Gießen 46ers vor dem Start in die Basketball-Bundesliga-Saison 2020/21 (hintere Reihe, von links): Brandon Thomas, Tim Uhlemann, Johannes Richter, Brandon Bowman, Scottie James JR, Alen Pjanic; vordere Reihe (von links): Physiotherapeut Nico Brendel, Teamarzt Dr. Ulrich Faber, Sportdirektor Michael Koch, Cheftrainer Ingo Freyer, Liam O’Reilly, Bjarne Kraushaar, Jonathan Stark, Ferdinand Zylka, Tim Köpple, Isaac Hamilton, Assistenztrainer Steven Wriedt, Teammanager Sören Beck, Athletiktrainer Lukas Lai, Teamarzt Dr. Wolfgang Leutheuser, Teamärztin Dr. Petra Michel-Leutheuser. Es fehlt Andrew Rowsey. TEAMFOTO UND ALLE PORTRÄTBILDER: CHRIS KETTNER FOTODESIGN
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Gießen 46ers vor dem Start in die Basketball-Bundesliga-Saison 2020/21 (hintere Reihe, von links): Brandon Thomas, Tim Uhlemann, Johannes Richter, Brandon Bowman, Scottie James JR, Alen Pjanic; vordere Reihe (von links): Physiotherapeut Nico Brendel, Teamarzt Dr. Ulrich Faber, Sportdirektor Michael Koch, Cheftrainer Ingo Freyer, Liam O’Reilly, Bjarne Kraushaar, Jonathan Stark, Ferdinand Zylka, Tim Köpple, Isaac Hamilton, Assistenztrainer Steven Wriedt, Teammanager Sören Beck, Athletiktrainer Lukas Lai, Teamarzt Dr. Wolfgang Leutheuser, Teamärztin Dr. Petra Michel-Leutheuser. Es fehlt Andrew Rowsey. TEAMFOTO UND ALLE PORTRÄTBILDER: CHRIS KETTNER FOTODESIGN

Gießen 46ers

Für Gießen 46ers eine Saison mit vielen Unwägbarkeiten

  • Wolfgang Gärtner
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Die Gießen 46ers stehen wie die anderen 17 Clubs vor einer herausfordernden Saison 2020/21 in der Basketball-Bundesliga. Keiner kann sagen, ob sie überhaupt zu Ende gespielt wird. Bereits der Start der 46ers in die BBL fällt flach. Das Coronavirus hinterlässt gleich seine Spuren.

Aktuell hat das Virus bei den Gießen 46ers kurz vor dem Heimspiel-Auftakt gegen den Mitteldeutschen BC zugeschlagen. Ein Spieler der Profimannschaft wurde positiv getestet, der Rest musste in Quarantäne. Die Premiere am Samstag um 18 Uhr in der Sporthalle Ost fällt damit aus, die Partie wird verlegt. Mit dem unvorhersehbaren Parameter Corona muss nicht nur die neuformierte Gießener Mannschaft von Trainer Ingo Freyer während der gesamten Saison rechnen.

Status quo: Knapp sechs Wochen Vorbereitung liegen hinter den 46ers - die BBL-Pokalauftritte in Vechta waren bewusst miteinbezogen. Dort gab es ausschließlich Niederlagen: gegen Vechta, Frankfurt und Göttingen. Wobei das Duell gegen die Veilchen aus Niedersachsen für die Freyer-Truppe die beste Vorstellung in der Preseason war. Erst nach Verlängerung mussten sich die Lahnstädter geschlagen geben. "Was ich sehen wollte, dass sich die Mannschaft von Spiel zu Spiel verbessert und an sich arbeitet, das hat man deutlich sehen können. Die Mannschaft ist intakt", kommentierte Sportdirektor Michael Koch.

Kommen und Gehen: Wie in fast allen Jahren bei den 46ers wurde fast der gesamte Kader ausgetauscht. Von den Stammspielern hatten nur noch die Eigengewächse Bjarne Kraushaar (Guard) und Alen Pjanic (Forward) sowie Routinier Brandon Thomas (Forward) gültige Verträge - dazu die Doppellizenzler Tim Köpple und Tim Uhlemann.

