Spektakulär: Gießens Scottie James Jr. setzt bei der 71:93-Niederlage seiner 46ers zum Dunking an. Münchens Matej Rudan (Nr. 66) ist in dieser Szene ehrfürchtiger Zuschauer. FOTO: VOGEL
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Spektakulär: Gießens Scottie James Jr. setzt bei der 71:93-Niederlage seiner 46ers zum Dunking an. Münchens Matej Rudan (Nr. 66) ist in dieser Szene ehrfürchtiger Zuschauer. FOTO: VOGEL

Gießen 46ers

Gießen 46ers erfüllen beim FC Bayern die Erwartungen

  • vonMartin Vogel
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Es war das Ziel, sich beim FC Bayern nicht das Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben kaputt machen zu lassen. Das dürfte den Gießen 46ers am Sonntag beim 71:93 an der Isar gelungen sein.

Die Münchener, die ohne den verletzten Nihad Djedovic, Nick Weiler-Babb und ihren Superstar Vladimir Lucic angetreten waren, spielten ohne große Anstrengung ihren Stiefel in dieser Basketball-Bundesliga-Partie herunter und gewannen problemos.

Bei den 46ers hatte sich Spielmacher Jonathan Stark schon nach viereinhalb Minuten drei Fouls eingehandelt und verbrachte den Rest der ersten Hälfte auf der Bank. Das hatte jedoch im ersten Viertel gar keine allzu großen Auswirkungen: Beim 11:19- Rückstand waren die Gießener nach den ersten zehn Minuten durchaus noch im Soll. Doch im zweiten Viertel begann der Qualitätsunterschied zwischen den beiden Teams langsam offensichtlicher zu werden: Vor allem unter dem Korb konnte kein Gießener die beiden US-Amerikaner JaJuan Johnson und vor allem Jalen Reynolds halten. Bei den 46ers konnte vor allem Bjarne Kraushaar gute Ansätze zeigen: Mit 13 Punkten und fünf Assists war der Fast-Nationalspieler bester Gießener auf dem Parkett.

Beim 31:51 aus Gießener Sicht war das Spiel zur Halbzeit bereits vorentschieden. Doch nach dem Seitenwechsel wurde aus der zuvor zerfahrenen Partie ein deutlich ansehnlicheres Spiel. So sorgten auf der einen Seite die Münchener für Highlights, als Johnson und Reynolds absolut sehenswerte Dunks einflogen. Aber auch die Gießener wirkten nun etwas gelöster, aktiver und spielten mit. Zwar gelang es nicht, den Rückstand zu verkürzen - auch dann nicht, als im Schlussviertel vor allem die Talente Sasha Grant, Matej Rudan und Jason George für die Münchener auf dem Parkett standen -, aber das ist am Ende der Qualität der Gießener Mannschaft geschuldet, und für die kann ein Duell mit dem FC Bayern kein Gradmesser sein.

Einstellung stimmt bei Mittelhessen

Von der Einstellung her allerdings wussten die 46ers zu gefallen, was an diesem Abend die Hauptsache sein sollte. Nach drei Auswärtsspielen in sechs Tagen, darunter die Duelle mit dem nördlichsten und dem südlichsten Gegner der Liga, und einer Rotation von zehn Spielern erfüllte die Mannschaft die Erwartungen, die man realistisch an sie haben durfte.

"Ich fand die erste Halbzeit ähnlich wie die zweite Hälfte. Wir haben uns im ersten Viertel die Sachen gut rausgespielt, einen Schritt nach vorne gemacht und Dinge richtig gemacht. Ob man etwas richtig macht oder nicht, entscheidet sich nicht daran, ob der Ball reingeht oder nicht. Mit diesem guten Gefühl haben wir die anderen Viertel dann gespielt. Natürlich ist es immer doof, wenn man verliert, aber ich glaube, es war für die nächsten beiden Spiele eine gute Partie für uns", konnte Cheftrainer Ingo Freyer dem Spiel durchaus Positives abgewinnen.

Weniger froh war er über die anstrengende Woche: "Natürlich ist das schön, das wir immer zusammen essen, unter einem Dach schlafen - aber es wiegt nicht auf, dass wir nicht richtig trainieren können, uns nicht ordentlich auf den Gegner vorbereiten können. Jetzt denkt man vielleicht ›Das geht München auch dauernd so‹, aber die haben einen Kader von 16, 18 Mann - und wir spielen derzeit mit zehn."

Und bei den 46ers vor allem ein Spieler: Ein echter Go-to-guy, der die Mannschaft auch tragen und mitreißen, seinen Mitspielern Räume schaffen kann und in der Lage ist, den Unterschied zu machen. Routinier Brandon Thomas schaffte es an seiner alten Wirkungsstätte nicht, sich als erste Option im Angriff zu zeigen - trotz 15 Zählern am Ende. Stattdessen machte er schmerzhaft deutlich, dass genau das den 46ers in dieser Saison noch fehlt.

Am Dienstag und Freitag gilt es

Aufbauspieler Stark könnte die Anlagen dafür besitzen, ist allerdings nach einem Jahr Verletzungspause und seinem Ausfall in der Vorbereitung noch lange nicht auf dem Leistungsniveau, das er vom Talentlevel her erreichen könnte. Mit Isaac Hamilton steht ein vielseitiger Spieler im Kader, der allerdings im Angriff die Rolle als zweite oder dritte Option ausfüllen sollte.

In dieser Woche gilt es für die 46ers: Mit dem Spiel gegen Weißenfels am Dienstag und der Partie gegen Aufsteiger Chemnitz am Freitag kommen zwei schlagbare Gegner in die Osthalle. Schaffen die Gießener hier zwei Siege, sind die Mittelhessen absolut im Soll - ganz unabhängig vom Ergebnis aus München.

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