Primus 82,5 Prozent seiner Freiwürfe), lassen immer wieder wichtige Punkte liegen, was sich auch in der Tabelle niederschlägt.

Denn ob in Würzburg, Hagen oder gegen Bayreuth – allein in diesen drei Spielen neben der Partie am Samstag hätte eine bessere Freiwurfquote den Unterschied zugunsten der Gießener machen können.

Auch im Rebounding hatten die 46ers im Schlussviertel in den wichtigen Situationen das Nachsehen: Allein sechs Punkte erzielten die Göttinger in den letzten dreieinhalb Minuten nach Offensiv-Rebounds. Mit Suleiman Braimoh (ein eingesammelter Abpraller) und Braydon Hobbs, der keinen Fehlwurf fing, waren zwei der ansonsten stärksten Rebounder der Gießener am Samstagabend keine große Hilfe. Zu viel Last lag da auf Gabriel Olaseni, der mit 19 Punkten und zwölf Rebounds einmal mehr überzeugen konnte.

Es steht also nicht wenig Arbeit an, wenn Spieler und Trainer aus der kurzen Neujahrspause zurückkehren.

Dennoch soll das Positive nicht vergessen werden, denn zum Ende der Hinrunde stehen die 46ers dann trotzdem fast schon glänzend da: vier Siege Vorsprung auf einen Abstiegsplatz, Platz elf in der Tabelle (das wäre am Saisonende das beste Ergebnis seit 2005/2006 unter Stefan Koch und mit Chuck Eidson, Anton Gavel und Co.), Kurs fest auf den Klassenerhalt gesetzt – was automatisch auch den Vertrag von Trainer Wucherer um ein weiteres Jahr bis 2017 verlängern würde.

Kapitän DiLeo plant seine Rückkehr für Ende des Monats und wird dann, gemeinsam mit dem in Göttingen noch pausierenden Eric Palm, für noch mehr Möglichkeiten auf den kleinen Positionen sorgen. Mit fast 3500 Zuschauern pro Spiel liegen die Gießener zudem in dieser Hinsicht in der oberen Hälfte der Liga und sind mit der neuen GmbH und Co. KG erstmals seit vielen Jahren schuldenfrei.

Kurzum: Auch, wenn der Start ins Basketball-Jahr 2016 misslungen ist, die Gießen 46ers können im Großen und Ganzen zufrieden sein – und nach der Allstar-Pause wieder frisch angreifen. Martin Vogel

Gießen 46ers: Zazai (2), Hobbs (12), Polas Bartolo (10), Lischka (14), Braimoh (12), Tadda (4), Wells (10), Olaseni (19), Wragge (3), Schoo (n.e.).

BG Göttingen: Kulawick (15), Everett (18), Spohr (3), Onwuegbuzie, Godbold (9), Mönninghoff (9), Kamp (16), Boakye (n.e.), Boykin (2), El-Amin (19)

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