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Matteo Menges (Mitte) mit der Hüttenberger C-Jugend im Derby gegen die HSG Dutenhofen/Münchholzhausen im November 2018.

Gewagter, aber überlegter Schritt

Matteo Menges hat mit 15 Jahren den Gang in das Handball-Internat des SC DHfK Leipzig gewagt. Das überrascht. Denn der Youngster kommt aus der Handball-Hochburg in Mittelhessen. Die Gründe.

Kürzlich vermeldeten die HSG Wetzlar und der TV 05/07 Hüttenberg ihre engere Zusammenarbeit im männlichen Jugendbereich, um mit dem steigenden Leistungsniveau des deutschen Jugendhandballs mithalten zu können. Einer, der aus Mittelhessen heraus frühzeitig den Sprung vom TV 05/07 Hüttenberg auf ein Handball-Internat gewagt hat, ist der 16-jährige Matteo Menges. Neben seiner Rolle als Jugendspieler des SC DHfK Leipzig ist er mittler- weile fester Bestandteil der U 17-Nationalmannschaft von Chefbundestrainer Jugend, Jochen Beppler (Gießen).

»Er ist sportlich zu unserem kreativen Kopf geworden, hat sich aber auch innerhalb kürzester Zeit als Mensch sehr entwickelt. Er hat immer Bock zu trainieren, bewahrt dabei aber auch immer seine wichtige Haltung zwischen sportlicher und schulischer Entwicklung«, findet Beppler lobende Worte über Menges. Im Sommer 2019 zog es den Sohn des ehemaligen Sportlichen Leiters des TV Hüttenberg, Torsten Menges, von seinem Heimatverein Hüttenberg Richtung Sachsen. Im Oktober 2020 folgte dann die erste Nominierung zur U 16-Nationalmannschaft. Seit vergangenem Wochenende spielt er mit der B-Jugend des SC DHfK Leipzig die Mitteldeutsche Meisterschaft aus, um sich gegebenenfalls dann für die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Weshalb er die Entscheidung traf, Leipzig sportlich der Heimat vorzieht und wie er sich in Leipzig fühlt, erzählt er im Interview.

Wann hast du denn anfangen mit dem Handball spielen?

Ich habe mit fünf Jahren zum ersten Mal Handball gespielt. Angefangen hat es damit, dass mein Vater Trainer war und ich in Hüttenberg immer mitgegangen bin, um bei den Großen zuzugucken. Die freien Minuten hat er dann oft genutzt, um mir immer wieder handballerische Grundelemente beizubringen und zu üben. Das hat sich dann in der D-Jugend fortgesetzt, als er eine Saison lang mein Trainer war. Vor allen Dingen das Eins- gegen-Eins ist, denke ich, deshalb auch meine größte Stärke heute.

Wie bist du darauf gekommen, zum SC DHfK Leipzig zu wechseln?

Meine Eltern hatten über handball-world auf der Website entdeckt, dass dort ein Probetraining angeboten wird. Dann haben sie mich gefragt, ob ich mir das mal anschauen will. So hat es sich dann ergeben, dass aus einem Probetraining Ende 2018 sogar eine Probewoche wurde.

Weshalb fiel deine Entscheidung auf Leipzig, statt in der Heimat bei Hüttenberg deinen Weg weiterzugehen?

Ich wollte den Handball mit der Schule verbinden, was hier in Leipzig einfach perfekt organisiert ist. Meine Schule hier hat einfach die Absprache mit dem Verein, dass ich Training, Lehrgänge und Schule perfekt geplant bekomme und ich alle Termine problemlos wahrnehmen kann.

Deine Entscheidung hatte auch zu Folge, dass du Familie und Freunde ein Stück weit hinter dir lassen musstest. Wie war die Situation für dich dahin-gehend?

Klar war es anfangs komisch. Aber meine Familie und meine Freunde haben sich alle hinter mich gestellt und mich unterstützt. Die Distanz haben wir viel über Telefonate gelöst, sodass es kein wirkliches Problem war.

