Eine klare 81:106-Niederlage kassieren die Gießen 46ers gegen ratiopharm Ulm zum Bundesliga-Auftakt. Sein Debüt gibt dabei Aufbauspieler Jonthan Stark (M., rechts Brandon Bowman), dem sich hier John Petrucelli in den Weg stellt.	FOTO: FRIEDRICH
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Eine klare 81:106-Niederlage kassieren die Gießen 46ers gegen ratiopharm Ulm zum Bundesliga-Auftakt. Sein Debüt gibt dabei Aufbauspieler Jonthan Stark (M., rechts Brandon Bowman), dem sich hier John Petrucelli in den Weg stellt. FOTO: FRIEDRICH

Basketball

Gießen 46ers: Kein Rhythmus – keine Chance

  • Markus Konle
    vonMarkus Konle
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Die Gießen 46ers sind mit einer 81:106-Niederlage gegen Ulm in ihre 53. Bundesliga-Saison gestartet. Trotz der Pleite nach einer unterirdischen ersten Hälfte gibt es auch positive Aspekte.

Ingo Freyer wirke sehr aufgeräumt. Natürlich war der Trainer der Gießen 46ers nach der missratenen Saisonpremiere in der Basketball-Bundesliga enttäuscht. Aber er hakte die 81:106 (33:60)-Niederlage seines Teams gegen ratiopharm Ulm schnell ab. »Es gibt viele Mannschaften in der Liga, die sind auch nicht weiter als wir«, sagte Freyer. An einen Sieg gegen den Tabellenführer hatten wohl ohnehin nur die größten Optimisten geglaubt, zu unterschiedlich waren die Voraussetzungen der Kontrahenten bei diesem Geisterspiel in der Osthalle: Ulm ist klasse in die Saison gestartet, hat längst seinen Rhythmus gefunden und überzeugt als homogenes Team mit exzellenten Einzelkönnern. Und die 46ers hatten nach 14-tägiger Quarantäne nur drei Tage Zeit, um sich auf die Begegnung vorzubereiten. Und das merkte man ihnen von der ersten Sekunde an.

Freyer wollte dies aber nicht als alleinige Entschuldigung gelten lassen. »Ich könnte jetzt einfachen sagen, wir haben die erste Halbzeit so gespielt, weil wir erst aus der Quarantäne gekommen sind. Das machen alle Mannschaften. Aber ich wollte das eigentlich nicht. Von daher mache ich das lieber an anderen Sachen fest: Wir haben vorne nicht getroffen und uns viele Turnover geleistet.« Klingt simpel, war aber so - neben einer dürftigen Abwehrleistung, durch die Ulm immer wieder zu leichten Punkten kam.

Zwölf Ballverluste erlaubten sich die Gießener allein in der ersten Hälfte, im Angriff versuchten sie ihr Glück zunächst fast nur aus der Distanz - und scheiterten regelmäßig. Die ersten neun Dreier, viele davon unbedrängt, verfehlten ihr Ziel. Erst im zehnten Versuch war Brandon Bowman, der zusammen mit Brandon Thomas Verantwortung im Angriff übernahm (je 17 Zähler), zum 14:28 erfolgreich. Da war das erste Viertel schon vorbei (11:21) und recht klar, wer dieses Spiel gewinnen würde.

Einige Lichtblicke in der zweiten Hälfte

Erst recht, weil dann der Ex-Gießener Andreas Obst richtig heißlief. Kurz vor dem zweiten Viertel von der Bank gekommen, versenkte er spektakulär vier Dreier und erzielte in zehn Minuten 17 Punkte. Beim 33:60 zur Halbzeit war das Spiel längst entschieden - und den Fans vor den TV-Geräten musste es angst und bange um ihr Team werden. »In der zweiten Halbzeit haben wir viel mehr gute Szenen gehabt, was sich direkt in der Körpersprache und auch im Ergebnis der zweiten Halbzeit niedergeschlagen hat«, meinte Freyer.

Die Gießener attackierten fortan endlich auch einmal den Korb, waren aber viel zu selten in der Lage, die Ulmer Angriffe zu stoppen. So führten die Gäste zwischenzeitlich mit 35 Punkten Vorsprung (86:51, 29.), gestatteten den Mittelhessen im letzten Viertel aber noch einige Erfolgserlebnisse und zum Schluss ein erträgliches Ergebnis.

»Am Ende kannst du alles auf die Quarantäne-Geschichte schieben. Aber man muss Willen zeigen auf dem Feld, man muss sich nach jedem Ball schmeißen. Das zählt. Man kann verlieren, aber es kommt darauf an, wie man verliert«, war der frustrierte 46ers-Flügelspieler Alen Pjanic hinterher äußerst selbstkritisch. Nach seiner langwierigen Rückenverletzung hatte er früh Foulprobleme und agierte wie viele seiner Kollegen insgesamt unglücklich.

Stark gibt Debüt nach langer Pause

Eine ordentliche Premiere für die 46ers gab Pointguard Jonathan Stark, der sich in der Saisonvorbereitung einen Muskelbündelriss im Oberschenkel zugezogen hatte. Er hatte schon vor seinem Wechsel nach Deutschland wegen einer Verletzung lange pausiert. »Es ist eineinhalb Jahre her, dass ich zum letzten Mal ein Pflichtspiel absolviert habe. Ich muss erst meinen Rhythmus finden«, sagte Stark hinterher: »Meine Beine haben sich in der Partie ein bisschen müde angefühlt, aber je mehr ich spiele, desto mehr werde ich auch meinen Rhythmus finden.«

Obwohl auch sein Back-up Bjarne Kraushaar wegen einer Grippe fehlte, hatte Freyer auf den als Stark-Ersatz interimsweise verpflichteten US-Amerikaner Andrew Rowsey verzichtet, der als siebter Importspieler nicht im Kader stand. »Für uns war ganz wichtig, dass wir Jonathan die Gelegenheit geben, zu spielen. Er braucht jetzt jede Partie, um in seinen Körper zu hören. Das kannst du mit Training nicht vergleichen.« Mit Stark hatten die 46ers im Aufbau mehr Struktur. Seit Vertreter Liam O’Reilly hatte hingegen erhebliche Probleme und leistete sich trotz seiner sieben Assists viele Fehler.

Zwei, drei Tage wird die 46ers die Partie gegen Ulm nach den Worten von Freyer noch beschäftigen. In der Video-Aufarbeitung wird der Trainer seinem Team auch die positiven Szenen vor Augen führen, auf die er in den kommenden Trainingseinheiten aufbauen will. Durch die Länderspiel-Pause am nächsten Wochenende haben die Gießener bis zum 3. Dezember und dem Auswärtsspiel in Braunschweig Zeit, um sich auf diesen intensiven Monat mit neun Bundesliga-Spielen innerhalb von 27 Tagen einzustimmen. Stark verspricht schon jetzt: »Wir werden bereit sein.«

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