Bild mit Symbolcharakter zum vorzeitigen Saisonende: Die Gießen 46ers (v. l.) um Tim Uhlemann, Bjarne Kraushaar, John Bryant, Alen Pjanic, Assistent-Coach Steven Wriedt und Teyvon Myers verabschieden sich von ihren Fans. FOTO: FRIEDRICH
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Bild mit Symbolcharakter zum vorzeitigen Saisonende: Die Gießen 46ers (v. l.) um Tim Uhlemann, Bjarne Kraushaar, John Bryant, Alen Pjanic, Assistent-Coach Steven Wriedt und Teyvon Myers verabschieden sich von ihren Fans. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers

Gießen 46ers können endlich Pläne schmieden

  • Wolfgang Gärtner
    vonWolfgang Gärtner
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Michael Koch und Philipp Reuner waren erleichtert. Die Geschäftsführer der Gießen 46ers hatten nach einer stressigen fünfstündigen Videoschalte mit der BBL-Ligaspitze und den 16 restlichen Clubmanagern am Montagabend ihr Ding nach Hause gebracht - für den mittelhessischen Basketball-Bundesligisten ist die Saison vorbei.

Während zehn BBL-Teams sich freiwillig dazu entschlossen, die ausgesetzte Saison in der Corona-Krise fortzusetzen und den "Geistermeister" ohne Zuschauer in einem stark verkürzten Turnierformat zu küren - sobald die Politik dies erlaubt -, zogen sich die Gießen 46ers wie sechs weitere Clubs aus dem Ligabetrieb zurück. Ohne negative Folgen für alle Beteiligten. Einen Absteiger gibt es nicht.

Gießens Geschäftsführer Koch ist zufrieden mit dem eigenen sowie mit dem allgemeinen Ergebnis: "Es ist sehr positiv, dass man diese Lösung gefunden hat. Alle BBL-Clubs haben an einem Strang gezogen und einen Konsens gefunden, auch wenn es so aussieht, als würde es auseinandergehen. Man hat auf die Befindlichkeiten jeden Vereins Rücksicht genommen."

Ähnlich sieht es Gießens Headcoach Ingo Freyer, der sich wie die komplette sportliche Crew seit Wochen in Kurzarbeit befindet. Für ihn ist die Entscheidung seines Arbeitgebers absolut nachvollziehbar - aber auch die der anderen. "Jeder hat sich das rausgesucht, was für ihn am besten ist." Die unterschiedlichen Interessen der Teams wurden gewahrt.

Bei den Gießen 46ers waren gesellschaftliche, wirtschaftliche und sportliche Gründe ausschlaggebend, nicht weiter am freiwilligen Spielbetrieb teilzunehmen. "Im sportlichen Bereich besteht für uns der Anspruch, ein Team aufzustellen, das in einer gewissen Art und Weise wettbewerbsfähig sein sollte. Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Situation sowie den gesundheitlichen Beschränkungen ist dieses Szenario für uns nicht zu erfüllen", erklärt Koch.

Von enormer Bedeutung war für ihn aber auch, dass nach der Doppel-Lösung der BBL für die Gießen 46ers eine gewisse Planungssicherheit besteht. Jetzt habe man was in der Hand, mit dem man positiv, informell wie rücksichtsvoll auf die Sponsoren zugehen könne. Sie müssten nun entscheiden, wie sie mit dem Szenario umgehen und welche finanziellen Maßnahmen folgen werden. "Wir haben als Verein in den letzten sechs Wochen viel Solidarität und Engagement im sozialen Bereich bewiesen und sind diesbezüglich auf unsere Sponsoren zugegangen. Nun hoffen wir, dass wir dies von unseren Partnern in einer gewissen Weise zurückbekommen", so Koch

Die Gießen 46ers hätten insgesamt bis zur Beendigung der Hauptrunde noch 14 Spiele zu absolvieren gehabt, vier davon in der heimischen Osthalle. Die Dauerkarteninhaber wurden bereits kontaktiert, um mit ihnen ein Arrangement zu treffen. Die 46ers verzichten auf die Möglichkeit, Gutscheine als Entschädigung für die entfallenen restlichen Heimbegegnungen zu vergeben. Indes wollen sie im vollen Umfang die Rückerstattung leisten, falls das gewollt wird. Natürlich besteht für die Fans auch die Option des Rückzahlungsverzichtes.

Koch macht kein Hehl daraus, dass durch den Wegfall der vier Heimspiele eine größere finanzielle Lücke klafft. Die werde man in die nächste Saison mitnehmen, möglicherweise sogar in die übernächste. "Es fehlen die vier Einnahmen von den Spielen, teilweise auch noch Einnahmen von den großen Sponsoren der BBL - da muss man abwarten, inwieweit sich dort noch etwas tut. Für uns war es wichtig, eine Entscheidung herbeizuführen, damit wir planen und die Saison abschließen können", sagt der 54-Jährige.

Das Thema Reduzierung des Mindestetats, der zu Beginn der Saison 2019/20 zum ersten Mal für alle BBL-Clubs drei Millionen Euro betrug, stand am Montag beim Treffen der Liga nicht auf der Agenda. Ein spezielles Gremium werde sich aber damit in den nächsten Tagen befassen, ob die Auflagen, in welchem Bereich auch immer, sich verändern oder überhaupt noch in diesem Rahmen gerechtfertigt seien, so Koch weiter.

Gießens Headcoach Freyer, der bis zum Abbruch in 20 Spielen sechs Siege und 14 Niederlagen vorweisen konnte und durchaus noch in Abstiegssorgen hätte kommen können, hat noch ein Jahr Vertrag bei den Gießen 46ers. Zusammen mit Koch und seinem Co-Trainer Steven Wriedt wird nun eine neue Mannschaft zusammengestellt. Brandon Thomas, Alen Pjanic und Bjarne Kraushaar haben von der Bundesliga-Stammmannschaft noch gültige Verträge, von allen anderen - auch von Kapitän John Bryant - sind sie ausgelaufen. "Die Agenten bombardieren uns förmlich mit Spieler-Angeboten", sagt Freyer. Aber keiner weiß zurzeit, wann die neue Saison überhaupt beginnen wird.

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