Acht neue Spieler rekrutierten Cheftrainer Freyer, "Co" Steven Wriedt und Koch, der zudem noch das Amt des Geschäftsführers innehat. Über die Verpflichtung von Aufbauspieler Jonathan Stark freuten sich die Verantwortlichen ganz besonders. Ausgerechnet der Hoffnungsträger Nummer eins verletzte sich dann aber in der Vorbereitung (Muskelbündelriss im Oberschenkel), sodass mit Andrew Rowsey kurzfristig Ersatz geholt wurde. Ebenfalls für den Backcourt kam Liam O’Reilly. Der 24-jährige Comboguard spielte zuletzt auf Zypern für Apollon Limassol. Ferdinand Zylka (vorher Mitteldeutscher BC) komplettiert die Kreativabteilung. Er ist mit einer Doppellizenz ausgestattet. Zudem schloss sich Isaac Hamilton den Mittelhessen an, ein variabler Dreier, der im Team neben Thomas die Funktion als Allrounder einnimmt. Der 26-Jährige braucht noch Zeit, um sich zu akklimatisieren.

Indes hat nach Anpassungsschwierigkeiten die neue Brettspielergarde ihr Potenzial abgerufen. Sowohl der 36-jährige Weltenbummler Brandon Bowman als auch Johannes Richter (zuvor Würzburg) und der frisch vom College nach Deutschland gekommene Scottie James JR punkteten gegen Göttingen im BBL-Pokal zweistellig - und griffen auch beherzt beim Rebound zu.

Schlüsselspieler: Jonathan Stark soll bei den Gießen 46ers auf der Spielmacherposition den Taktstock schwingen. Mit der Rückkehr des US-Amerikaners wird in Kürze gerechnet. Der 25-Jährige, der im vergangenen Jahr wegen eines Kreuzbandrisses pausieren musste, ist ein athletischer und schneller Pointguard. Er ist sehr dominant, kann gut verteidigen, selbst vielseitig scoren und hat ein Auge für das Spiel und den Teamkollegen. "Ich freue mich, dass wir einen Spieler mit seiner Qualität für die 46ers gewinnen konnten", sagte Freyer.

Der Trainer und sein Stil: Ingo Freyer ist kein Defense-Verfechter. Er liebt den Run-and-Gun-Basketball, hohes Tempo, Athletik, die schnellen Abschlüsse. Freyers Wunsch ist, dass sein Team den Gegner in jeder Sekunde im Angriff und in der Abwehr unter Druck setzt. Im Set-Play setzt der 49-Jährige verstärkt auf eine Pick-and-Roll-Offense. Meist mit dem Ziel, einen freien Wurf jenseits der 6,75-m-Linie zu erhalten. In der vergangenen Saison resultierten 47 Prozent aller Abschlüsse aus dem Blocken und Abrollen, was BBL-Bestwert bedeutete. Bei der Auswahl der neuen Spieler achtete er darauf, dass sie auf mehreren Positionen einsetzbar sind, was die Flexibilität und die Unberechenbarkeit im Spiel erhöht. Der Trainer kündigte an, dass die Fans einen neuen 46ers-Spielstil zu sehen bekommen werden.

Problemzonen: Bei den 46ers ist das Reboundverhalten verbesserungswürdig. Defensiv muss jeder Spieler beim Ausboxen verstärkt seinen eigenen Widersacher im Blick haben. Oft fehlt die Orientierung im Raum. Und in der Offensive muss konsequenter zum Rebound gegangen werden. Insgesamt muss in der Abwehrarbeit individuell wie auf Mannschaftsebene aggressiver agiert werden. Man darf sich im Eins-gegen-Eins nicht so schnell geschlagen geben.

Umfeld: Die Solidarität auf wirtschaftlicher Ebene sei in der schwierigen Zeit groß gewesen, so Geschäftsführer Koch. "Den Antrag für den vom Staat eingerichteten Hilfsfonds haben wir gestellt. Bescheid haben wir noch nicht." Die Nothilfe sieht vor, dass die ausbleibenden Zuschauereinnahmen in den Monaten April bis Dezember 2020 zu 80 Prozent erstattet werden. Jede Unterstützung sei enorm wichtig. Das erleichtere die Arbeit. Klar sei aber auch, dass eine solche Überbrückung die fehlenden Einnahmen nicht ausgleichen könne.

Prognose: Die Gießener Fans sind in der vergangenen Saison nicht gerade mit Siegen überschüttet worden. Sechs waren es insgesamt bei 20 Partien - fünf davon in zwölf Heimspielen. Trainer Freyer wird bei einigen Anhängern kritisch beäugt, für sie wird zu wenig Augenmerk auf die Defense gelegt, ihnen fehlt ein strukturiertes Teamspiel, und sie bemängeln den übertriebenen Run-and-Gun-Stil. Der wird sich sicherlich nicht ändern. Diesmal hat Coach Freyer viele Akteure dabei, die von ihrer Art her seine Philosophie umsetzen können. Dennoch geht es für die 46ers nur um den Klassenerhalt. Und den sollten sie so schnell wie möglich perfekt machen.

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