LTi Gießen 46ers dürfen nur an sich denken

(gae) Keine Frage: ratiopharm Ulm ist der klare Favorit, hat mit John Bryant den besten Spieler der BBL in seinen Reihen und kommt als Bundesliga-Tabellendritter sowie als frischgebackener Top-16-Eurocup-Teilnehmer nach Mittelhessen. Das alles aber darf die LTi Gießen 46ers am Samstag um 20 Uhr in der Osthalle nicht interessieren.

Die Basketball-Erstliga-Mannschaft von Trainer Mathias Fischer muss sich nur auf sich selbst konzentrieren, nicht vor Ehrfurcht erstarren und einen weiteren Sieg im Kampf ums Überleben einfahren. "Die Spieler müssen solche Partien gegen Topmannschaften als Herausforderung sehen, sich gegen die Besten zu messen", so Fischer. "Gegen solche Teams dürfen wir uns keine Aussetzer leisten."

Immerhin ist es ein Heimspiel, und immerhin hat der Rangletzte von der Lahn am vergangenen Sonntag in Ludwigsburg ein nicht unwesentliches Lebenszeichen von sich gegeben, als er im Kellerduell – gewaltig unter Druck stehend – die "Riesen" nach Verlängerung mit 76:71 besiegte und damit den Punkterückstand auf die Schwaben und Frankfurt Skyliners auf zwei Zähler reduzierte.

Das dürfte für Selbstbewusstsein bei einigen Akteuren gesorgt haben. Elvir Ovcina und Achmadschah Zazai haben sicherlich eine gehörige Portion davon abbekommen. Die beiden übernahmen beim Coup in der Barockstadt Verantwortung und avancierten zu den Matchwinnern. Gleichwohl zeigte Neuzugang Jeffrey Bonds, über welches basketballerische Potenzial er verfügt. Mit einer Woche mehr Training mit der Mannschaft und der Vorfreude auf das Heimdebüt dürfte sich der 30-Jährige leistungsmäßig noch steigern.

"Um ihn noch besser ins Spiel zu integrieren, haben wir im Training viel gespielt", erklärt Fischer.

Indes muss Ryan Brooks unbedingt seine Turnover-Rate minimieren und sich nicht zu schnell in Foulprobleme bringen. Jasmin Perkovic gab vor allem in der Crunch-Time der Defensive Stabilität, und Oskar Faßler trat wie gewohnt solide auf.

Gehörig steigern müssen sich dagegen die beiden US-Amerikaner Dijuan Harris und LaQuan Prowell. Letztgenannter muss als Führungsspieler eine andere Körpersprache an den Tag legen und im Angriff mehr Initiative ergreifen. Doch sollte der athletische Powerforward dabei nicht ausschließlich den Wurf aus der Distanz favorisieren, sondern auch einmal mit Mut zum Korb ziehen. Sein Landsmann Harris sollte sich am Samstag an seinen Auftritt gegen Bonn erinnern, als er seine Gegenspieler narrte und die Spielgeschwindigkeit vorgab.

Der 1,75-m-Wirbelwind sollte sich aber nicht zu sehr auf das Penetrieren festlegen, da mit Bryant ein cleverer Center in der Mitte des Ulmer Deckungsverbands steht, der nur darauf warten wird, dass Harris in seine Nähe kommt, um ihn – wie zuletzt die Berliner Centergarde – zu blocken. "Sie haben beide gut trainiert, und es sind Gespräche geführt worden", so Fischer, der anfügt: "Ich erwarte, dass sie besser spielen als in den letzten beiden Spielen."

An Selbstvertrauen wird es den Ulmern indes nicht mangeln. In der vergangenen Woche zog die Mannschaft des früheren Gießener und Licher Trainers Thorsten Leibenath nach einem 86:81-Kraftakt in Zagreb in die Runde der Top-16-Teams im Eurocup ein (zu vergleichen mit der im Fußball bekannten Europa League). Ein weiterer großer Erfolg des letztjährigen deutschen Vizemeister, der aktuell in der Bundesliga mit 18:8 Punkten auf Platz drei rangiert.

Leibenath hat bei den Schwaben Großartiges geleistet und es erneut verstanden, für die aktuelle Spielzeit eine funktionierende und erfolgreiche Mannschaft zusammenzustellen. Geblieben an der Donau sind neben dem letztjährigen MVP Bryant die weiteren Leistungsträger Nationalspieler Per Günther (übrigens in Gießen geboren und vor seinem Wechsel von Hagen nach Ulm 2008 auch ein Kandidat für die 46ers) und die flexibel einsetzbaren Flügelspieler Dane Watts, Keaton Nankivil und Kapitän Steven Esterkamp. Verstärkt haben sich die Ulmer, die einen Etat von rund 4,25 Millionen Euro aufweisen, mit dem Ex-NBA-Spieler Allan Ray (Boston Celtics), dem vom FC Bayern München ausgeliehenen Nationalspieler Philipp Schwethelm, dem 2,04-m-Mann Daniel Theis (vorher Braunschweig) und dem Komboguard Lance Jeter, der als Ersatz für den verletzten Spielmacher Tommy Mason-Griffin (Knorpelschaden am Knie) noch vor der Saison geholt wurde.

"Die Ulmer sind tief besetzt. Sie kassieren zwar viele Punkte, machen aber auch viele, meist von der Dreierlinie aus. Das heißt, wir müssen wie in Ludwigsburg in der Defense auf den Außenpositionen Druck erzeugen", konstatiert Fischer. Von seinem Team erwartet er im Angriff eine gute Balance zwischen schnellem und kontrolliertem Spiel. Gespannt ist der 46ers-Coach auf das Dreier-Shooting zwischen den großen Bryant und Ovcina. Und wie sagte Fischer nach dem Sieg in Ludwigsburg: "Einige Spieler haben heute ein großes Herz gezeigt, allen voran Elvir Ovcina und ›Chacha" Zazai. Wir hoffen nun, dass wir noch vor dem Jahreswechsel den einen oder anderen weiteren Sieg holen können." Die Gelegenheit haben die LTi 46ers am Samstag – und wie skandieren die Fans immer: Auf geht’s Gießen, kämpfen und siegen!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare