Gießens bester Scorer bei der Heimniederlage gegen Bamberg - Guard Jonathan Stark (mit Ball) gegen Chase Fieler. FOTO: FRIEDRICH
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Gießens bester Scorer bei der Heimniederlage gegen Bamberg - Guard Jonathan Stark (mit Ball) gegen Chase Fieler. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers

Für Gießen 46ers eine Aufholjagd ohne Happy End

  • Wolfgang Gärtner
    vonWolfgang Gärtner
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Zweites Spiel, zweite Niederlage. Die Gießen 46ers verlieren in der BBL gegen Bamberg mit 99:106. Dabei zeigt die Mannschaft von Trainer Ingo Freyer zwei Gesichter: Nach einer schwachen ersten Halbzeit folgt eine starke zweite.

Es hat nicht ganz gereicht für die Gießen 46ers gegen Bamberg. Nach dem 42:58- Halbzeitrückstand starteten sie eine Aufholjagd, die letztlich aber nicht belohnt wurde. Gießens Aufbauspieler Jonathan Stark, mit 27 Punkten Topscorer der Basketball-Bundesliga-Partie, bilanzierte am Sonntagabend in der zuschauerlosen Osthalle: "Wir müssen besser in der Defense werden - vor allem in der Pick-and-Roll-Verteidigung."

Die Gießen 46ers waren aber auch in ihren Angriffsbemühungen gegenüber den Bambergern zu limitiert und in der Defensive oftmals einen Schritt zu langsam - wie es Stark selbst sagte. In Hälfte eins versuchten die 46ers ihr Heil in der Offense fast ausschließlich über den Wurf jenseits der 6,75-m-Linie. Der fiel aber fast gar nicht. Neue Impulse, das Angriffsspiel zu verändern, gab es nur wenige. Am Offensivverhalten änderte sich nicht viel, wenngleich es mit dem Trefferquotienten in Hälfte zwei besser wurde. Von einem Teamspiel war wenig zu sehen. Eben Freyer-Basketball: Wer frei ist, wirft.

Die Bamberger überzeugten dagegen mit einer enormen Variabilität. Zweimal musste sich die Mannschaft von Trainer Johan Roijakkers in den drei absolvierten BBL-Partien bereits auswärts geschlagen geben - bei den 46ers ließen sie von Anfang an nicht viel anbrennen und zeigten ihre Qualitäten an beiden Enden des Feldes.

Am Einsatz der Gießener gab es nichts zu bemängeln - sie legten sich ins Zeug, aber sie fanden keinen Rhythmus. Klar, die lange Spielpause - innerhalb von sechs Woche kamen die Mittelhessen aufgrund von Corona nur zu einem Pflichtspiel, das sie chancenlos mit 81:106 gegen starke Ulmer verloren -, merkte man ihnen deutlich an. Da blieb vieles Stückwerk.

Bereits beim 2:8 war Trainer Freyer gezwungen, die erste Auszeit zu nehmen. Die 46ers griffen zwar beherzt in der Abwehr zu, zogen sich aber viel zu früh schon Fouls zu, sodass sie nach fünf Minuten bereits fünf davon gesammelt hatten. Freiwürfe von den Gästen war die Konsequenz. Über 16:10 (Devon Hall) zogen die Oberfranken bis auf 21:12 davon. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gießener bereits sechs Dreier verballert, waren aber nicht in der Lage, ihr Angriffsschema zu verändern. Der Blick in Freyers Gesicht verriet alles - er schaute skeptisch drein.

Der erste Dreier fiel für den Gastgeber erst kurz vor dem Ende des ersten Viertels. Das Gießener Eigengewächs Alen Pjanic hatte Maß genommen - nach dem 21:29 kam bei den Gießenern Hoffnung für die zweiten zehn Minuten auf.

Die Franken blieben aber cool im Angriff, sie konnten sich auf die Qualitäten ihres Centers David Kravish verlassen. Der 2,08-m-Mann stellte auf 33:23, sowohl Johannes Richter als auch Scottie James JR bekamen ihn nicht in den Griff. Die 46ers blieben aber kämpferisch. Und mit Bjarne Kraushaar als Spielgestalter kam ein bisschen mehr Struktur in das Spiel der Lahnstäder. Davon profitierte Richter beim 27:37, der turbulente Tage hinter sich hatte: Am Freitag wurde Gießens Center Papa eines Sohnes und gestern feierte er seinen 27. Geburtstag - leider ohne das Geschenk eines Sieges.

Die 46ers hielten sich strikt an die Anweisung und blieben beim Wurf aus der Distanz. Jonathan Stark war es vergönnt, den zweiten zu treffen (30:40) - beim insgesamt zwölften Versuch. Nachdem die Bamberger mit dem 48:32 die höchste Führung erreicht hatten, sorgte James JR nach einem Einwurfspiel für ein Highlight, als er völlig frei eindunkte.

Lockhart, der in der Jugend alle Gießener Jugendmannschaften durchlaufen hatte und dann in die Ferne zog, startete die zweite Halbzeit mit einem Dreier. Gießen hielt aber dagegen. Und nun fielen die Würfe von ganz weit draußen. Vor allem Liam O’Reilly hatte sein Händchen gefunden - die fünf Punkte des Guards in diesem Durchgang bescherten den 46ers das 63:74, die mit dem 67:82-Rückstand in das finale Viertel gingen.

Dort zeigte die Freyer-Truppe Kämpferqualitäten und kam bis auf 77:84 (34.) auf. 41 Sekunden vor dem Ende waren es nur noch sechs Zähler, doch Bamberg ließ sich an der Freiwurflinie den Sieg nicht mehr nehmen.

Den Gießen 46ers bleibt nur wenig, um die Niederlage aufzuarbeiten. Bereits am Dienstag geht es zu den Braunschweiger Löwen, am Donnerstag zum BBL-Überraschungsteam nach Hamburg (ungeschlagen nach vier Spielen) - und am Sonntag zum Titel-Topfavoriten Nummer eins, zu den Bayern aus München.

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