Gerlich verlässt Hüttenberg: »Konnte nur eine Wahl treffen«

(mac) Die vergangenen Tage waren turbulent für Matthias Gerlich. Zunächst eilte der Rückraumspieler des Handball-Bundesligisten TV 05/07 Hüttenberg mit seiner Mannschaft von Punktgewinn zu Punktgewinn, dann kam zur Wahl ins All-Star-Team im Februar kürzlich die erste Berufung in die deutsche B-Nationalmannschaft hinzu – und nun flatterte auch noch ein Vertragsangebot des ambitionierten Ligakonkurrenten Rhein-Neckar Löwen ins Haus.

»Das war schon viel auf einmal«, sagt Gerlich. »Bei dem Angebot der Löwen konnte ich nur eine Wahl treffen«, fügt der 24-Jährige an, der in Mannheim einen Zweijahresvertrag unterzeichnete und die Mannschaft des TVH am Dienstag über seinen Wechsel informiert hat.

Erst möglich geworden war der Transfer durch eine Ausstiegsklausel in Gerlichs Vertrag, die ihm bis zum 9. April einen Abschied aus Hüttenberg gestattete, obwohl der 2,04 m große Rechtshänder eigentlich noch einen Vertrag bis 2013 besitzt. »Es ist blöd für den TVH, dass man jetzt einen neuen Spieler suchen muss, aber dieses Angebot konnte ich nicht ablehnen, obwohl ich mich in Hüttenberg sehr wohlgefühlt habe und dankbar bin, dass ich hier eine Bühne hatte, mich in der 1. Liga zu präsentieren«, sagt Gerlich. »Wir begrüßen es nicht, dass er uns verlässt. Aber wir haben alle Möglichkeiten, darauf zu reagieren«, erklärte indes Martin Volk vom TVH und fügte hinzu, dass der Verein den Markt nun nach einem Akteur für den linken Rückraum sondiere, man darüberhinaus aber mit Tomasz Jezewski und Jonas Faulenbach auch schon gut aufgestellt sei. »Wir gönnen ihm diesen Wechsel. Wenn man seine Vergangenheit sieht, war das ein logischer Schritt«, sagt Volk.

Gerlich hatte sein Elternhaus vor sieben Jahren verlassen und war ins Sportinternat Magdeburg gewechselt. Von dort ging er zu Tusem Essen, ehe er Anfang der Saison zum TVH stieß. »Ich habe immer darauf hingearbeitet, irgendwann einmal bei so einem Verein wie den Löwen zu spielen. Das Jahr beim TVH in der 1. Liga ist eine sensationelle Erfahrung, ich freue mich riesig, dass es für mich jetzt so weitergeht«, erklärte Gerlich, wohl wissend, dass der Schritt zu den Löwen auch ein Wagnis ist, das nicht ohne Risiko sein wird. »In erster Linie freue ich mich, dass ich ein Angebot von einem Verein aus den Top fünf erhalten habe.«

Löwen-Coach Gudmundur Gudmundsson war durch Gerlichs zehn Tore im Auswärtsspiel beim SC Magdeburg am 7. März auf den Schützen aufmerksam geworden. »Er hat das Spiel auf Video gesehen und mich danach angerufen«, erzählt Gerlich. Parallel dazu habe RNL-Manager Torsten Storm auch mit Gerlichs Berater Kontakt aufgenommen. »Gudmundsson hat mich mit seinen Vorstellungen und seiner Vision überzeugt. Er weiß, was ich kann, hat aber auch gesagt, wo ich aus seiner Sicht noch Potenzial habe. Ich bin klar zweiter Mann bei den Löwen im linken Rückraum, aber nicht hinter Kim Ekdal du Rietz, sondern neben ihm«, erzählt Gerlich über das Gespräch mit dem Coach.

Gemeinsam mit dem großen schwedischen Talent, das aus Nantes nach Mannheim wechselt, soll Gerlich den Abgang von Karol Bielecki kompensieren, der genau wie Ivan Cupic nach Kielce wechseln wird. Somit ist die Verpflichtung von Gerlich bei den Löwen als Teil des personellen Umbruchs zu sehen. Dort muss man aus finanziellen Gründen Abstriche machen und wird in Zukunft nicht mehr auf jeder Position mit zwei Weltklassespielern besetzt sein. »Gerlich ist ein junger, talentierter und ambitionierter Spieler, der im Laufe des zurückliegenden Jahres eine enorme Entwicklung genommen hat und sehr gut in unser neues Konzept passt«, so Löwen-Manager Storm.

Für Hüttenberg ist der Abgang von Gerlich nach der Saison bereits der Verlust des vierten Leistungsträgers. Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen einem weiteren Transfer einen Riegel vorschieben wollen. In Stefan Lex wird derzeit offenbar der nächste Leistungsträger von anderen Erstligisten umworben. Im Gespräch soll vor allen Dingen der TV Großwallstadt sein. »Stefan Lex hat bei uns einen Vertrag bis 2013.

Es ist für uns keine Option, Stefan vorzeitig für einen anderen Verein freizugeben, denn wir brauchen ihn im nächsten Jahr beim TVH«, macht Volk unmissverständlich klar, dass er einem weiteren Abgang eines Leistungsträgers nicht zustimmen werde.

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