Geringeres Strafmaß für den Schläger

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(op). Der Fall hat bundesweit für Aufsehen und Entsetzen gesorgt: Hayri G., ein Fußballer des C-Ligisten FSV Münster, hatte im Oktober 2019 nach einem Platzverweis den Schiedsrichter k.o. geschlagen. Weil ein Zuschauer die Szene mit seinem Handy filmte und dieses im Internet verbreitet wurde, fand sich ein großes Publikum. Millionen Fernsehzuschauer sahen das Video des brutalen Faustschlags gegen die linke Schläfe des Unparteiischen in den Hauptnachrichten der TV-Sender.

Nun ist der Fall gerichtlich abgeschlossen. Im Berufungsprozess am Landgericht Darmstadt hat die Vorsitzende Richterin Barbara Bunk die Strafe abgemildert von 15 auf sechs Monate Haft, die ohnehin auf zwei Jahre Bewährungszeit ausgesetzt worden waren. Dieses Urteil ist nun rechtskräftig.

Strittig war nach dem ersten, am 25. Juni 2020 vom Amtsgericht Dieburg verhängten Urteil vor allem, ob die Aktion als schwere oder einfache Körperverletzung zu bewerten und alle verschärfenden oder mildernden Umstände angemessen berücksichtigt worden waren.

In seinem Plädoyer revidierte selbst der Staatsanwalt seine ursprünglich härtere Strafmaßforderung und verlangte eine geringere Strafe: sieben Monate auf Bewährung. Grund sei unter anderem, dass keine schwere Körperverletzung vorgelegen habe, »auch wenn es sich um einen Grenzfall handelt«.

Dem stimmte auch Richterin Bunk zu: »Zum Glück war das auf einem Rasen und nicht auf der Straße.« Das habe den Sturz abgedämpft, was schwerere Folgen verhindert habe. Weitere Gründe für die geringere Strafe waren, dass sich G. von Anfang an geständig zeigte, nicht vorbestraft ist und schon kurz nach der Tat den Kontakt zum Schiedsrichter gesucht habe, um sich zu entschuldigen, und dabei auch dessen Wunsch nach etwas mehr Zeit respektiert hatte. Dass ein Polizeibeamter den Angeklagten nach der Tat als entspannt und wenig reumütig wahrgenommen hatte - wie aus der Verlesung von dessen Aussage aus dem ersten Prozess hervorging - verwarf die Richterin schnell und verwies auf eine Art Schockreaktion. So eine Tat müsse erst einmal verarbeitet werden. Zu diesem Zeitpunkt sei ihm vielleicht noch nicht klar gewesen, was er da getan hatte.

Strafmildernd wirkte wiederum die Entschuldigung an den Schiedsrichter, der diese auch angenommen hat, sowie die zügige Schadensersatzzahlung, erklärte Bunk und verwies auf eine »Strafrahmenverschiebung« durch den sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich. G. hatte 3500 Euro Schmerzensgeld gezahlt und auch die Auslagen der Nebenklage von rund 4400 Euro übernommen. Da er zum ersten Mal auffällig geworden ist, verzichtete die Richterin auch darauf, eine Gewalttherapie vorzuschreiben, weil es sich dabei »um eine Kurzschlussreaktion und einen Einzelfall« handele.

Am Ende des Prozesses bat G. den Schiedsrichter erneut um Entschuldigung und bot ihm an, sich einmal persönlich zusammenzusetzen, »damit ich dir zeigen kann, dass ich nicht so ein Mensch bin«. Generell wiederholte der 29-jährige G. im Laufe der Verhandlung mehrfach, dass ihm der Schlag leidtue und er sich dafür schäme. »Die Leute kennen mich jetzt nur als schlechten Menschen«, klagte er.

Nach Angriff Ende als Schiedsrichter

Das Urteil solle die Tat nicht mildern, stellte Bunk in der Begründung klar. Schließlich handelte es sich um einen Angriff auf einen Ehrenamtlichen, der gerne als Schiedsrichter aktiv war und sein Amt auch leidenschaftlich ausübte. Die Folgen: Gehirnerschütterung, vier Tage Klinik, in die der Schiedsrichter mit einem Rettungshubschrauber gebracht worden war, vier Wochen Arbeitsunfähigkeit, über drei Monate ambulante Behandlung und das Ende des Schiedsrichtertätigkeit. Dazu ist der 23-Jährige mental nicht mehr in der Lage. Zweimal habe er die Vorbereitung auf einen Spieltag simuliert, berichtete der Schiedsrichter. Jetzt bekomme er statt der lange gewohnten positiven Anspannung, also Vorfreude auf seinen Einsatz als Schiedsrichter, jeweils Angst und Schweißausbrüche. Dann mache sich eine gewisse Unsicherheit in ihm breit, »und unsicher kann ich nicht auf den Platz und ein Spiel leiten«.

Das Sportgericht des Fußballkreises Dieburg hatte derweil den Schlag von G. als besonders schwere Tätlichkeit gegen den Unparteiischen gewertet und mit einer maximal möglichen dreijährigen Sperre geahndet. Sein Verein FSV Münster wurde insgesamt für ein halbes Jahr gesperrt, hatte aber schon zuvor die gesamte Mannschaft aufgelöst und ausgeschlossen.

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