Bereust du den Schritt nach Leipzig oder wie bist du dort angekommen?

Den Schritt bereue ich auf keinen Fall. Die Jungs, die mit im Internat leben, haben mich gut aufgenommen und haben mir bei allem geholfen, wenn ich Fragen hatte. Vom Handballerischen komme ich super mit den Trainern zurecht und das Training hat eine hohe Qualität.

Was für Vorzüge siehst du in deinem Wechsel und in deiner Zeit in Leipzig gegenüber den heimischen Vereinen Hüttenberg oder Wetzlar?

Da gibt es einiges. Ich kann hier deutlich mehr Training absolvieren, was uns Spielern in der Entwicklung durch die vielen Trainingsstunden mehr bringt. Dazu kommt die Struktur mit der Schule, was alles in Absprache mit dem Verein und meinen Trainern stattfindet. So gibt es keine Gefahr, dass irgendwas auf der Strecke bleibt. Wir bekommen bei Bedarf auch Nachhilfeunterricht angeboten. Noch dazu haben wir mit den monatlichen Turnieren gegen die anderen Top-teams mit Berlin etc. ein hohes Niveau, um uns dann sportlich optimal weiterzuentwickeln.

Beschreibe mal die Abläufe im Internat. Einmal aus der Zeit vor Corona und dann aktuell.

Vor Corona hatten wir montags, dienstags und donnerstags immer zweimal Schule und zweimal Training. Mittwochs und freitags dann jeweils nur einmal. Dazu hatten wir einmal im Monat immer eine Art Leistungsturnier mit Magdeburg, Berlin und Potsdam. Während Corona sind natürlich die Spiele ausgesetzt. Aber durch das Testangebot des Vereins haben wir die Möglichkeit, viermal die Woche in einer Kleingruppe in der Halle zu trainieren und einmal gibt es ein Online-Training.

Wie ist denn dein Kontakt zu deinen Eltern in die Heimat im Internat-Alltag?

Bei Spielen kommen sie immer nach Leipzig. Ansonsten telefonieren wir oft, ich kann sie auch fragen, wenn ich was zur Schule nicht weiß. Die Wochenenden haben wir zur normalen Zeit dann oft gemeinsam in Leipzig verbracht.

Wenn du dich - menschlich betrachtet - vergleichst zu deiner Ankunft in Leipzig und heute: In welchen Bereichen hast du dich entwickelt?

Im Internat haben wir Pflichten wie Essen selbst kochen, aufräumen, Wäsche waschen oder putzen. Dinge, die wir so früh für das Leben lernen. Deshalb finde ich, war der Schritt für mich definitiv richtig. Ich finde, je früher man die Sachen lernt, desto besser ist es.

Ihr hattet vergangenes Wochenende euer erstes Pflichtspiel seit langer Zeit und habt gegen Magdeburg 28:23 gewonnen. Was war so dein Gefühl und wie ist dein Eindruck?

Nach so langer Zeit brauchten wir etwas, um wieder reinzukommen. Drei Monate ohne Spiel ist eben eine lange Zeit. Wir trainieren seit Ende Februar wieder im Team und machen meiner Meinung nach gute Fortschritte. Unser Ziel ist es, so weit wie möglich zu kommen.

Sprechen wir zum Schluss über deine kurz- und langfristigen Ziele.

Kurzfristig war mein Ziel, in die Jugendnationalmannschaft zu kommen, was ich mir jetzt ja erfüllen konnte. Jetzt geht es mir drum, mich im Kader dort festzusetzen und Deutschland gut zu vertreten bei Spielen und Turnieren. Langfristig ist natürlich der Einstieg in die Bundesliga das Ziel.

Nachwuchs-Chefbundestrainer Jochen Beppler (rechts) bei der Taktikbesprechung mit Matteo Menges.

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