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So machen wir es: Der zuletzt starke Florian Koch (r.) und Kendale McCullum wollen heute mit einem Sieg in Braunschweig in die arbeitsreiche Zeit rund um die Feiertage starten. F.: FRIEDRICH

Gießen 46ers

Gießen 46ers gehen auf große Tournee

  • Markus Konle
    VonMarkus Konle
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Die Gießen 46ers starten am Donnerstag in ihr Marathon-Programm rund um die Feiertage. Drei Auswärtsspiele in sechs Tagen warten auf den abstiegsbedrohten Bundesligisten. Verstärkung ist in Sicht.

Die Gießen 46ers müssen eine Mammut-Aufgabe bewältigen. Drei Begegnungen und insgesamt rund 2000 Kilometer auf den Straßen warten auf den Basketball-Bundesligisten in den nächsten Tagen. Am Donnerstag um 19 Uhr sind die 46ers bei den Löwen Braunschweig zu Gast, am zweiten Weihnachtsfeiertag (18 Uhr) bei den Towers Hamburg und am 29. Dezember in Ludwigsburg (20.30 Uhr/alle live bei MagentaSport).

Vor den Duellen bei den Playoff-Kandidaten Hamburg und Ludwigsburg steht die Begegnung in Braunschweig besonders im Fokus. »Jeder weiß, dass dies ein sehr wichtiges Spiel sein wird«, sagt 46ers-Sportdirektor Sebastian Schmidt mit Blick auf die Tabelle. Für ihn und Trainer Pete Strobl ist es zudem die Rückkehr zu ihrem alten Arbeitgeber, die angesichts der sportlichen Bedeutung aber in den Hintergrund rückt. Dennoch sagte Schmidt am Montag: »Für mich ist es auf jeden Fall ein besonderes Spiel. Natürlich freut man sich, bekannte Gesichter wiederzusehen, zum anderen will man bei seinem Ex-Klub unbedingt gewinnen.«

Die Lage: Mit 6:16 Punkten stehen die 46ers auf Rang 16 und damit direkt vor den beiden Abstiegsplätzen, die Frankfurt (6:18) und Oldenburg (4:18) belegen. Die Braunschweiger sind nach zuletzt zwei Siegen in Würzburg und gegen Bayreuth vorbeigezogen und rangieren mit 8:14 Zählern auf Rang 13. Mit einem Sieg könnten die 46ers etwas entspannter nach Hamburg (7.) und Ludwigsburg (8.) fahren. Auch dort sind die 46ers sicher nicht chancenlos - zuletzt am Samstag bei der 95:103-Niederlage gegen den Zweiten aus Bonn haben sie bewiesen, dass sie gegen Topteams mithalten können.

Neuer Spieler: Die 46ers stehen kurz vor der Verpflichtung eines neuen Profis als Ersatz für den in die USA zurückgekehrten BJ Blake. Das bestätigte Sportdirektor Schmidt am Mittwochmittag. »Es ist ein Spieler, der verschiedene Positionen bekleiden kann«, sagte Schmidt, der sich ansonsten bedeckt hielt und auch nicht prognostizieren konnte, wann die Verstärkung zum ersten Mal an Bord sein wird. Dass er schon heute in Braunschweig mit von der Partie ist, hält der Sportdirektor für »sehr, sehr unwahrscheinlich«.

Gegner Braunschweig: Den Löwen gelang am Freitagabend ein Befreiungsschlag: Sie fegten die Bayreuther, die zwei Tage zuvor noch auf europäischer Bühne in Russland im Einsatz waren, mit 99:62 aus der Halle und holten den zweiten Sieg in Serie. Der katalanische Trainer Jesus Ramirez, der zu Saisonbeginn die Nachfolge von Strobl angetreten hat, setzt auch auf zwei gebürtige Gießener: Shootingguard Robin Amaize ist ein Leistungsträger im Team und verbucht pro Partie 14,2 Punkte und 4,1 Rebounds. Er liegt damit nahezu gleichauf mit Topscorer Martin Peterka (14,3). Der 2,05 m große tschechische Powerforward ist der gefährlichste Distanzschütze der Braunschweiger - sechsmal pro Partie drückt er von außen ab und trifft dabei fast 54 Prozent seiner Versuche. Der zweite Gießener im Löwen-Team ist Center Benedikt Turudic, der von der Bank kommt und es auf durchschnittlich 6,6 Punkte und 5,0 Rebounds bringt. In glänzender Verfassung zeigte sich zuletzt der deutsche Nationalspieler David Krämer. Die Fäden im Aufbau zieht der US-Amerikaner Tookie Brown.

