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Gießen 46ers

Gießen 46ers haben ersten Saisonsieg fest im Fokus

  • Markus Konle
    vonMarkus Konle
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Nach turbulenten Tagen bei den Gießen 46ers soll am Freitagabend gegen Chemnitz der erste Saisonsieg her. Der neue Trainer Rolf Scholz setzt auf ein einfaches Prinzip.

Es ist ein Neustart für die Gießen 46ers - am siebten Spieltag der Basketball-Bundesliga. Nach zuvor sechs Niederlagen und den Absturz ans Tabellenende möchten Kapitän Brandon Thomas und seine Kollegen heute Abend (20.30 Uhr/MagentaSport live) gegen den ebenfalls noch sieglosen Aufsteiger Niners Chemnitz endlich den erste Saisonerfolg feiern und die Wende zum Besseren einleiten.

Hoffnungsträger bei den 46ers ist Interimstrainer Rolf Scholz (Bild). Der 40-Jährige ist vom Farmteam aus der ProB aufgerückt und folgt auf Ingo Freyer, der am Mittwoch - wenige Stunden nach der 93:105-Niederlage gegen den Mitteldeutschen BC - beurlaubt wurde. Bundesliga-Rookie Scholz bleiben somit nicht einmal zwei Tage, um sein Team auf diese eminent wichtige Begegnung vorzubereiten. "Als Trainer hast du nie genug Zeit für die Vorbereitung - und wenn es fünf Wochen sind", sagt Scholz schmunzelnd. "Aber zwei Tage sind schon extrem kurz. Es hat aber auch einen Vorteil: Wir haben als Team sehr schnell die Möglichkeit, es besser als zuletzt zu machen." Und das ist auch nötig, um im "ersten großen Endspiel", wie die Partie auf der Homepage der Chemnitzer bewertet wird, den erhofften Befreiungsschlag zu landen. Unabhängig der Turbulenzen bei den 46ers ist die Brisanz groß, der Druck angesichts der miserablen Bilanz beider Teams auch.

Was sich ändern soll: Angesichts der kurzen Vorbereitungszeit kann Scholz am System nicht so viel verändern - will er auch gar nicht. "Wir müssen aus meiner Sicht die Dinge nur viel vernünftiger und nicht so kompliziert machen", lautet sein einfaches Prinzip. Das gilt vor allem für die Verteidigung, in der sich die 46ers zuletzt über weite Phasen nicht ligatauglich präsentierten. "Und im Angriff müssen wir mit mehr Struktur spielen", nennt er seinen zweiten wichtigen Ansatzpunkt. Seine Mannschaft soll das Tempo kontrollieren, mehr Team-Basketball spielen und nicht mehr den schnellen Abschluss aus der Distanz forcieren. Mindestens genauso wichtig wird der psychologische Effekt des Trainerwechsels sein. Scholz sagt: "Wir müssen den Jungs das Selbstvertrauen zurückgeben. Basketball spielen können sie alle. Und alle brennen darauf zu zeigen, dass sie es besser können als in den letzten Spielen."

Was vom Team erwartet wird: 46ers-Sportdirektor Michael Koch hat am Mittwochnachmittag, als er der Mannschaft den Trainerwechsel verkündete, den Profis ins Gewissen geredet. "Ich habe alle in der Verantwortung genommen. Unsere Situation liegt ja nicht nur am Trainer. Jeder Spieler kann einen Schritt mehr machen, kann mehr kommunizieren, kann in der Verteidigung eine Schippe draufpacken", berichtet Koch von dem Gespräch: "Ich hoffe, dass die Mannschaft sich selbst an die Nase fasst." Und beweist, möchte man hinzufügen, dass sie die Qualität für den Klassenerhalt in der Bundesliga besitzt.

Personelles: Scholz geht davon aus, dass er heute Abend alle Mann an Bord hat - auch Brandon Bowman, der sich im Spiel gegen den MBC eine Rückenblessur zugezogen hat, steht somit zur Verfügung. Bei den Chemnitzern ist die Lage angespannt. Der wuchtige Center Filip Stanic hat Ende November einen Muskelbündelriss im Oberschenkel erlitten und fällt wohl noch länger aus. Der Einsatz von Flügelspieler Dominique Johnson (Zerrung) und Aufbauspieler Wesley Clark (Hüftblessur), die beide zuletzt ebenfalls fehlten, ist fraglich.

Der Gegner: Bei den Chemnitzern läuft es nach dem souveränen Aufstieg aus der Pro A noch nicht so recht - allerdings musste die Niners nach Corona-Fällen im Team wie die 46ers zwischenzeitlich in Quarantäne. In ihren sechs Spielen haben sie nur in Oldenburg (73:119) fürchterlich auf die Mütze bekommen. In allen anderen Begegnungen waren sie zumindest in Schlagdistanz, beim 99:103 nach Verlängerung gegen Göttingen war auch Pech im Spiel. Am letzten Wochenende verlor die Mannschaft des argentinischen Trainers Rodrigo Pastore mit 67:76 gegen Würzburg. Die Sachsen sind das Team mit den meisten Ballverlusten in der Liga (im Schnitt 16,2/Gießen: 15,2) und offenbarten zudem Probleme beim Rebound. Scholz sieht im schnellen Umschalten und der reifen Spielanlage die größten Vorteile der Niners, deren Topscorer die Guards Marcus Thornton (12,8) und Terrell Harris (11,0) sind.

Das sagen die Niners: "Es gilt, die vielen kleinen, vermeidbaren Fehler abzustellen", wird Trainer Rodrigo Pastore auf der Homepage des Aufsteigers zitiert: "Wir müssen konstanter in unseren Leistungen werden, entschlossener auftreten und dürfen uns nach Fehlern nicht gleich aus der Ruhe bringen lassen." Der Frust bei den Spielern ist offenbar groß. Mannschaftskapitän Malte Ziegenhagen stellte in der "Freien Presse" fest: "Man sieht uns an: Wir sind auf dem Feld ängstlich, verwirrt - und wir versuchen uns an viel zu vielen Konzepten."

FOTO: FRIEDRICH

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