Elena Rönning und die KSG Bieber hatten einigen Widerstand zu brechen. FOTO: OV
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Elena Rönning und die KSG Bieber hatten einigen Widerstand zu brechen. FOTO: OV

Gesamtpaket der KSG hat gestimmt

  • Daniela Pieth
    vonDaniela Pieth
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Die Rückkehr ist gelungen. Die Handball-Frauen der KSG Bieber spielen in der Saison 2020/21 wieder in der Bezirksoberliga. In dieser Spielzeit wurde trotz Corona-Abbruch eine Erfolgsgeschichte geschrieben.

Wenn man jemanden aus dem KSG-Kader herausheben möchte, dann sicherlich die beiden Torfrauen Laura Rabenau und Nicole Zagermann. "Die beiden haben eine sehr starke Saison gespielt, unfassbar gut. Die beiden haben uns viel abgenommen und geholfen", lobt Rönnig. Davor erarbeitete sich eine stabile Deckung viele Ballgewinne, die zumeist in schnelle Tore umgemünzt wurden. "Das schnelle Umschaltspiel haben wir sehr gut verinnerlicht", meint Lange. "Zudem haben wir sehr schnelle und treffsichere Außenspielerinnen." Kreisläuferin Karolin Fleischmann versteht sich mit Rückraumspielern Svenja Ostermeyer fast blind. Als Top-Torschützin ist Tara Wagner ligaweit mit 83 Treffern auf Rang zehn notiert. Für die Siebenmeter war Lena Lautz zuständig, versenkte 50 bei 62 Versuchen im gegnerischen Netz.

Das Gesamtpaket KSG Bieber hat gestimmt, die Tore sind bei fast allen Spielen gut verteilt. "Jeder trägt seinen Teil dazu bei, dass Spiele bei uns funktionieren und gut laufen", sagte Rönnig und Lange ergänzte: "Das wir so souverän durch die Liga marschieren hat uns schon überrascht."

Vor allem die Spiele in der eigenen Halle waren immer ein Highlight. "Deshalb ist es doppelt schade, dass wir die Saison nicht zu Ende spielen durften", ist Rönnig ein wenig traurig. "Die vier Spiele hätten wir schon gerne noch gemacht, obwohl die Freude über die Meisterschaft einiges aufwiegt. Trotzdem fehlt ein bisschen das Gefühl, sich richtig freuen zu können."

Deshalb ist die Spannung groß, ob die Mannschaft beim Start der Vorbereitung doch noch ein bisschen Meisterschaftsstimmung hinbekommt. Wenn diese abgeklungen ist, gilt die Konzentration der neuen Liga, vor der vor allem die jüngeren Spielerinnen großen Respekt haben. "Ich wünsche mir, dass wir in der Bezirksoberliga im oberen Bereich mitspielen können und werden", schaut Rönnig voraus. "Es wird spannend, es wird interessant und es kommt ganz klar wieder auf unseren Kampfgeist und unseren Willen an und wie wir nach dieser Corona-Krise wieder zusammenfinden. Wir haben lange nicht trainiert und die Vorbereitung wird vermutlich auch ein bisschen anders ablaufen. Da müssen wir sehen, wie alles funktioniert."

Coach Tristan Lange hat mit Tine Lather (Aßlar), Lena Lautz (Wettenberg) und Katharina Bechlinger (Karriereende) für die kommende Serie drei Abgänge zu verzeichnen. Gespräche mit potenziellen Neuzugängen sind geführt, allerdings stocken die Bemühungen, da Probetrainings nicht möglich waren. Die Bezirksoberliga schätzt Lange hinter ein, zwei Favoriten sehr ausgeglichen ein. Daher kann das Ziel nur lauten, möglichst schnell viele Punkte einzusammeln, um den angestrebten Mittelfeldplatz zu verwirklichen. "Wir wollen als Verein den Mädels, die in der C- und B-Jugend Oberliga spielen, etwas anbieten. Deshalb war das mittelfristige Ziel der Aufstieg in die BOL. Dass das jetzt schon geklappt hat, freut uns natürlich sehr", so Trainer Lange.

In der WhatsApp-Gruppe der ersten Frauenmannschaft der KSG Bieber ging am 12. März, einem Donnerstag, das Gerücht um, dass der Handball-Spielbetrieb auch auf Bezirksebene abgebrochen werden sollte. Für Sonntag drauf stand das Derby gegen den Tabellenzweiten HSG Lumdatal II an. Mit drei Punkten Vorsprung vor dem Kontrahenten, der ein Spiel weniger auf dem Konto hatte, kam dieser Partie eine enorme Bedeutung auf dem Weg zur Meisterschaft in der Handball-Bezirksliga A der Frauen zu.

