Der Vertrag von Gießen Kapitän John Bryant läuft Ende Juni aus - bleibt er bei den 46ers? FOTO: VOGLER
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Der Vertrag von Gießen Kapitän John Bryant läuft Ende Juni aus - bleibt er bei den 46ers? FOTO: VOGLER

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Wie geht es mit John Bryant weiter?

  • Wolfgang Gärtner
    vonWolfgang Gärtner
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Geht der Kapitän von Bord - oder bleibt er? Der Vertrag von John Bryant läuft in zwei Monaten aus. Bis Ende Juni dieses Jahres steht der Starspieler noch im Dienst der Gießen 46ers, deren Trikot er immerhin seit 2017 trägt.

Der bullige Center aus Berkley (Kalifornien), der seit 2018 auch die deutsche Staatsbürgerschaft hat, hält sich bedeckt, wenn er auf seine sportliche Zukunft angesprochen wird. Außerhalb des Courts im Rampenlicht zu stehen, ist nicht das Ding des 2,11-m-Kolosses, der wegen seiner körperlichen Erscheinung nur schwer zu übersehen ist. Kürzlich ließ er sich in einem Interview zumindest herauskitzeln, dass er seine Karriere auf jeden Fall in der Basketball-Bundesliga beenden wolle. Dem Süden Deutschlands - München ist die Heimat seiner Frau - ist er zugeneigt, dem Norden nicht. Vielleicht bleibt er aber auch in Gießen.

Die für die 46ers am Montag vorzeitig zu Ende gegangene Saison lief für "Big John" nicht ganz so, wie er sich das vorgestellt hatte - und auch nicht, wie sich das die Verantwortlichen und die Fans erhofft hatten.

Der schon immer mit seinem Gewicht kämpfende Bryant kam mit deutlich zu vielen Kilos auf den Rippen aus der Sommerpause in die Vorbereitungsphase. In der kurzen Zeit bis zum Saisonstart Ende September gelang es ihm nicht, sich in Wettkampfform zu bringen. Er hing den Erwartungen hinterher. Ihm fehlte im Angriff zu oft das Selbstvertrauen, und in der Abwehr war er bei der Pick-and-Roll-Defense einfach zu langsam auf den Beinen. Die Spielweise von Trainer Ingo Freyer, mit Tempo nach vorne und schnellem Abschluss wie die aggressive den Gegner permanent unter Druck setzende Verteidigung, kam Bryant nicht entgegen und offenbarte seine körperlichen Schwächen. Seine Einsatzzeit schwand - durchschnittlich nur noch auf 21:47 Minuten (Saison zuvor: 29:53).

Dennoch bewies er trotz aller Defizite, dass er immer noch zu den besten Centern der Bundesliga gehört. Die statistischen Werte beim Rebound und den Punkten waren zwar wie in den Spielzeiten 2017/18 und 2018/19 nicht mehr im doppelstelligen Bereich angesiedelt, die 6,6 Rebounds und 9,5 Punkte im Schnitt können sich aber trotzdem sehen lassen. In der Effektivität nahm Bryant mit 14,3 Zählern clubintern sogar die Pole-Position ein, an die Topwerte aus den beiden Vorjahren kam er bei weitem nicht heran (2018/19: 25,7 / 2017/18: 24,1).

Bryant wird nicht jünger - im Juni steht sein 33. Geburtstag an. In Gießen fühlt sich der zweifache Familienvater aber sehr wohl. Ihm gefällt das Umfeld. Er hat Freundschaften geschlossen, mit Lukas Lai ein Physio seines Vertrauens und er steht mit der Familie seines Teamkollegen Brandon Thomas in engem Kontakt. Bei einem Verbleib in Gießen müsste Gießens Topverdiener Bryant sicherlich Abstriche im Gehalt machen.

Konkretes kann 46ers-Sportdirektor Michael Koch zum Thema Bryant nicht mitteilen: "Ich habe persönlich noch nicht mit ihm gesprochen. Es kann ja auch durchaus eine Befindlichkeit von John geben, dass er sagt, es geht ihm nicht nur um das Finanzielle, sondern um andere Beweggründe, warum er weiter in Gießen spielen möchte. Allein aus diesem Grund ist es für mich vorrangig, mit jedem einzelnen Spieler persönliche Gespräche zu führen, um genau diese Befindlichkeiten herauszufiltern." Das letzte Wort ist in Sachen Bryant noch nicht gesprochen.

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