Gegner Hamburg: Die Hanseaten, die am Mittwochabend noch im Euro-Cup in Trient in Norditalien antraten, sind zu Hause eine Macht - erst einmal mussten sie sich in der Liga in der Edel-Optics-Arena geschlagen geben. Der spanische Trainer Pedro Callas hat ein erfahrenes, ausgeglichenes und aggressiv verteidigendes Team zusammengestellt, das in der Offensive heißlaufen kann. Beim jüngsten 100:88-Sieg in Würzburg ragte der estnische Center Maik Kotsar mit einem Double-Double (18 Punkte/11 Rebounds) heraus, der zusammen mit Caleb Homesley (14,6) und Aufbauspieler Jaylon Brown (13,8) der Haupt-Punktelieferant der Towers ist. Eine immer wichtigere Rolle spielt auch der 20-jährige Pointguard Justus Hollatz. Der Nationalspieler hatte in Würzburg nicht nur aufgrund seiner 18 Zähler großen Anteil am Sieg. Auch die Hamburger haben einen Mittelhessen im Team: den Ex-Licher Robin Christen.

Kraushaar und Binapfl im Kader

Personelles: Bjarne Kraushaar und Kilian Binapfl sind nach ihren Verletzungspausen Anfang der Woche wieder ins Teamtraining eingestiegen. Sie gehören in Braunschweig wieder zum 46ers-Kader. Von den Doppellizenzlern wird Tim Uhlemann heute für die Rackelos spielen. Das Farmteam ist zeitgleich in der ProB in Ulm im Einsatz. Maxi Begue wird in Braunschweig auf dem Parkett stehen. Bei den Löwen und Towers sind alle Leistungsträger an Bord.

Die Corona-Situation: Die Braunschweiger dürfen noch vor Zuschauern spielen. Sie haben ein ähnliches Hygienekonzept wie die 46ers (2G-Plus und FFP2-Maskenpflicht) und dürfen maximal 1950 Plätze besetzen. In Hamburg war bis Mittwochabend noch unklar, ab wann die von der Politik beschlossenen Geisterspiele umgesetzt werden. Während die Regelung bundesweit ab dem 28. Dezember greift, wird in Hamburg diskutiert, die Maßnahmen schon ab dem 24. Dezember einzuführen - dann würde die Begegnung am zweiten Weihnachtstag zum Geisterspiel. Sollte die zuletzt bestehende Regelung am Sonntag noch Bestand haben, dürfen unter dem 2G-Konzept bis zu 2800 der 3600 Plätze in der Arena im Stadtteil Wilhelmsburg besetzt werden.

Das sagt Coach Strobl: »Wir haben eine schwierige Serie von Auswärtsspielen über die Feiertage vor uns. Da dies fast wie ein Spielplan eines EuroLeague-Teams ist, ist es wichtig, dass wir uns wirklich auf uns selbst fokussieren, denn zwischen den Spielen bleibt nicht so viel Zeit, um uns vorzubereiten, wie wir es gewohnt sind. Wir werden hart kämpfen, um Siege einzufahren.«

Rückkehr der Geisterspiele: »Bitter und tragisch«

Das Hessen-Derby der Gießen 46ers gegen die Skyliners Frankfurt wir zum Geisterspiel. Nach dem Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz, dass Sportveranstaltungen ab dem 28. Dezember nur noch ohne Zuschauer stattfinden dürfen, findet das Derby am 2. Januar (15 Uhr) und höchstwahrscheinlich auch das Heimspiel am 8. Januar gegen Göttingen ohne Zuschauer statt. »Das ist für uns bitter und tragisch. Nicht nur atmosphärisch und weil es das Hessen-Derby betrifft, sondern auch unter dem wirtschaftlich Aspekt«, sagt 46ers-Sportdirektor und Geschäftsführer Sebastian Schmidt: »Ich bin ein Verfechter davon, dass wir die Pandemie gemeinsam in den Griff bekommen müssen, aber dass durch die neue Verordnung einer vermeintlich sicherer Veranstaltung - 100 Prozent Sicherheit gibt es derzeit nicht - ein Riegel vorgeschoben wird, ist schon hart«, kommentierte er die Entscheidung der Politik - auch mit Blick auf die vergleichsweise niedrigen Corona-Zahlen in Gießen.

Klitzekleiner Lichtblick: Von der Politik gibt es Signale, dass die Bundeshilfen für entgangene Ticketeinnahmen bis zum Ende dieser Saison verlängert werden sollen. KUS

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