In den letzten drei Spielen gegen die HSG Hungen/Lich II, bei der HSG Wettertal II und gegen die TG Friedberg wollte die Mannschaft von Trainer Tristan Lange die Meisterschaft endgültig in trockene Tücher packen. Für das letzte Heimspiel war einiges vorbereitet. Im Falle des Aufstiegs sollte richtig gefeiert werden und am Wochenende des 23. und 24. Mai wollte die Mannschaft bei der Abschlussfahrt in Köln Gas geben. An jenem Donnerstag rückte das alles in weite Ferne.

Dennoch entschied sich die Truppe dazu, sich zum Training in der Halle einzufinden. "Wir haben da dann quasi ein bisschen den Aufstieg gefeiert, wenn man das so nennen kann", erklärt Elena Rönnig, die 43 Tore zum Erfolg der KSG beisteuerte, im Nachhinein. "Wobei das zu diesem Zeitpunkt noch nicht so ganz klar war. Man hat ja noch nicht einmal Zeit gehabt, sich so richtig zu freuen", ergänzt Trainer Tristan Lange, der mit seiner Mannschaft trotz Abbruch der Saison noch zwei Wochen trainieren wollte, ehe er seine Damen in die verdiente Pause schicken wollte.

Stattdessen musste am Freitag, dem 13., auch der Trainingsbetrieb eingestellt werden. "Wir haben uns am Samstag dann noch mit denen, die konnten und wollten, am Dünsberg getroffen", erinnert sich Lange. "Da ging das ja noch und war erlaubt. Da war aber die Hölle los - Fußballer, Junggesellenabschiede, Handballer. Das war ja eigentlich total bescheuert, dass man zwei Tage vor dem Lockdown auf dem Dünsberg in diesem kleinen Kämmerchen mit 150 Menschen noch zusammen feiert."

Entscheidend für den Erfolg der Biebertalerinnen war vor allem die Teamstärke und der gute Zusammenhalt mit der zweiten Mannschaft, die - wenn es eng wurde - ausgeholfen hat. "Es hat in dieser Saison wirklich viel funktioniert und es hat richtig Spaß gemacht", so Rönnig.

Die KSG Bieber legte einen guten Start hin und ging mit der Ausbeute von fünf Siegen in fünf Spielen in die Spitzenpartie gegen die HSG Pohlheim. "Das war ein Höhepunkt. Beide Mannschaften waren bis dahin ungeschlagen. Dieses Spiel zu gewinnen, hat uns noch mal einen Schub gegeben", meint Rönnig. Es war eine sehr enge Partie mit wechselnden Führungen, in dem Bieber erst in den letzten sieben Minuten den Sack zumachen konnte. "Das hat uns gezeigt: Mit dieser Mannschaft können wir etwas schaffen."

Die erste Niederlage der Saison setzte es eine Woche später mit 22:25 bei der FSG Kirchhain/Neustadt. "In dem Spiel war ein bisschen der Wurm drin, noch dazu haben ein paar Leute gefehlt. Das hat uns allerdings nicht daran gehindert, im Spiel danach gegen die HSG Lumdatal II wieder sehr stark aufzutreten."

In Dilltal erhielten die Bieberer Frauen am 4. März noch mal einen kleinen Dämpfer. In einem K(r)ampfspiel gelang der KSG ein sehr wichtiges 22:22-Unentschieden. Damit konnte der Ein-Punkt-Vorsprung vor der HSG Lumdatal II gehalten werden, die ebenfalls nur ein Unentschieden gegen Wettertal II erreichte.

Trainer Lange war in puncto Aufstieg von Beginn an sehr positiv gestimmt, während die Mannschaft mit eher gemischten Gefühlen an dieses Thema heranging. Hier ging vor allem Torhüterin Laura Rabenau voran, ihrem Team positive Impulse zu geben. "Sie war da sehr euphorisch und immer vorne mit dabei, wenn es hieß: Wir spielen oben mit, wir werden Meister und schaffen den Aufstieg", schmunzelt Rönnig.

Dennoch war sich die Truppe ihrer Stärken bewusst, wenngleich sie sich auch immer im Klaren darüber war, dass äußere Faktoren wie Tagesform oder fehlende Spielerinnen eine große Rolle spielen können. Exemplarisch dafür war der Ausfall von Luisa Laucht, die am 14. Dezember gegen die HSG Wettertal II. Die torgefährliche Rückraumspielerin zog sich im ersten Angriff einen Kreuzbandriss zu. "Das war in dem Moment echt heftig und sehr bitter für uns", so Rönnig.

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